Interview über Digitalisierung und vernetzte Geräte "Digitalisierung bietet die Möglichkeit, Dinge zu vereinfachen"

Industrie 4.0, Digitalisierung, Konnektivität: Drei Dinge, die eng miteinander zusammenhängen. Ralph Dammertz, V. P. of Engineering, im Bereich Messtechnik und Martin Merchant, Head of Global Business Unit im Bereich Messtechnik bei Bosch, sprechen im DHZ-Interview über den Stand und die Trends bei vernetzten Geräten für Handwerker.

Ralph Dammertz (li.) ist bei Bosch Vice President of Engineering im Bereich Messtechnik, Martin Merchant ist Head of Global Business im Bereich Messtechnik. - © Foto: Bosch

DHZ: Herr Dammertz, Herr Merchant: Handwerker werden derzeit täglich mit "Digitalisierung" und "Industrialisierung 4.0" konfrontiert. Konnektivität ist noch so ein Stichwort. Wenn Sie diese Entwicklungen einem Handwerker in einfachen Worten erklären wollten: Was verbirgt sich dahinter?

Ralph Dammertz: Mit einfachen Worten: Digitalisierung bietet sehr viele Möglichkeiten, Dinge einfacher zu lösen. Hatte jemand vor 15 Jahren ein Handy in der Hand, hätte er nicht für möglich gehalten, dass er mal etwas anderes als dieses Handy braucht. Heute haben alle Smartphones, die eigenständige Computer sind. Eine ähnliche Entwicklung hat es in der Messtechnik gegeben und die Digitalisierung wird stetig voran schreiten. Es bedarf allerdings viel Phantasie, sich künftige Lösungen genau auszumalen.

"Digitalisierung führt zur Fehlervermeidung"

DHZ: Haben Sie die nötige Phantasie?

Dammertz: Die Digitalisierung eröffnet sehr viele Möglichkeiten. Ganz ehrlich: Ich kann mir heute noch nicht konkret vorstellen, wie weit wir in 15 Jahren sein werden.

Martin Merchant: Bei der Digitalisierung geht es vor allem um Effizienz. Digitalisierung führt zur Fehlervermeidung und Effizienzsteigerung. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich die Geräte so einfach wie möglich bedienen lassen.

Keine Zwi schen schritte mehr nötig

DHZ: Sie sind 2004 mit konnektiven Messgeräten gestartet. Was ist derzeit techni sch möglich im Vergleich zu damals?

Dammertz: Die Geräte sind heute viel kompakter, sie waren damals vier bis fünf Mal so groß. Zugleich sind sie wesentlich günstiger geworden. Parallel dazu nutzen wir die Entwicklung bei den Smartphones auch bei unseren Geräten. Heute werden Daten unserer Messgeräte direkt auf eine App auf dem Smartphone übertragen. Der Handwerker kann die Daten sehr einfach weiter verarbeiten oder auch weiterleiten. Früher gab es diese durchgängige Lösung nicht. Es brauchte immer einen PC als Zwi schen schritt.

Martin Merchant (li.) und Ralph Dammertz sehen vernetzte Geräte stark im Kommen. - © Foto: Bosch

DHZ: Stoßen Sie teils noch auf Skepsis bei den Handwerkern?

Merchant: Es ist sicherlich eine Grundskepsis vorhanden, der Mehrwert liegt aber auf der Hand. Es geht bei konnektiven Geräten darum, Daten schnell und einfach zu erfassen, zu speichern und weiterzugeben. Darum geht es auch den Handwerkern.

Dammertz: Die Bereit schaft ist groß, sich auf etwas Neues einzulassen, wenn es die Arbeit erleichtert. Grundlage dafür sind Lösungen, die durchgängig einfach zu bedienen sind. Die erste Entwicklung im Jahr 2004 hat sich damals nicht so durchgesetzt, wie wir uns das erhofft hatten – obwohl die Geräte damals auch schon mit Bluetooth ausgestattet waren. Grund dafür war, dass sich das mobile Endgerät, der PDA, nicht im Markt etablieren konnte und für die Weiterverarbeitung der Daten eben immer der Zwi schen schritt über den PC nötig war. Heute ist das anders.

