Innovationsbericht 2015 Innovation und Forschung: Firmen investieren zu wenig

Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland geben im internationalen Vergleich weniger für Innovationen aus. Ein Grund dafür: Es fehlen finanzielle Anreize für die Forschung.

Im internationalen Vergelich investieren deutsche KMU deutlich weniger in Forschung und Entwicklung. Noch belegt Deutschland den fünften Platz im Innovationsvergleich. Die Frage ist, wie lange noch. - © Foto: Colourbox.de

Der Anteil der kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) an den Forschungsausgaben der deutschen Wirtschaft liegt in Deutschland lediglich bei 16 Prozent – in den USA sind es 19 Prozent, in Schweden 27 Prozent. Das geht aus dem Bericht zum Innovationsindikator des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) hervor.

Platz fünf im Innovationsvergleich: Zurückfallen droht

Im Gesamtvergleich belegt Deutschland im Innovationsindikator in diesem Jahr Platz fünf – hinter der Schweiz, Singapur, Finnland und Belgien. "Eine gewisse Sorge, dass wir zurückfallen, wenn wir nicht innovativer werden, ist berechtigt", sagte Acatech-Präsident Henning Kagermann. "In der Gesamtwertung sollte Deutschland unter den ersten Drei sein."

Gesellschaftliche Akzeptanz für Innovation fehlt

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung der KMU machten in Deutschland 0,31 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Andere Länder wie die Schweiz, Österreich oder Dänemark erreichten fast das Dreifache.

Zeitgleich scheint es in Deutschland an der gesellschaftlichen Akzeptanz für Innovation zu fehlen, was mit einem zwölften Platz im Bereich 'Gesellschaft' des Innovationsberichts abgestraft wird.

Traditionsreiche Firmen ohne modernste Technologien

"Man darf aus dem hohen Anteil an mittelständischen Weltmarktführern aus Deutschland nicht schließen, dass die kleinen und mittelständischen Firmen insgesamt innovativer sind als in anderen Ländern", sagte Kagermann. Häufig handele es sich um traditionsreiche Firmen aus klassischen Industrien ohne modernste Technologien. "Hidden Champions in Nischenmärkten wachsen selten zu Weltkonzernen, weil ihr Marktsegment enge Grenzen setzt."

Mangelnde Förderung kleiner Firmen

Ein anderes Problem sei die mangelnde Förderung kleiner und mittelgroßer Firmen. Nur die Hälfte dieser Firmen verfüge überhaupt über eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, deshalb würden sie von staatlichen Förderprogrammen nur bedingt erreicht, sagte Kagermann.

" Der Zugang zu solchen Förderprogrammen muss einfacher werden. Zu viele Firmen fallen durch das Eingangsraster", sagt Kagermann. Insbesondere beim Thema Industrie 4.0 dürften kleine und mittlere Unternehmen nicht abgehängt werden.

Nur Projekte werden unterstützt, die Forschung aber nicht

Es müsse stärker über steuerliche Anreize für die Forschung und Entwicklung nachgedacht werden, so Kagermann. Hierzulande werden keine Steuererleichterungen für Firmen angeboten, die forschen. Stattdessen werden konkrete Projekte gefördert. Auch der BDI spricht sich für die steuerliche Förderung aus. "Die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung zusätzlich zur Projektförderung würde einen internationalen Standortnachteil beseitigen", sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. dpa/dhz