Professioneller Umgang mit den Finanzen Vermögensverwaltung – mehr als nur Finanztipps

Mit dem Betriebsvermögen so gut umgehen, wie mit dem privaten Geld: Dabei können Vermögensverwalter auch für kleine Betriebe eine Option sein. Was sie leisten, was sie kosten und worauf Unternehmer bei der Auswahl achten müssen.

Sabine Hildebrandt-Woeckel

Auch für kleine Betriebe kann die professionelle Vermögensverwaltung sinnvoll sein. - © Jürgen Fälchle/Fotolia.com

Unseriös, wenig Ahnung, exorbitant teuer – und wenn überhaupt nur für die ganz Großen geeignet. Markus Kiefer, Pressesprecher der V-Bank in München weiß nur zu genau: "Vermögensverwalter haben in Deutschland mit allerlei Vorurteilen zu kämpfen."

Zwar wird unabhängige Vermögensverwaltung auch hierzulande populärer. Doch von Zahlen wie in der Schweiz oder den USA, wo rund 30 Prozent der Anleger das Wissen der Experten nutzen, ist die Branche weit entfernt. Etwa fünf Prozent des deutschen Vermögens, schätzt Kiefer, wird derzeit von professionellen Verwaltern gemanagt. Im Handwerk spiegelt sich die Situation. Allenfalls jeder 20. nimmt entsprechende Dienste in Anspruch.

Bafin-Lizenz wichtiger Anhaltspunkt

Dabei, da ist sich nicht nur Kiefer sicher, sind fast alle Vorurteile unbegründet. Aufsichtsrechtlich, erklärt der Experte, sind unabhängige Vermögenverwalter genauso kontrolliert wie Banken. Sie müssen eine Lizenz bei der Bafin beantragen und werden regelmäßig geprüft. Potenzielle Kunden haben es somit eigentlich einfach: Sie müssen nur auf die Homepage der Bafin schauen. Etwa 600 geprüfte Verwalter sind dort aufgelistet. Weiteres Kriterium für seriöses Arbeiten kann zudem die Mitgliedschaft im Verband unabhängiger Vermögensberater (VuV) sein, dessen Mitglieder sich einem Ehrenkodex verpflichten müssen.

Zusätzlich ist die Bafin-Lizenz ein wichtiger Aspekt bei der Abgrenzung von Vermögensverwaltern und –beratern. Letztere benötigen nicht zwingend eine staatliche Zulassung. Der zweite und noch wesentlichere Unterschied ist jedoch, dass Berater – vereinfacht ausgedrückt – "nur" Tipps geben, zum Beispiel zur Altersvorsorge. Vermögensverwalter dagegen haben Dispositionsvollmacht für das Depot des Kunden. Sie kaufen und verkaufen ohne vorher noch einmal um Erlaubnis fragen zu müssen - beides allerdings im Rahmen von vereinbarten Anlagegrundsätzen.

Depotaufbau nach Kundenwunsch

Wie das funktioniert erläutert Dirk Heuser, Leiter Portfoliomanagement Vermögensverwaltung der Commerzbank. Das Bankhaus bietet seit 2013 eine individuelle und unabhängige Vermögensverwaltung für Privat- und Geschäftskunden an. Das heißt, es werden bewusst nicht nur hauseigene Produkte einbezogen, sondern die in der jeweiligen Anlageklasse passendsten.

Im ersten Schritt, so Heuser, wird geklärt, ob es dem Kunden eher um Vermögenserhalt, -ausbau oder Wachstum geht. Dahingehend wird das Depot aufgebaut. Je nachdem, ob eine konservative, eine dynamische oder eher eine risikofreudige Anlagestrategie gewünscht wird, variieren die Anteile von Aktien, Rentenpapieren und Rohstoffen. Nur Agrarwerte vermittelt das Bankhaus aus ethischen Gründen nicht. Auch um die Veraltung von Immobilien kümmern sich die Vermögensverwalter der Bank im Rahmen ihres Mandats nicht, beziehen aber vorhandene Immobilien in die Planungen der der ganzheitlichen Vermögensstruktur ein. Unabhängige Verwalter beraten oftmals auch bei Kauf- und Verkauf von Immobilien.

Viele mittelständische Kunden

Ab 250.000 Euro Anlagesumme steigt die Commerzbank in die individuelle Vermögensverwaltung ein – und widerlegt damit ein weiteres Vorurteil. Es gibt zwar Verwalter, die erst ab deutlich höheren Summen zur Verfügung stehen. Doch schon seit ein paar Jahren bewegt sich hier der Markt, wobei die Viertelmillion die Untergrenze sein sollte, wie Experten betonen. Geht es um weniger Geld, rechnen sich die Jahresgebühren von 1,5 bis 1,8 Prozent vom zu betreuenden Gesamtvolumen nicht mehr. Einige Experten raten sogar erst ab 500.000 zu professioneller Unterstützung.

