DGNB-Preis "Nachhaltiges Bauen" Wohnhochhaus in Pforzheim erhält Nachhaltigkeitspreis

Der Preis "Nachhaltiges Bauen" würdigt in diesem Jahr die Leistung bei der energetischen Sanierung von Bestandsbauten. Ausgezeichnet wird ein Wohnhochhaus in Pforzheim aus den 1970er Jahren, aus dem ein hochgradig energieeffizientes Gebäude geworden ist.

Die Generalsanierung und Aufstockung eines Wohnhochhauses in Pforzheim wurde mit dem Preis für nachhaltiges Bauen ausgezeichnet. - © Foto: Dietmar Strauß

Das Gebäude in zentraler Lage Pforzheims zeige beispielhaft, wie die energetische Modernisierung von Bestandsbauten funktionieren kann, begründen die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ihre Entscheidung. Nach einem Jahr Planungs- und 18 Monaten Bauzeit wurde aus dem reichlich 40 Jahre alten Gebäude eines der modernsten Wohnhäuser der Pforzheimer Innenstadt.

„Als ästhetisch hochwertiger und nachhaltiger Stadtbaustein markiert das generalsanierte Hochhaus an der Güterstraße 30 ein prägnantes und wiedererkennbares neues ‚Tor zur Nordstadt‘“, sagt der Architekt Jochen Freivogel aus Ludwigsburg. Mit der energetischen Sanierung ging die Erneuerung des haustechnischen Konzepts einher, einschließlich der Verwendung regenerativer Energien. So erzeugen beispielsweise Photovoltaikmodule und eine Kleinwindkraftanlage auf dem Dach erneuerbaren Strom aus eigenen Quellen.

Überzeugt haben die Jury neben den energetischen Aspekten auch die Umsetzung der ästhetischen sowie die Berücksichtigung der sozialen Nachhaltigkeit. So wurden die Mieten nach der Generalsanierung und Aufstockung nur moderat angepasst.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, Alexander Rudolphi, sieht im vorausschauenden Umgang mit dem Gebäudebestand eine wichtige Herausforderung unserer Zeit. „Das Projekt in Pforzheim zeigt auf vorbildliche Weise, wie mit Blick auf die Erreichung der Klimaziele ökologisch saniert werden kann und dabei die Frage nach bezahlbarem und gleichzeitig hochwertigem Wohnraum nicht außer Acht gelassen wird.“

Mit dem Plusenergiehaus „Cubity“ und dem Energiebunker in Hamburg-Wilhelmsburg waren zwei weitere Gebäude für den Preis nominiert, die ebenfalls hinsichtlich der Nachhaltigkeit baukulturell beispielgebend sind.

„Cubity“: Studentenwohnheim im Plusenergiestandard

„Cubity“ ist das erste Studentenwohnheim im Plusenergiestandard. Es wurde auf einer Grundfläche von 15 mal 15 Metern von Studenten der TU Darmstadt als experimentelles Modell für temporäres Wohnen entwickelt und eignet sich daher auch als Wohnheim für Flüchtlinge oder für das Wohnen im Alter.

Die konzeptionelle Idee folgt dem Haus-im-Haus-Prinzip. In einer Halle gruppieren sich sechs zweigeschossige Wohnkuben um einen zentralen Platz. Jeder bewohnt einen privaten, in seiner Fläche auf das Minimum reduzierten Cube. Dieser Ansatz stellt den wachsenden Wohnflächenbedarf pro Person (in Deutschland derzeit 45 Quadratmeter) in Frage und verfolgt stattdessen den Ansatz der Selbstbegrenzung – sowohl räumlich, als auch thermisch, durch eine intelligente klimatische Zonierung in unterschiedliche Behaglichkeitsbereiche. Großzügige Gemeinschaftsflächen setzen auf Interaktion, Kommunikation und soziale Integration.

Energiebunker macht die Energiewende sichtbar

Der Energiebunker in Hamburg-Wilhelmsburg ist ein ehemaliger Flakbunker aus dem zweiten Weltkrieg, der erfolgreich zu einem nachhaltigen Energiespeicher umfunktioniert wurde. Das Gebäude steht inmitten eines rund 1,2 Quadratkilometer großen Stadt- und Wohngebietes und ist damit direkt an die zu versorgende Infrastruktur angebunden.

Die deutlich sichtbare 2.000 m2 große solare Hülle auf dem Dach (1.350 m2 Solarthermie) und an der Südseite der Fassade (670 m2 Photovoltaik) sowie die leicht zugängliche und einfach zu besichtigende Technik des 2.000 m3 Wasser fassenden Energiespeichers im Inneren machen wesentliche Teile der Energiewende sichtbar. Damit versorgt der Energiebunker im Endausbau rund 3.000 Haushalte im Quartier mit bis zu 85 Prozent regenerativ erzeugter Wärme und rund 1.000 Haushalte mit Strom.

Dabei ist der Speicher ein Vorreiterprojekt dezentraler Energieversorgung: Er wird durch die Wärme eines biomethanbefeuerten Blockheizkraftwerks, einer Holzfeuerungsanlage, einer solarthermischen Anlage sowie aus der Abwärme eines Industriebetriebs gespeist.