Schreiner Manuel Chmiel kämpft in Brasilien um Gold WorldSkills 2015: Weiter Weg nach São Paulo

Manuel Chmiel nimmt im August an der Berufs-WM WorldSkills in Brasilien teil. Ein Wettkampf mit vielen Unbekannten.

Frank Muck

Voll im Training: Manuel Chmiel ist derzeit voll ausgelastet mit seinem Training für die ­Berufs-WM in São Paulo. Mit Spannung erwartet er den Wettkampf. Chmiel weiß: Es wird eine tolle Erfahrung. - © Foto: Frank Muck

Manuel Chmiel hofft ein wenig auf das Glück. Denn der Schreinergeselle tritt im August bei den WorldSkills, der Berufs-Weltmeisterschaften, in São Paulo an. Vom 11. bis 16. August misst er sich im Wettbewerb der Möbelschreiner in São Paulo mit den Weltbesten in seinem Beruf. Ob es dann in Brasilien eine Medaille gibt, ist von vielen kleinen Details abhängig.

Der Weg zur Qualifikation war schon nicht einfach. Chmiel wurde beim Leistungswettbewerb im vergangenen Jahr zum besten Schreinergesellen Deutschlands gekürt. Über den Sieg als Innungsbester und den Landesentscheid hat er sich bis zum Bundessieg hochgekämpft.

"Glück und Tagesform spielen eine große Rolle." Manuel Chmiel

Also ganz so schlecht kann der 21-Jährige nicht sein. Doch der Schreiner aus dem bayerischen Kaufbeuren will seine Leistung nicht so hochhängen. Nur beim Landeswettbewerb in Würzburg sei es sehr gut gelaufen, gibt er zu. "Glück und Tagesform spielen eben eine große Rolle", sagt er und sein Trainer Florian Langenmair pflichtet ihm bei.

Im Wettkampf ist jedes Detail wichtig: Trainer Florian Langemair (links) und Manuel Chmiel prüfen, ob die Zinken an der Schublade sauber gearbeitet sind. - © Foto: Frank Muck

Ganz auf Training wollen die beiden vor der Berufs-WM deshalb trotzdem nicht verzichten. Und das ist durchaus intensiv. Vier Wochen insgesamt hat ihn sein Lehrbetrieb freigestellt, um für die deutsche Mannschaft eine Medaille zu gewinnen. Seit Januar trainiert Chmiel einmal pro Monat in der Möbelschreinerei Langenmair in Dinkelscherben bei Augsburg.

Wettkampf auf der Ligna simuliert

Zusätzlich kam Mitte Mai noch eine Woche öffentliches Training auf der Holz-Messe Ligna in Hannover dazu. Dort bauten die Teilnehmer jeder für sich ein Werkstück unter Beobachtung der Fachbesucher. So wird die Wettkampfsituation bei der WM simuliert.

Das offizielle Training hat Manuel Chmiel hinter sich. Doch damit gibt sich der ehrgeizige Geselle nicht zufrieden. Nach Feierabend trainiert er gern drei bis vier Stunden daheim. Viel Freizeit hat Chmiel derzeit also nicht.

Das Werkzeug wird zehn ­Wochen vorher verschifft

Wenn Chmiel in Brasilien eine Chance haben will, kann er sich Trainingspausen allerdings tatsächlich nicht mehr leisten. Denn sein Werkzeug wird bereits Anfang Juni verschifft und kommt am 17. Juli in São Paulo an. Sobald es unterwegs ist, wird das Üben eher schwierig, denn Chmiel hat spezielles Werkzeug für den Wettkampf – zum Beispiel japanische Feinsägen. Diese Sägen besitzen ein extra dünnes, aber stabiles Sägeblatt. Oder die neuesten elektrischen Handmaschinen.

Neuland: Sogar das Werkzeug für den Wettkampf ist neu. Manuel Chmiel muss den Umgang mit einer japanischen Feinsäge üben. - © Foto: Frank Muck

Auch das Werkzeug ist ein Detail, das zum Wettkampferfolg beiträgt. Abgesehen von der Qualität muss ebenso der Umgang damit trainiert werden. Zum Glück stehen hier Sponsoren bereit, um die teils teuren Maschinen zu finanzieren.

Zu den Unwägbarkeiten zählt auch das Wettbewerbsholz

Doch es gibt noch mehr Unwägbarkeiten. Die Brasilianer haben zwar bekanntgegeben, in welchem Holz das Werkstück herzustellen ist, doch die Holzart kennt laut Florian Langenmair hierzulande niemand: Jequitiba.

Am Ende hat der Schreiner 22 Stunden Zeit – aufgeteilt auf vier Tage – sein Werkstück herzustellen. Da muss jeder Handgriff sitzen. Gerade bei den Schreinern ist der Druck, eine Medaille zu holen, gar nicht mal so klein. Walter Langenmair, Vater von Florian, war in seiner Zeit als Trainer sehr erfolgreich: 2 × Gold, 5 × Silber und 1 × Bronze.

Sechs Wochen vor dem Wettkampf wird bekanntgegeben, welches Prüfungsstück die Möbelschreiner bauen müssen. Zum Tag X wird die Aufgabe aber nochmals um 30 Prozent verändert. Ob ihm das Glück des Tüchtigen hold ist oder nicht – Chmiel weiß: Eine tolle Erfahrung wird es in jedem Fall.

WorldSkills

1.230 Teilnehmer aus 63 Ländern werden vom 11. bis 16. August an der Berufs-Olympiade in São Paulo (Brasilien) teilnehmen. Die Teilnehmer messen sich in 50 verschiedenen Berufen aus Handwerk, Industrie und Dienstleistung. Für Deutschland sind 41 junge Fachkräfte, darunter acht Frauen, in 37 Wettbewerben am Start. Mit rund 100 Teilnehmern reist die bisher größte Mannschaft nach São Paulo, die jemals bei den WorldSkills dabei war.

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