Premiere Selbstfahrender Lkw absolviert erste Autobahntour

Lastwagen, die ohne Fahrer am Steuer über die Autobahnen rollen. Unvorstellbar? Nicht wenn es nach Daimler geht. Mit der Technik namens "Highway Pilot" feierte der Stuttgarter Autobauer nun eine Premiere. Beim autonomen Fahren, bei dem der Lkw per Autopilot gesteuert wird, fährt der Lastwagen von alleine über die Straße.

2014 stellte Daimler den "Future Truck 2025" vor. Nun fuhr der Lkw in dem die Autopilot-Technik verbaut ist zum ersten Mal selbstständig über die Autobahn. - © Foto: Jens Wolf/dpa

Zum ersten Mal ist ein selbstfahrender Lastwagen über eine öffentliche Straße in Deutschland gerollt. Dabei saß Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard allerdings noch am Steuer - beim sogenannten teilautonomen Fahren muss ein Mensch weiter im Cockpit sein und jederzeit eingreifen können.

Während der Fahrt schaltete Bernhard den Autopilot ein, der für den Großteil der Testfahrt auf der Autobahn 8 (A8) bei Stuttgart die Steuerung übernahm. Bis solche Autopilot-Funktionen im großen Stil auf den Markt kommen, dürfte es aber noch einige Jahre dauern.

Wichtiger Schritt hin zu marktreifen Autopilot-Lastern

Laut Daimler war die Testfahrt ein wichtiger Schritt hin zu marktreifen Autopilot-Lastern. Im Flieger sei ein Mensch für Starts und Landungen zuständig, in der Luft werde dann aber auf Autopilot umgeschaltet - ähnlich könnte dies auch im Lkw-Verkehr sein, so Wolfgang Bernhard mit Blick auf die getestete Daimler-Technik "Highway Pilot".

Die Vorteile: "Der Highway Pilot bringt mehr Sicherheit, weil er immer zu hundert Prozent da ist, er wird nie abgelenkt, er wird nie müde, er lässt in der Konzentration nicht nach - das heißt: mehr Sicherheit", sagte Bernhard. Zudem sinke der Spritverbrauch, weil gleichmäßiger und damit effizienter gefahren werde.

Wer ist schuld bei einem Unfall?

Zu den Nachteilen gehören laut einer Studie des US-Forschungsinstituts "Rand" aus dem Jahr 2014 unter anderem, dass die Technologie zu höherer Mobilität verleitet und damit ein noch dichteres Verkehrsaufkommen verursachen könnte. Außerdem könnte laut den US-Forschern bereits ein minimaler Fehler in der standardisierten Software viele Unfälle verursachen. Zudem so die Studie könnten internetbezogene Systeme von Cyberkriminellen gehackt werden.

In Deutschland richten sich die Bedenken eher in Richtung Datenschutz- und Haftungsfragen - wer ist schuld, wenn doch ein Unfall passiert? "Im jetzigen Stadium ist dies eindeutig noch der Fahrer, da er ja die Kontrolle über die Lenkung hat", so Bernhard. Auf der nächsten Stufe - wenn also der Fahrer nicht mehr auf die Straße sehen muss - müsse man solche Fragen jedoch noch klären.

Fahrer soll sich künftig mit anderen Dingen beschäftigen

Bisher muss der Fahrer beide Hände am Steuer haben. Künftig soll er sich aber mit anderen Dingen beschäftigen können, etwa Lesen. Bei den bisherigen Daimler-Testfahrten ist dies noch nicht der Fall, hier muss der Fahrer zwar nicht die Hände am Steuer haben, er muss aber weiter die Straße im Blick behalten.

Auch andere Automobilhersteller arbeiten fieberhaft an der Entwicklung autonomer Fahrzeuge. Die Opel-Mutter General Motors beispielsweise erklärte, ab Ende 2016 eine Flotte selbstfahrender Autos rund um Detroit testen zu wollen. Außerdem testet der Internetriese Google bereits seit 2009 selbstfahrende Fahrzeuge in Kalifornien und entwickelte inzwischen selbst den Prototypen eines elektrischen Zweisitzers mit Computer-Steuerung.

Premiere in Frankreich: Fahrzeug fährt 580 Kilometer autonom

Auch in Frankreich tut sich etwas in Sachen autonomes fahren. Dort fuhr ein Prototyp von PSA Peugeot Citroën die 580 Kilometer lange Strecke zwischen Paris und Bordeaux auf der Autobahn.

Die 580 Kilometer lange Strecke wurde laut PSA autonom, und ohne Eingriff des Fahrers, absolviert. Das Fahrzeug hätte seine Geschwindigkeit selbstständig an die jeweils gültigen Beschränkungen angepasst, Überholmanöver eigenständig durchgeführt und sich mit seiner Umgebung abgestimmt, heißt es von Seiten des Herstellers.

2016 fünfzehn Prototypen auf Frankreichs Straßen

Im Juli 2015 hatte PSA Peugeot Citroën die Genehmigung für den Einsatz von vier autonom fahrenden Prototypen im öffentlichen Straßenverkehr erhalten. "Von 2016 an werden etwa fünfzehn Prototypen unterwegs sein", so PSA Peugeot Citroën.

"Mit dieser Erfahrung treten wir in eine neue Ära der autonomen Mobilität ein, die ich faszinierend finde“, sagte Carlos Tavares, Vorstandsvorsitzender von PSA Peugeot Citroën im Rahmen der Premierenfahrt. dhz/dpa