Studie untersucht psychosoziale Belastungen Ältere Mitarbeiter: Anerkennung überwiegt Stress

Stress bei der Arbeit kennt jeder, doch für immer mehr Menschen führt dieser Stress zu psychischen Erkrankungen. Je älter der Mensch, desto schlechter kann er mit Stress umgehen. Dennoch zeigt jetzt eine Studie: Die Mehrzahl der älteren Arbeitnehmer kommt gut klar. Warum das so ist.

Für die Mehrzahl der älteren Arbeitnehmer überwiegen die positiven Faktoren bei der Arbeit den Stress. - © industrieblick/fotolia

Bei den meisten älteren Beschäftigten überwiegen positive Aspekte ihre Arbeit. Sie fühlen sich wertgeschätzt an einem sicheren Arbeitsplatz. Das zeigt eine Befragung unter 3644 Menschen der Geburtsjahrgänge 1959 und 1965, die Wissenschaftlerinnen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) durchgeführt haben.

Ihr Fokus lag auf dem Verhältnis von psychosozialen Arbeitsbelastungen und "Belohnungen" bei der Arbeit.

Anerkennung überwiegt Stress

Zu den psychosozialen Belastungen zählten:

  • häufige Unterbrechungen während der Arbeit
  • häufiger großer Zeitdruck
  • viel Verantwortung
  • Zwang zu Überstunden
  • Arbeitsverdichtung.
Dem stellten die Wissenschaftlerinnen positive Erlebnisse gegenüber, zum Beispiel:
  • angemessenes Gehalt
  • angemessene berufliche Stellung
  • Aufstiegschancen
  • Anerkennung durch Vorgesetzte und Kollegen

Für die meisten Befragten überwogen die positiven Faktoren. Diejenigen aber, die von relativ hohen psychosozialen Belastungen bei der Arbeit berichteten, schätzten ihre psychische Gesundheit auch weniger positiv ein wie andere Beschäftigte.

Der Stress zeigte nicht nur auf die Psyche Wirkung, sondern auch auf den Körper, wenn auch in geringerem Ausmaß.

Ein Drittel leidet unter Zeitdruck

Im Jahr 2014 fühlten sich 29 Prozent der befragten älteren Beschäftigten stark oder sehr stark durch häufigen Zeitdruck belastet. 17 Prozent erwarteten eine Verschlechterung ihrer Arbeitssituation und erlebten das als stark oder sehr stark belastend. Zehn Prozent berichteten von einer starken oder sehr starken Belastung durch fehlende Anerkennung von Vorgesetzten, weitere 20 Prozent sahen sich hierdurch mäßig belastet.

Gleichzeitig sagten 90 Prozent, dass ihr Arbeitsplatz nicht gefährdet sei oder sie sich dadurch nicht belastet fühlten. Ebenfalls 90 Prozent fühlten sich von ihren Kollegen anerkannt oder sahen hier keine Belastung. 70 Prozent berichteten von Anerkennung durch die Vorgesetzten oder zumindest davon, dass sie sich durch ein Ausbleiben der Anerkennung nicht belastet fühlten.

Die Autorinnen der Studie Silke Tophoven und Karolin Hiesinger werten diese Ergebnisse eher positiv, merken jedoch an: "Befragt wurden Erwerbstätige, die aktuell relativ gut in den Arbeitsmarkt integriert sind, vergleichsweise stabile Erwerbsverläufe aufweisen und deren Tätigkeiten eher ein höheres Anforderungsniveau haben. Weiterhin ist zu bedenken, dass Personen dieser Altersgruppe, die übermäßig stark belastet waren, unter Umständen bereits nicht mehr erwerbstätig sind.“

Zur IAB-Studie geht es hier.

dhz