Wenn es draußen wieder wärmer wird beginnt die Fahrradsaison. Was aber, wenn man keines hat? Tipps für den Fahrradkauf.

"Wie möchten Sie das Rad nutzen?" Das ist die erste Frage, die Zweiradmechanikermeister Ralf Kißkalt von Zweirad Kißkalt aus Nürnberg seinen Kunden stellt. Bevor man einen Fahrradladen betritt sollte man sich nämlich in jedem Falle über einige Punkte vorab Gedanken machen. Soll das Rad zum Einkaufen oder zum Sport machen da sein? Sollen lange Strecken damit zurückgelegt werden? Oder soll es vielleicht doch nur zum Biergarten um die Ecke gehen?
Je genauer man sich über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse im Klaren ist, desto einfacher wird später die Entscheidung. Denn schon lange sind es nicht mehr einfach nur Herren- oder Damenräder, die in den Läden stehen. Es gibt eine Unmenge verschiedener Fahrradtypen wie etwa Cityräder, Trekkingräder, Urban Bikes, Einrohrrahmen oder Tiefeinsteiger. Nicht nur das Radkonzept wird von dem Einsatzbereich beeinflusst, sondern auch die Ausstattung. Schließlich stellen Gelände und Steigungen andere Herausforderungen dar als Städte und asphaltierte Wege.
Budget und Ausstattung
Wer sich ein neues Rad anschaffen möchte, sollte genau überlegen wie viel er dafür ausgeben möchte. "Ein vernünftiges Rad kostet zwischen 600 und 1.000 Euro", so Kißkalt. Besonders wenn das Rad regelmäßig benutzt werden soll, müsse es eine Qualität aufweisen, die es unterhalb dieses Preisbereichs nicht gebe.
Der Einstieg bei den teureren Elektrorädern beginnt derzeit bei etwa 1.500 Euro. Ein Akku alleine kostet bereits zwischen 600 und 1200 Euro. Allerdings liegen auch hier die Preise für ein vernünftiges, sogenanntes Pedelec, nochmals höher. Zwischen 2500 und 3500 Euro müsse man kalkulieren. "Für den Preis bekommt man ein Rad, das in jeder Situation Herr ist".
Die hohen Kosten rühren aber nicht nur vom Antrieb her. Die Anforderungen an E-Bikes sind wegen der höheren Geschwindigkeiten und auch wegen des Gewichts insgesamt größer. Der Rahmen muss besonders Robust sein und auch Bremsen, Reifen und Federn müssen den Anforderungen entsprechen.
Am Anfang jeder Radsaison muss sich zudem der Po neu an den Sattel gewöhnen, sagt Kißkalt. Dass es direkt nach einer mehrmonatigen Pause nicht zu einem leichten Muskelkater kommt ist eigentlich ausgeschlossen. Aber: "Wenn ein neuer Sattel schon direkt beim Draufsetzen wehtut, dann ist er nichts". Am besten ist man daher beraten, nicht gleich von Tag eins an schon überlange Touren zu fahren.
Persönliche Beratung unersetzbar
Ein Fahrrad über das Internet zu kaufen ist nicht ratsam. Man muss das Rad im Vorfeld selbst anschauen und testen können. Bei einer persönlichen Beratung können viele Fragen geklärt und eventuelle Fehlkäufe vermieden werden. Ein Händler kann zudem bei einem Termin viele verschiede Modelle vorführen, die in das eigene Spektrum passen.
"Ein guter Händler lässt Sie auf jeden Fall eine Probefahrt machen", merkt Kißkalt an. Es empfiehlt sich dabei auch, alle Ausrüstungsgegenstände, die man normalerweise dabei haben wird gleich mitzunehmen, um zu sehen wie sie sich eignen. Manchmal gibt es dafür auch spezielle Leih- oder Testexemplare. Kißkalt: "Nach unserer Erfahrung stellt man schon nach wenigen Metern fest, ob das Rad zu einem passt".
Praktisch ist es, wenn der Händler selbst auch nahe dem Wohnort und mit dem Fahrrad erreichbar ist. Das ist besonders dann wertvoll, wenn das Rad zur Reparatur gebracht werden muss. Viele haben außerdem einen Hol- und Bringservice.
Auch Umstände zuhause bedenken
Oft wird bei einem Radkauf erst im Nachhinein an den Abstellort oder die Unterbringung gedacht. Im ungünstigsten Fall muss das Rad bei jeder Verwendung die Kellertreppe hoch und runter getragen werden. Eine Alternative kann eine kleine Fahrradgarage bieten. Eine ebenerdige Unterbringungsmöglichkeit ist besonders bei schweren Elektrofahrrädern ratsam. Hat man nur sehr wenig oder gar keinen Platz zur Verfügung kann ein kompaktes Faltrad die Lösung sein. Auch sollte man unbedingt an ein gutes Fahrradschloss denken. Je teurer ein Rad, desto sicherer sollte das passende Schloss sein. jr