Gebäudereiniger-Nachwuchs Junghandwerker lassen Frankfurter Euro-Skulptur neu erstrahlen

In Frankfurt ist die weltberühmte Euro-Skulptur des Künstlers Ottmar Hörl saniert worden. Berufsschüler der Philipp-Holzmann-Schule waren mit vollem Einsatz dabei

Jonas Rosenberger

Gruppenfoto vor dem Wahrzeichen: Berufsschüler, Lehrer und Unterstützer. - © Foto: Jonas Rosenberger

Die Euro-Skulptur im Herzen des Frankfurter Bankenviertels strahlt nicht mehr. Wo zuvor leuchtend blaues und strahlend gelbes Acrylglas die Blicke auf das Kunstwerk des Künstlers Ottmar Hörl zog, sticht nun die blanke, weiß gestrichene Stahlkonstruktion mit ihren Nieten hervor. Einzelne Kabel, die zur Stromversorgung der nächtlichen Beleuchtung dienten, hängen herab. „Wird das Zeichen abgebaut?“, fragt ein zufällig vorbeilaufender Passant. „Das wäre ja schade.“

Es ist ein heller, sonniger Tag in der Stadt am Main. Umringt von Hochhäusern sitzen neben der Euro-Skulptur auf einer Bierzelt-Garnitur mehrere Personen. Manche haben Sonnenbrillen auf. Dazu tragen sie schwarze, einheitliche T-Shirts, auf denen vor einer angedeuteten Silhouette der Stadt die Skulptur zu sehen ist. Darunter der Satz „Ich bin dabei!“ .

Einmalige Gelegenheit

Es sind Berufsschüler des Gebäude­reiniger-Handwerks von der Philipp-Holzmann-Schule aus Frankfurt, die die Skulptur im Zuge von Sanierungsarbeiten in Kooperation mit der Landesinnung Hessen säubern. Es ist die erste Reinigung in 14 Jahren. Schon drei Tage sind sie am Werk. Gerade gönnen sie sich eine Mahlzeit.

„Dass wir hier mitarbeiten dürfen, ist für uns etwas ganz Besonderes. So eine Chance hat man vielleicht ein Mal. Es ist toll, dass uns die Philipp-Holzmann-Schule das ermöglicht“, sagt einer von ihnen. Ein Anderer fügt hinzu: „Wir sind alle wirklich sehr froh, dass wir hier mitmachen dürfen.“ Die anderen nicken zustimmend.

Schüler aus sieben Nationen

Insgesamt sind es 16 Auszubildende des Gebäudereiniger-Handwerks, die an der Sanierung des Wahrzeichens mitwirken. Für die Arbeiten wurden sie von ihren Betrieben freigestellt. „Es sind Azubis ausgewählt worden, die besonders ausdauernd, pünktlich und zuverlässig sind. Die Bereitschaft, hier mitzumachen und dabei zu sein, war sehr hoch“, sagt Aliye Aslandogdu, Praxislehrerin an der Philipp-Holzmann-Schule. Auch Schüler der Partnerschule aus Bordeaux in Frankeich sind angereist, um mitzuarbeiten. Alle arbeiten ohne Bezahlung.

Dass hier Auszubildende aus sieben Nationen zusammenarbeiten, passt zur Vision des Vereins Frankfurter Kultur-Komitee (FraKK), dem die Skulptur gehört. Am 25. September soll der Bereich des Willy-Brandt-Platzes, auf dem die Skulptur steht, symbolisch an die Jugend Europas verschenkt werden. Prof. Dr. Manfred Pohl, Gründer des FraKK: „Frankfurt ist die Stadt der europäischen Währung und eine Kulturstadt, der sich die europäische Jugend als Heimat widmen kann. Ich glaube, das ist ein Anfang, denn wenn wir die Jugend verlieren, dann verlieren wir alles. Nur sie kann Europa und den Euro stabilisieren.“

Unterstützung kommt unter anderem von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und der IHK Frankfurt. Die 60.000 Euro teure Sanierung wird größtenteils aus Spenden finanziert. So kommt etwa das Reinigungsmittel von einem Betrieb aus Gräfelfing bei München. Im Vorfeld hatten die Berufsschüler Probereinigungen am Objekt durchgeführt .

Gründlich gereinigt: Die Skulptur erstrahlt in neuem Glanz - © Foto: Jonas Rosenberger

Einsatz mit Leib und Seele

„Das macht einen richtig glücklich, das so sauber zu sehen“, sagt Leonie Bueb, Projektassistentin des FraKK, als sie zur Skulptur hinaufblickt. Die Reinigung des 2001 aufgestellten Kunstwerks, die auf eine Woche angelegt wurde, habe sich durch das heiße Wetter jedoch immer wieder verzögert, merkt Lehrerin Aslandogdu an. An diesem Donnerstag hätten sie bereits um sechs Uhr in der Früh begonnen, um vor dem Pressetermin noch möglichst viel erledigt zu bekommen.

Dass die Reinigung trotz der Verzögerungen an diesem Tag schon so weit fortgeschritten ist, liege vor allem an dem „besonderen Engagement der Schüler“, lobt sie. Nur noch wenige Handgriffe seien nötig. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes gemeint, denn alle Flächen werden mit der Hand gesäubert. Spezialgeräte werden nicht eingesetzt. Die Schüler seien schon die ganze Woche mit Leib und Seele dabei gewesen. „Sie stehen zu ihrem Beruf“, fügt sie hinzu.

Sanierung nur der erste Schritt

Eines der nächsten Vorhaben des FraKK ist es, die alten Außendeckel der an der Skulptur angebrachten Sterne von Politikern und Entscheidungsträgern rund um den Euro signieren zu lassen, um sie dann zugunsten krebskranker Kinder zu versteigern. Auch eine „Straße des Euros“ soll entstehen und zwei Tafeln zur Geschichte der Skulptur sollen aufgestellt werden.

Die Schüler hätten vor allem in der Kürze der Zeit einen super Job gemacht, sagt Aslandogdu. „Die Skulptur war total dreckig im Inneren. Teilweise ist da schon Moos gewachsen. Schmutziger geht es eigentlich nicht.“ Unerwartet war dann besonders auch der Fund einer zerbrochenen Bierflasche im Inneren. Ein Schüler zeigt auf seinem Handy Fotos davon. „Man denkt ja, da kann nichts reinkommen.“

Sinnbild der Währungsunion

Auch die Beleuchtung wurde generalüberholt. 12.000 Euro kostete alleine die Belichtung jedes Jahr. Durch den Einbau von LED-Leuchten erhofft sich das FraKK eine Verringerung des Energieverbrauchs um bis zu 80 Prozent .

Die Skulptur ist ein Sinnbild der Währungsunion. Auch wenn die Rede von Frankfurt und seinem Finanzplatz ist, greifen Medien gerne auf Aufnahmen des Symbols zurück. Anfang April zierte es sogar die erste Seite des „Wall Street Journal“. Inzwischen sind alle Arbeiten abgeschlossen. Die Euro-Skulptur auf dem Willy-Brandt-Platz im Herzen des Frankfurter Bankenviertels strahlt wieder – bei Tag und bei Nacht.