Wer gerade kein Geld im Portemonnaie hat, zahlt mit Karte. Die EU will das elektronische Zahlen nun sicherer und zuverlässiger machen. Das Europaparlament muss jedoch noch über die neuen Regeln abstimmen.

Beim Shoppen im Internet oder beim Lebensmitteleinkauf um die Ecke: Kredit- und EC-Karten sind ziemlich praktische Bezahlmöglichkeiten. Doch ab und zu fallen Extra-Gebühren an. Wer online kauft, kann neben der Kartenzahlung zusätzlich auch auf die Sofortzahlung über das Bankkonto zurückgreifen.
Nun soll der elektronische Zahlungsverkehr sicherer und zuverlässiger werden. Neue EU-Regeln zugunsten der Kunden machen es möglich. Sie machen den zweiten Teil der EU-Richtlinie zu Zahlungsdienstleistungen aus.
Was soll sich nach dem Willen des EU-Parlaments künftig ändern?
Bei der Zahlung mit Kredit- und Debitkarten (EC-Karten) sollen für den Kunden künftig keine Extra-Zuschläge ("Surcharges") mehr anfallen. Einige Unternehmen verlangen solche Aufschläge beim Online-Kauf mit Kreditkarte, etwa Billigairlines zur Aufbesserung ihrer Profite.
Für wen werden die Regeln gelten?
Etwa für Kreditkarten der beiden Marktführer, die US-Unternehmen Mastercard und Visa. Sie haben gemeinsam einen Marktanteil von knapp 90 Prozent. Ausgenommen sind dagegen American Express und Diners Club, weil sie ihre Karten selbst ausgeben und ohne zwischengeschaltete Banken auskommen. Auch Firmenkarten, die nur für geschäftliche Zahlungen benutzt werden, fallen nicht unter die neuen Richtlinien.
Was ist mit sogenannten Drittparteien-Anbietern?
Dieser Graumarkt soll erstmals EU-Recht unterliegen. So nutzen in Deutschland manche Online-Shops Überweisungen über den Anbieter "Sofort", der Kunden Transaktionen über das Bankkonto mit ihren vertrauten Online-Banking-Daten anbietet. Solche Dienstleister müssen künftig bestimmte Anforderungen in punkto Authentifizierung und Sicherheit erfüllen, um auf die Daten des Bankkunden zugreifen zu dürfen.
So muss der Anbieter die Daten nach dem Zahlungsvorgang sofort wieder löschen. Zudem soll er, nach den Plänen der EU, künftig die Haftung für Fehlbuchungen übernehmen und muss den Betrag dem Kunden ersetzen. Konkrete Vorgaben hierfür soll die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA noch festlegen.
Was hat der Bankkunde davon?
Für den Bankkunden sind die Pläne der EU mit einigen Vorteilen verbunden: Er kann auf mehr Sicherheit hoffen. Zugleich soll der Verbraucher eine größere Auswahl bei den Anbietern haben und von den neuesten Entwicklungen profitieren. Mehr Wettbewerb unter den Anbietern soll zudem die Kosten für Zahlungsdienste senken.
Und wie sieht es mit einem Deckel für die Gebühren beim Karteneinsatz aus?
Diese sind bereits beschlossen. Ab Ende des Jahres gelten Grenzen für die sogenannten Interbankenentgelte . Diese Gebühren stellt die Bank des Kunden der Bank des Einzelhändlers in Rechnung, wenn der Verbraucher per Karte zahlt. Die Höhe bemisst sich am Einkaufswert. Die Bank zieht diese Gebühr von dem Zahlbetrag des Händlers ab. Das bekommt letztlich auch der Kunde zu spüren, weil der Händler oder Dienstleister die Kosten auf den Endpreis schlägt.
Die EU-Kommission rechnet vor: Kauft ein Kunde eine Kamera für 100 Euro und zahlt mit Karte, fallen bei einer Zahlung mit Maestro im Schnitt 30 Cent an. Benutzt der Käufer eine Kreditkarte, ist es ein Euro. Künftig gilt für Kreditkarten ein Limit von 0,3 Prozent des Zahlbetrags, für Debitkarten - die in Deutschland beliebten EC-Karten - 0,2 Prozent.
Wer profitiert von dem Gebührendeckel?
In erster Linie Einzelhändler und Dienstleister. Nach Berechnungen der EU-Kommission zahlen Europas Einzelhändler derzeit jedes Jahr etwa zehn Milliarden Euro an Extrakosten bei Kartenzahlungen. Diese Summe werde um sechs Milliarden Euro sinken, so die Kommission.
Spart auch der Verbraucher?
Ob der Verbraucher durch die neuen Regeln spart, ist umstritten. Das Europaparlament geht davon aus, dass die Händler die Einsparungen an den Kunden weitergeben. Zahlen nennt das Parlament aber nicht. Branchenexperten warnen aber, dass kostenlose Kreditkarten seltener werden und Anbieter höhere Jahresgebühren verlangen könnten.
Wie weit verbreitet sind Kreditkarten eigentlich?
Nach Angaben der EU-Kommission haben die rund 500 Millionen EU-Bürger etwa 727 Millionen Zahlkarten in ihren Portemonnaies.
Wann werden die jüngsten Änderungen in Kraft treten?
Die neuen EU-Standards sollen - nachdem das Europaparlament darüber abgestimmt hat (Abstimmung am 8.10.2015) - ab Herbst 2017 gelten. Die bereits beschlossenen Obergrenzen für Bankenentgelte haben ab Jahresende Gültigkeit. dpa/dhz