Interview mit Arbeitsforscher Professor Michael Falkenstein Demografie: Arbeit muss Spaß machen

Die Menschen sollen immer länger arbeiten, um die Folgen des demografischen Wandels auszugleichen. Doch die wenigsten Älteren wollen das und längst nicht alle können es, weil sie weder körperlich noch psychisch fit genug sind. Wie Chefs ihre Mitarbeiter möglichst lange bei der Stange halten können, erklärt Arbeitsforscher Professor Michael Falkenstein.

Barbara Oberst

Michael Falkenstein ist Professor der Psycho­logie an der TU Dortmund, Doktor der Humanmedizin und Diplom-Elektrotechniker. Er berät zugleich das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung (IfADo) in Dortmund und  leitet das Institut für Arbeiten Lernen Altern (ALA) in Bochum. - © privat

Falkenstein: Arbeit muss den Menschen Spaß machen. Nur so lassen sie sich länger halten. Drei Stellschrauben gibt es dafür: den Führungsstil, die Art der Arbeit und die körperliche wie geistige Fitness.

DHZ: Wie sollte die Arbeit aussehen?
Falkenstein: Vor allem abwechslungsreich. Es ist grundfalsch, wenn Menschen immer nur das machen, was sie am besten können. Dann bauen sie ab. Jeder sollte möglichst viele verschiedene Aufgaben erfüllen.

DHZ: Überfordert das die Menschen nicht?
Falkenstein: Die Gefahr besteht dann, wenn jemand das Lernen verlernt hat. In dem Fall sollten Chefs ihre Mitarbeiter behutsam und ohne Zeitdruck über Weiterbildungen an Neues heranführen. Einfacher geht es, wenn sich im Betrieb von vornherein Junge wie Ältere weiterbilden.

DHZ: Welchen Zusammenhang gibt es zwischen körperlicher und psychischer Fitness?
Falkenstein: Sport hält nicht nur körperlich, sondern auch geistig flexibel, er fördert die Intelligenz und wirkt motivierend. Drei Stunden flottes Gehen pro Woche wirkt schon. Tanzen wäre der Goldstandard, weil damit auch die Geschicklichkeit trainiert wird. Zusätzlich lässt sich die Intelligenz direkt durch mentales Training verbessern, beispielsweise mit ausgewählten PC-Aufgaben.

DHZ: Können Ältere denn auf diese Weise ihre volle Leistungsfähigkeit erhalten?
Falkenstein: Im Prinzip ja. Vor allem die Fähigkeiten, die insgesamt mit zunehmendem Alter nachlassen, wie das Suchen und Finden, verbessern sich. Zudem haben Ältere Jüngeren einiges voraus. Aufgrund ihrer Erfahrung haben sie oft den besseren Überblick, sie sind gute Problemlöser und Verhandler.

DHZ: Wie sollten Chefs damit umgehen?
Falkenstein: Sie sollten diese Stärken nutzen, die Schwächen berücksichtigen und die Leistungen der Älteren anerkennen. Über ihre Führungsqualitäten haben Chefs einen gigantischen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ihrer Mitarbeiter.