Der Lack ist noch lange nicht ab Ausstellung "Lack - Die Kunst der Oberfläche" in München

In München zeigt die Galerie Handwerk noch bis 4. Juni 2016, was Lack alles kann. Die Ausstellung "Lack- Die Kunst der Oberfläche" widmet sich den gestalterischen Möglichkeiten des Materials.

Rudolf Baier

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    © Michael Schuhmann
    Aus diesem 3er BMW schuf Walter Maurer die Skulptur "Come together".
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    © Michael Schuhmann
    Kunst auf Karosserie: Die Ausstellung in München läuft noch bis 4. Juni.
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    ... Die Farben sind selbst gemischt und die Objekte mit den Fingern poliert.
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    © Rudolf Baier
    Der Südkoreaner Hae-Cho Chung fertigt diese wundervollen Gefäße aus Hanf und Ottchil-Lack. ...

Walter Maurer aus dem oberbayerischen Hebertshausen wird oft als "Dior des Blechs" bezeichnet. Er hat Entwürfe von Andy Warhol, Frank Stella, Roy Lichtenstein, Ernst Fuchs und Cesár Manrique für die " BMW Art Car"-Serie auf Autokarossen gezaubert. Er hat als Lehrbeauftragter an der Akademie der Bildenden Künste in München eine ganze Künstlergeneration beeinflusst, eine eigene Akademie für Design, Kunst und Lacktechnik gegründet und de­signt und lackiert für Industriekonzerne wie BMW, DaimlerChrysler, EADS, Eurocopter oder Lufthansa.

Nun ist eines seiner Werke, die Automobilskulptur "Come together", in der Münchner Galerie Handwerk zu bewundern. Der 3er BMW zieht neben dem Mini von Patricija Magdic und Michael Kiening die Passanten magisch in die Ausstellung "Lack – Die Kunst der Oberfläche". Diese Ausstellung der Galerie Handwerk im Gebäude der Handwerkskammer für München und Oberbayern stellt das Thema Lack aus unterschiedlichen Blickwinkeln vor. Zudem soll gezeigt werden, so Galerie-Leiter Wolfgang Lösche, zu welchen ästhetischen Ausprägungen es in einzelnen, für die Lackanwendung typischen Ländern gekommen ist.

Historische Exponate

Ein Teil der Ausstellung geht auf die historischen und materialtechnischen Bedingungen und Gegebenheiten natürlicher Lacke ein, wie sie seit Jahrhunderten in Asien und Europa als besondere Gestaltungsakzente angewandt und eingesetzt werden. Hierbei werden die unterschiedlichen Lackmaterialien wie Urushi (Chinalack), Schellack, diverse Firnisse ebenso vorgestellt wie die verschiedenen Verarbeitungsweisen, darunter Streulacke, Schnitzlacke, Einlegearbeiten und Lacca povera. An historischen Exponaten, wie einer Stapelschachtel aus Japan um 1860, werden diese Techniken ebenso erläutert wie an ausgewählten Restaurierungsprojekten wie einem Tragsessel mit Lackdekor um 1747.

Gezeigt wird auch, wie versucht wurde, die Oberflächeneffekte und die Gestaltungsweisen der ostasiatischen Lacke zu imitieren und wie dann, ähnlich wie im Falle des Porzellans, eine eigene Formensprache entwickelt wurde. Die Ausstellung präsentiert zudem Werke internationaler zeitgenössischer Lackkünstler. Vom Südkoreaner Hae-Cho Chung, Bayerischer Staatspreisträger 2016, stammen die sofort ins Auge springenden großen Gefäße aus Hanf und Ottchil-Lack (Korea-Lack). Der Künstler mischt die Farben selbst und poliert seine Gefäße mit den Fingern.

Der Deutsche Adam Löffler überzieht seine Holzgefäße mit PU-Spritzlack oder mit Urushi-Lack, Manfred Schmid seine Textilschalen mit Urushi-Lack. Die Belgierin Ann van Hoey arbeitet bei ihren Keramiken mit Autolack. Frédéric Braham aus Frankreich überzieht seinen Metall-, Silber- und Polyethanschmuck genauso mit Lack wie der Japaner Kyoko Fukuchi seinen Schmuck aus Papier beziehungsweise Hanf und Steinpulver. Daneben werden aber auch klassische Beispiele des Lackeinsatzes vorgestellt. Beim Geigenbau etwa optimiert der Geigenlack den Klang des Instruments. Und die eingangs erwähnten Autolacke machen aus den Fahrzeugen eigene Kunstwerke.

Galerie Handwerk

Die Ausstellung "Lack – Die Kunst der Oberfläche" wird noch bis  4. Juni 2016 in der Galerie Handwerk, Max-Joseph-Straße 4, Eingang Ottostraße, 80333 München, gezeigt. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Freitag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag 10 bis 20 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr. Informationen unter hwk-muenchen.de/Galerie