Richtig vorbereitet ins Erstgespräch

1. Informieren Sie sich im Vorfeld über Ihren Gesprächspartner: Hat er eine Bafin-Zulassung, ist er im VuV? Wie verdient er? Mit wem kooperiert er?
Falls Sie sich an eine Bank oder eine größere Beratung wenden: Überprüfen Sie, wie hoch die Fluktuation der dortigen Berater ist.

2. Bereiten Sie sich selbst gut vor: Was genau wollen Sie besprechen? Kommt es Ihnen auf Sicherheit, Rendite oder Liquidität an? Überlegen Sie vorab, welcher Anlagetyp Sie sind.

3. Machen Sie selbst einen Kassensturz: Überlegen Sie, wie viel Sie tatsächlich für solche Zwecke übrig haben. Vergessen Sie nicht größere Anschaffungen, die in ein paar Jahren anstehen

4. Fragen Sie genau nach: Lassen Sie sich Vor- und Nachteilen von Strategien und Produkten genau erklären. Haben Sie etwas nicht verstanden, fragen Sie, bis Sie es nachvollziehen können

5. Bleiben Sie vorsichtig: 100-prozentige Tipps und Strategien gibt es nicht. Maximale Rendite und minimales Risiko ebenfalls nicht. Wer Ihnen solche Produkte verkaufen will, ist unseriös.

6. Schauen Sie nach rechts und links: Sprechen Sie immer mit mindestens zwei Beratern. Achten Sie auch darauf, ob die Chemie stimmt. Unter: https://www.v-bank.com/vermoegens-check können Sie kostenlos einen unabhängigen Vermögensverwalter testen.

Von den rund 12,5 Milliarden Euro in der Commerzbank Vermögensverwaltung entfallen derzeit rund zwei Milliarden Euro auf Kunden im Segment zwischen 250.000 und einer Million Euro. Sehr viele dieser Kunden kommen aus dem Mittelstand – auch aus dem Handwerk. Gerade für mittelständische Kunden, so Heuser, liegen die Vorteile professioneller Vermögensverwaltung auf der Hand. Betriebsinhaber sind oft so in Alltagsaktivitäten eingebunden, dass f ür strategische Vermögensplanung wenig Zeit bleibt.

Klassische Vermögensverwaltung für kleine Betriebe

Eine Einschätzung, die auch Christoph Weber, Gründer der WSH Deutsche Vermögenstreuhand, teilt. Die WSH ist selbst keine klassische Vermögensverwaltung, sondern ein Multi-Family-Office, die zur Umsetzung ihrer Strategien Vermögensverwalter einsetzt. Ihre Prämisse: Das Vermögen von Unternehmerfamilien genauso professionell managen wie die Unternehmen selbst.

Die Vorteile eines Multi-Family-Offices erklärt Weber: Hausbank, Steuerberater, Immobilienberater und andere Finanzexperten haben in der Regel immer nur einzelne Aspekte im Auge. Zudem kassieren sie in der Regel für verkaufte Produkte Provisionen – und beraten aus diesem Grunde nicht neutral. Ein Family Office dagegen agiert ausschließlich im Sinne der Familie. Finanziert über Festhonorare erstellt es im ersten Schritt einen Businessplan für das Privatvermögen, im zweiten Schritt übernimmt es das Controlling und den Vermögensaufbau.

Bei Honoraren zwischen 7.500 und 15.000 Euro allein für die Bestandaufnahme, räumt Weber allerdings ein, lohnt sich die Inanspruchnahme einer solch umfassenden Dienstleistung erst ab einem Vermögen von rund drei Millionen Euro.

Kleinere Betriebe, darin sind sich alle Experten einig, sind bei klassischen Vermögensverwaltern zunächst gut aufgehoben. Zudem diese neben der Depotverwaltung auch das Liquiditätsmanagement oder Finanzierungsberatungen übernehmen. Entscheidend aber auch hier: Vermögensverwaltung ist dann am effektivsten, wenn der Experte nicht an bestimmte Produkte gebunden ist. Zwar bieten auch fast alle Banken eine solche Dienstleistung an. Dies kann im Einzelfall durchaus angebracht sein. Werden aber nur eigene Produkte ins Portfolio aufgenommen, ist eine gesunde Portion Skepsis angebracht, empfehlen zumindest Verbraucherschützer.