Künstler in 3D 3D-Druck: "Größer als das Internet"

Handwerker Oliver Borgardts ist überzeugt: Der 3D-Druck wird die Welt verändern. Dass die Digitalisierung das Handwerk gefährdet, glaubt er hingegen nicht. Er zumindest ist begeistert von den neuen Möglichkeiten.

Jonas Rosenberger

Liebe zum Detail: Borgardts präsentiert eine seiner Kreationen. - © Foto: Jonas Rosenberger

"Ich will was Echtes machen. Ich will es anfassen können“, sagt Oliver Borgardts. "Irgendwann, in tausend Jahren vielleicht, findet einer mal einen Ring von mir. Das wär doch was! Dann hat das Ganze einen Wert."

Borgardts ist 3D-Druck-Künstler. Doch er besitzt keine Werkstatt und auch keinen 3D-Drucker. Er arbeitet zuhause, wo er in einer Glasvitrine seine Kreationen präsentiert. Darunter Skulpturen und Ringe. Es sind die filigranen Details, die einen ins Staunen versetzen. Auf dem Schreibtisch liegt ein digitales Zeichenbrett, dahinter auf dem Boden unzählige Kabel. "Auch wenn es hier ausschaut wie bei einem Computerfreak", sagt er lachend, "der PC ist nur das Werkzeug. Das Digitale steht im Hintergrund. Ich könnte zwar für Computerspiele oder Agenturen arbeiten, aber das landet dann als Datenmüll auf irgendwelchen Festplatten. Was ich mache, soll Bestand haben."

Der logische nächste Schritt

Auf Borgardts Bildschirm beginnt alles mit einer einfachen Form, aus der er das gewünschte Objekt herausarbeitet. Das Aussehen in Metall oder in verschiedenen Umgebungen kann er direkt am Bildschirm überprüfen.

3D-Druck sei nicht das, was viele denken: ein Klick und fertig. Es gehöre Wissen, Erfahrung und Fingerspitzengefühl dazu, ein Modell am PC zu entwerfen: "Der Drucker macht die Arbeit nicht von sich alleine." Es sei nichts anderes als das, was ein traditioneller Goldschmied macht. Nur eben mit PC statt Feile. "Wenn ich eine Skulptur baue, muss ich ja wissen, wo im Gesicht die Muskeln und Knochen sind. Das Wissen muss ja nach wie vor da sein."

Ohne die alten handwerklichen Traditionen und Techniken könne er seine Arbeit gar nicht machen. Methoden, die schon vor Jahrhunderten entwickelt wurden, setzen sich bei ihm fort. Bronzestatuen etwa wurden früher zuerst in klein konstruiert, in Scheiben geschnitten, größer skaliert und dann gegossen. Das sei nichts anderes, als wenn ein 3D-Drucker eine Schicht nach der anderen aufträgt, um ein Objekt entstehen zu lassen.

Die einzige Beschränkung sei noch die Fantasie. Dass die Digitalisierung das Handwerk gefährdet, glaubt er nicht: "Nur weil einer an seinem Computer Musik macht, ist es ja nicht der Computer, der die Musik macht. Wenn da jemand dranhockt, der keine Ahnung hat, dann kommt da nichts Richtiges raus."

Man müsse die Leute eben langsam an das Thema 3D-Druck heranführen. An der Hochschule Kempten bringt er daher auch Studenten der Informatik das Thema näher.

Zehn Stunden täglich

Die Arbeit fesselt ihn. Bis zu zehn Stunden sitzt er pro Tag an einem Modell. "Da steckt so viel Arbeit dahinter. Es geht nicht, dass man das nur ab und zu mal macht. Man muss es ständig machen. Ich lerne jeden Tag dazu", so Borgardts. Zudem ist er auch ein Pionier seiner Arbeitsweise. In Deutschland gebe es vielleicht noch fünf oder sechs andere, und die kenne er. "Die Leute sollen nur nicht denken, wir sind Computerfreaks. Wir sind Handwerker."

3D-Modelle sind sein Hauptgeschäft. Anfragen und Aufträge kommen von Firmen und Privatleuten gleichermaßen, inzwischen auch aus der ganzen Welt, wie etwa aus dem Iran. Zu der Zukunft des 3D-Drucks sagt Borgardts: "In zehn Jahren hat jeder so ein Ding zuhause. Da fährt keiner mehr zu IKEA. Wenn ich einen Kleiderhaken brauche, dann kaufe ich den Datensatz und drucke ihn mir daheim aus. Das wird größer als das Internet. 3D-Druck wird die Welt verändern."