Feedback von Verwendern wird aufgegriffen

DHZ: Nach welchen Kriterien treiben Sie die Produktentwicklung voran?

Merchant: In erster Linie haben wir einen sehr engen Kontakt zu den Handwerkern. Unser Produktmanagement ist weltweit auf Baustellen unterwegs und beobachtet, was das Handwerk macht – und mit welchen Problemen es im Arbeitsalltag konfrontiert wird. Daraus entwickeln wir Lösungen. Zudem nutzen wir das direkte Feedback unserer Verwender über unsere Kunden-Hotline und unsere Online-Community für weitere Produktentwicklungen. Darüber hinaus betreiben wir natürlich auch klassi sche Marktfor schung.

Dammertz: Wir entwickeln unsere Produkte ständig weiter. Gerade bei Innovationen holen wir uns regelmäßig das Feedback von Verwendern ein und greifen es systemati sch auf.

DHZ: Kommt es auch vor, dass Handwerker auf Sie zukommen und sagen: Das funktioniert im Arbeitsalltag überhaupt nicht?

Dammertz: Das kommt durchaus vor. Wir nehmen diese Hinweise ernst und lassen diese Erkenntnisse in weitere Produktentwicklungen einfließen.

"Unter schiede zwi schen Ländern zeigen sich an der Anzahl der Features"

DHZ: Sie sagen, Sie beobachten die Baustellen weltweit: Welche Unter schiede gibt es zwi schen den Ländern?

Merchant: Die Unter schiede erkennt man hauptsächlich anhand der Anzahl der Features, die an einem Gerät gefragt sind. Vereinfacht kann man sagen: Je industrialisierter ein Land ist, desto mehr Funktionen werden gefordert.

Dammertz: Während in aufstrebenden Märkten vielleicht ein einfaches Gerät ausreicht, hat der deut sche Handwerker eher mehrere Geräte: Ein einfaches für die Hosenta sche, für das ein Knopfdruck ausreicht, aber auch eines, mit dem er anspruchsvolle Berechnungen durchführen kann.

Viel Bewegung bei Thermomessgeräten

DHZ: In welchen Bereichen wird es in dem kommenden Jahren Ihrer Meinung nach die größten Veränderungen geben?

Dammertz: Ein Markt, der sich sehr stark entwickelt, ist der für Thermomessgeräte. Hier gab es bereits in den vergangenen Jahren sehr viel Bewegung. Jetzt werden die Geräte auch für Handwerker zunehmend er schwinglich und immer einfacher zu bedienen. Vor zwei Monaten haben wir unseren ersten Profi-Thermodetektor auf den Markt gebracht, den GIS 1000 C Professional. Es ist ebenfalls ein vernetztes Gerät. Bereits das Interesse an der Ankündigung war sehr groß. Aus Online-Foren haben wir inzwi schen außerordentlich positive Rückmeldungen bekommen. Bei der Produktentwicklung haben wir schon sehr früh mit Handwerkern gesprochen.

DHZ: Welchen Anteil machen denn konnektive Geräte derzeit bei Ihnen aus?

Merchant: Wir sehen, dass es ein stark wachsender Trend ist. Obwohl wir auch außerordentlich beliebte Geräte haben, die ohne Konnektivität auskommen.

Dammertz: Ohne konkrete Zahlen nennen zu wollen: Das Wachstum bei den vernetzten Geräten ist deutlich größer als in den anderen Bereichen.

"Einheitliche Standards sind nicht auszu schließen"

DHZ: Kann man eine Aussage dazu treffen, in welchen Altersgruppen die vernetzten Geräte am beliebtesten sind?

Merchant: Wir sehen, dass die Bereit schaft diese Geräte zu verwenden, in allen Altersgruppen vorhanden ist. Das wichtigste ist immer die Bedienerfreundlichkeit.

DHZ: Nun gibt es ja viele unter schiedliche Anbieter, die unter schiedliche Systeme und Software verwenden. Ist in den kommenden Jahren zu erwarten, dass sich die Hersteller zusammentun? Das wäre ja ein Aspekt der Nutzerfreundlichkeit.

Dammertz: Es ist nicht auszu schließen, dass es künftig wie in anderen Bereichen einheitliche Standards geben wird. Eine Ent scheidung dazu gibt es aktuell nicht. sch