Der größte Autoversicherer Deutschlands, die HUK-Coburg, möchte ihre Versicherungstarife an die Fahrweise der Versicherten anpassen und diese dafür überwachen. Auch die Konkurrenz könnte das Modell aufgreifen. Wie Telematik-Tarife funktionieren.
Belohnt werden sollen durch die sogenannten 'Telematik-Tarife' diejenigen Fahrer, die sich im Straßenverkehr besonders umsichtig verhalten. Die eigene Fahrweise soll sich direkt auf die Kosten der Versicherung auswirken.
Möglich gemacht werden soll die Überwachung der Fahrweise durch spezielle Geräte, die das Brems- und Beschleunigungsverhalten von Autofahrern erfassen und Routen aufzeichnen. Auch das Einhalten oder Nichteinhalten von Geschwindigkeitsbegrenzungen kann übermittelt werden. Lassen die Daten für den Versicherer ein umsichtiges Verhalten erkennen, können die Beiträge gesenkt werden.
Persönliche Punkteskala
Die Gesamtwertung umfasst dabei ein Maximum von 100 Punkten und umfasst prozentual eine unterschiedliche Gewichtung der Kategorien Stadt- und Nachtfahrten, Fahrweise und Geschwindigkeit. Bleibt der Fahrer bei über 80 Punkten, so kann er im darauffolgenden Jahr mit einem Rabatt von beispielsweise fünf Prozent rechnen.
Derzeit befinden sich die Tarife noch in der Erprobungsphase. Eine Einführung ist aber in jedem Falle geplant, so die HUK-Coburg. Einen genauen Zeitpunkt nannte das Unternehmen bislang aber noch nicht .
Bei der HUK-Coburg sind in Deutschland mehr als zehn Millionen Fahrzeuge versichert. Damit belegt sie den ersten Platz aller Kfz-Versicherer hierzulande. Von der Allianz Versicherung, die sich auf Platz zwei findet, heißt es, dass sie aktuell zwar keinen solchen Tarif plane, sehr wohl aber ein Auge auf die Entwicklungen bei der HUK-Coburg habe. Auch kleinere Versicherer dürften hellhörig geworden sein, denn in der Branche herrscht seit Jahren ein massiver Preiskampf.
Rabatt zum Preis der Totalüberwachung?
An der Methode gibt es aber auch Kritik. Datenschützer fürchten ein Ausspähen der Verkehrsteilnehmer. Die übermittelten Daten könnten aber auch von besorgten Eltern genutzt werden, um das Fahrverhalten ihrer Sprösslinge zu beobachten. Arbeitgeber könnten das Fahrverhalten ihrer Mitarbeiter auswerten.
Die Telematik-Tarife, die es in den USA schon gibt, haben sich dort jedoch positiv auf die Schadensbilanz der Fahrer in einem solchen Tarif ausgewirkt. Die Häufigkeit der Schäden sei um bis zu 40 Prozentpunkte zurückgegangen.
Die Idee, Beiträge dem Verhalten der Versicherten anzupassen, gibt es auch bei den Krankenkassen. Der Versicherer Generali möchte etwa Policen auf den Markt bringen, bei denen die Kunden regelmäßig Daten zu ihrem Lebensstil übermitteln. Genutzt werden soll dazu ein spezielles Programm auf dem Mobiltelefon des Kunden, das Vorsorgetermine dokumentiert, Schritte zählt und Sportliche Aktivitäten erfasst. dpa/jr
