Motorradständer, "Bierausschenkautomat" und Holzverbundrohr: Am 29. Oktober eröffnet die Erfindermesse iENA in Nürnberg. Mehr als 700 Neuheiten gibt es dort zu sehen - viele davon aus dem Handwerk.
Horst Buchmann

Die Nürnberger Messehalle 12 steht ab 29. Oktober im Zeichen von "Ideen, Erfindungen, Neuheiten": Diese drei Themen umfasst die Erfindermesse iENA, die vom 29. Oktober bis 1. November 2015 ihre Pforten öffnet. Unter den über 700 Produkt-Präsentationen aus 36 Ländern stammt gut ein Drittel aus dem Handwerk.
Ob ein pneumatischer Ständer für Motorräder, ein neuartiges Holzverbund-Rohr oder ein origineller Biereinschenkautomat, ob spezielle Kettensteine oder ein Verschluss- und Tragegriff für Säcke aller Art – Henning Könicke, iENA-Projektleiter der Messegesellschaft AFAG, nennt die Betriebe des Handwerks einen "starken Partner" im Bereich Innovation. Die meisten der Neuheiten im Jahr 2015 stammen aus Sicherheit, Medizin und Verkehr.
Erfinder auf der Suche nach Vertriebspartnern
Die Messe sieht sich als weltweites Forum gerade für Mittelständler, die Vertriebspartner für ihre Ideen suchen. Wie AFAG-Geschäftsführer Heiko Könicke vor Messeeröffnung erklärte, repräsentieren fast alle betrieblichen Erfinder kleine und mittlere Unternehmen. Länderübergreifend kommt jeder Dritte aus einem Handwerksbetrieb.
Ihnen will man Hilfestellung und Informationen anbieten: 46 wichtige Verbände und Institutionen wie das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) sind vor Ort. Bei der Förderung sieht er hierzulande Nachholbedarf: "Weltweit werden Erfindungen stark unterstützt, in Deutschland leider nicht."
Auch gute Produkte verkaufen sich nicht von selbst
Wolfgang Müller vom Steinbeis-Transferzentrum Infothek sagte, man unterstütze in Deutschland Gründer, aber keine Erfinder. Zuletzt seien Förderprogramme zum Beispiel für Erfinderclubs, für Innovationsmarketing, der Erfinderpreis "Eins hoch Drei" eingestellt worden, Ende 2015 falle auch die kostenlose Erfinderfachauskunft weg.
Dabei wäre Hilfe gerade beim Marketing so wichtig: "Ein gutes Produkt verkauft sich nicht von selbst!" Zum Glück gebe es noch private Initiativen wie den "Artur Fischer Erfinderpreis" oder Schülerprogramme wie "mikromakro" (Baden-Württemberg).
Bei der iENA feiern dieses Jahr auch junge Erfinder 50 Jahre "Jugend forscht". Eine "Start-Messe" am 31. Oktober und 1. November, Seminare und Workshops sollen Interessenten Tipps zu Unternehmensgründung, Finanzierung geben.
Polen ist Partnerland
Sonderschauen und -Aktionen gibt es unter anderem zu Themen wie "Jugend creativ" oder "Jugend forscht", Innovationsseminare "Strategien des Innovationsmanagements – Neue Produkte und Prozesse generieren und implementieren" (30.10.), ein Symposium "Mit der Idee zum Erfolg - Erfinden und zum Unternehmer werden" (31. Oktober).
Polen ist 2015 Partnerland der iENA. Auf einem 100-Quadratmeter-Gemeinschaftsstand präsentiert man 45 Erfindungen. Botschaftsrätin Danuta Dominiak-Wozniak sagte über das aufstrebende Land (3,4 Prozent Wachstum 2014): "Unser neuer Rohstoff ist statt Öl und Gas die Innovation." Beispiele für Erfindungen „made in Poland“ sind nicht nur Mars-Rover oder Spielwürfel, sondern in Nürnberg zu sehen: Prototypen eines Retro-Elektro-Fahrrades mit Smartphone-Steuerung oder eines Auto-Kindersitzes mit speziellem Seiten-Kopfschutz, um bei Unfällen schwere Verletzungen zu verhindern.
Patentrekord im vergangenen Jahr
Zum 67. Mal seit 1948 treffen sich dieses Jahr Erfinder aus aller Welt in Franken: Hier wurden schon viele Weltpremieren gefeiert und bestaunt – etwa der Autodachgepäckträger für stehende Fahrräder, das Alkotest-Verfahren, das Klappfahrrad (1967) oder der Sicherheitsgurt. Auch Warngeräte für Gabelstapler, die Anti-Rutsch-Matte fürs Auto oder das feuchte Toilettenpapier waren erstmals in Nürnberg zu sehen.
Im Jahr 2014 wurde die Rekordzahl von 65.958 Patenten (+ 4,4 Prozent) und 70.678 Marken (+ 8,8 Prozent) angemeldet, außerdem 14.748 Gebrauchsmuster und 59.423 Designs. Die iENA ist vom 29. bis 30. Oktober von 9.30 bis 18 Uhr für Fachbesucher geöffnet, am 31. Oktober von 9.30 bis 18 Uhr und am 1. November von 9 bis 16 Uhr für jeden Interessierten; Tagestickets kosten ab 12 Euro (ermäßigt 7,50 Euro).