Detroit Motorshow Comeback der großen Limousine

Der SUV-Markt mag boomen und die Begeisterung für Pick-Ups bei den Amerikanern ungebrochen sein. Doch auf der Detroit Motorshow steht eine andere Gattung im Rampenlicht: die große Limousine. Über Jahre vernachlässigt, feiert sie jetzt ihr Comeback.

Die neue E-Klasse präsentiert sich bei der Detroit Motorshow mit ihrem frischen Design. - © Foto: Thomas Geiger/dpa

Ein Taxi in Detroit? Darüber kann der Portier eines Hotels nur lachen. Zwar haben die Autohersteller die Stadt zur Detroit Motorshow mit hunderten von Shuttle-Fahrzeugen förmlich geflutet. "Doch mal eben die Hand raushalten und ein "Cab" heranwinken, das kann man in Motor-City vergessen", warnt der Dienstmann. Denn Taxen sind Mangelware in der Hauptstadt der amerikanischen Automobilindustrie. Und wenn mal eines hält, ist es meist ein Van oder ein SUV.

Abkehr von Pick-Up-Trucks

Das liegt nicht zuletzt an den vorherrschenden Geschmacksmustern der US-Kunden. Die haben der Limousine lange Jahre den Rücken gekehrt und sich für vermeintlich modernere, auf jeden Fall aber praktischere Karosserie-Konzepte interessiert. Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn während auf den Straßen noch die Geländewagen und Pick-Up-Trucks den Ton angeben, feiert auf der Detroit Motorshow das klassische Stufenheck ein Comeback.

Wenn es für Beobachter, Analysten und Premierengäste einen Trend gibt auf dieser ansonsten eher durchwachsenen Messe, dann ist es der zur Limousine. Amerikaner, Asiaten und Europäer treiben diese Entwicklung gleichermaßen an, die im Cobo Center – Heimat der Motorshow und anderer bedeutender Automobilmessen – eine Stufenheck-Limousine nach der anderen enthüllen.

Automobilhersteller strömen in Luxussegment

In Korea baut Hyundai sein neues Flaggschiff Genesis G90 und hat nach dem Vorbild der Toyota-Tochter Lexus mit Genesis eine neue Marke lanciert. Die Europäer müssen vorerst auf die Limousine, die mit Motoren bis zum 309 kW/420 PS starken 5,0-Liter-V8 bestückt ist, verzichten. Doch die europäischen Hersteller sollten sich den Luxusliner gründlich anschauen, rät Technik-Chef Albert Biermann. "Egal, ob daheim in Korea oder in Exportmärkten wie den USA und China, wollen wir das Geschäft nicht mehr allein den etablierten Größen überlassen", rechtfertigt er das Prestige-Projekt.

Damit sind die Koreaner aber nicht allein. Auch bei den US-Herstellern regt sich eine gewisse Begehrlichkeit. So wie Cadillac im vergangenen Frühjahr den neuen CT6 präsentiert hat, meldet sich deshalb jetzt auch Lincoln in dieser Liga zurück und zeigt auf der Detroit Motorshow den neuen Continental: "Nichts läuft besser im Autogeschäft als Luxus, davon wollen wir mit dem Lincoln wieder stärker profitieren", betont Ford-Chef Mark Fields. Angetrieben von einem V6-Benziner mit rund 294 kW/400 PS und ausgestattet mit allen Komfort- und Sicherheitssystemen, die der Ford-Konzern zu bieten hat, soll sie im Sommer zunächst in den USA und in Asien an den Start gehen, kündigte Ford an. Der Verkauf in Europa ist fürs Erste nicht geplant.

Konkurrenz für die E-Klasse

Während Hyundai neu im Limousinen-Geschäft ist und Lincoln gerade erst wieder zurückkommt, gehen in Detroit auch ein paar Stammspieler in die nächste Runde: allen voran die Mercedes E-Klasse. Die nach Angaben von Projektleiter Michael Kelz traditionell wichtigste Baureihe der Schwaben gibt es bereits seit neun Generationen. Im April kommt die zehnte Auflage, kündigte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Enthüllung an. Im Ringen mit dem BMW 5er und dem Audi A6 setzt er nicht nur auf ein frisches Design und ein ebenso komfortables wie modernes Interieur mit einem Cockpit im Cinemascope-Format, sondern auch auf weiterentwickelte Assistenzsysteme.

Aber auch auf diesem Feld muss die E-Klasse in Detroit Wettbewerb fürchten: Nur zwei Gänge weiter zeigt Volvo schließlich zum ersten Mal vor großem Publikum den neuen S90, der im Sommer auch in Europa die Modellpalette krönen soll. Der Fünf-Meter-Kreuzer bricht mit der Designtradition der Marke, bekommt ähnlich wie der Geländewagen XC90 ein neues Cockpit – und will laut Volvo beim assistierten Fahren ebenfalls ganz vorne dabei sein.

Angebote für die breitere Masse

Für amerikanische Taxifahrer sind diese durchweg noblen Neuheiten alle nichts. Doch gibt es auch für breitere Käuferschichten ein paar stufig geschnittene Neuheiten auf der Messe. So zeigt Hyundai-Schwester Kia zum ersten Mal in den USA den neuen Cadenza, der beim Preis auf dem Niveau des VW-Passat liegt. Beim Prestige will er mit dem BMW 5er konkurrieren. Nur ein Jahr nach der verspäteten Einführung des Mondeo in Europa enthüllt Ford in Detroit bereits das Update für den amerikanischen Zwilling Fusion, der vor allem einen neuen Kühlergrill, ein aufgeräumteres Cockpit und einen sportlichen V6-Motor für das Top-Modell bekommt.

So auffällig der Trend zum Stufenheck in Detroit sein mag, so kurz wird er halten. Denn wenn der PS-Zirkus nach Europa kommt und seine Messebühne im März in Genf und im Oktober in Paris aufbaut, gibt es die gleichen Modelle in einer ganz anderen Form zu sehen: Aus dem Volvo S90 wird ein V90, die E-Klasse glänzt als T-Modell und der Mondeo als Turnier – und alle Welt freut sich über viele neue Kombis. Wahrscheinlich sogar die Taxifahrer.

Die Detroit Motorshow läuft noch bis zum 24. Januar. dhz/dpa