Sechste Bulli-Generation T6: Der VW Transporter bleibt sich treu

Beim neuen VW Transporter bleibt vieles beim Alten. Das war bei der Weltpremiere der sechsten Bulli-Generation in Amsterdam nicht zu übersehen. Dass Volkswagen den T6 wie seinen Vorgänger 13 Jahre lang im Kern unverändert lässt, darf daher bezweifelt werden.

Ulrich Steudel

Bei gleichem Ladevolumen ist die Nutzlast des Kastenwagens etwas gestiegen. - © Foto: VW Nutzfahrzeuge

Rund zwei Millionen Mal wurde der T5 verkauft und die Nachfrage ebbt laut VW noch immer nicht ab. Doch spätestens mit der Studie Tristar, die Volkswagen Nutzfahrzeuge auf der IAA im vergangenen September vorstellte, konzentrierte sich das Interesse doch immer stärker auf den neuen VW Transporter. Jetzt sind in Amsterdam die Hüllen gefallen. Und es ist nicht zu übersehen: Die sechste Generation des Bulli birgt weniger Überraschungen als viele Handwerker erwartet hatten.

Volkswagen hat sich bei der Entwicklung des T6 offenbar von einem Spruch aus der Computerbranche leiten lassen: Never change a running system (Ändere nichts, was funktioniert.). Seit Jahrzehnten gilt die T-Baureihe als das Maß der Dinge in der Klasse der Transporter mit einer Tonne Nutzlast.



Weltpremiere des neuen VW Transporters

Optisch hebt sich der neue VW Transporter von seinem erfolgreichen Vorgänger nur marginal ab. Designer Albert-Johann Kirzinger und sein Team haben den Nachfolger nur sanft augehübscht. Die Bugschürze wurde weiter nach unten gezogen, auch die Seitenspiegel sitzen tiefer. Eine waagerechte Sicke im Heck lässt den T6 breiter erscheinen, was er gar nicht ist.

Maße im Laderaum bleiben unverändert

Bei den Maßen im Laderaum hat sich der VW Transporter faktisch nicht verändert. Die Gesamtbreite liegt bei 1.692 mm, zwischen den Radkästen bleiben 1.244 mm Platz. Die seitliche Schiebetür bietet eine 1.020 mm breite Öffnung und kann gegen Aufpreis in Dachhöhe bestellt werden. Der Kastenwagen mit Normaldach wird serienmäßig mit einer Heckklappe ausgeliefert, optional gibt es symmetrische Flügeltüren. Die Ladekante beträgt 566 mm.

Durch die große Zahl der Versionen bei zwei Radständen, drei Dachhöhen und verschiedenen Motorisierungen ergibt sich für die maximale Zuladung eine Spanne von 502 bis 1.224 kg bei einer Anhängelast von bis zu 2.500 kg.

Beim Blick ins Cockpit wird der Unterschied zwischen Handwerker-Kutsche, sprich Kastenwagen, und Multivan oder Caravelle augenscheinlich. So fällt die Mittelkonsole im Nutzfahrzeug schmaler aus, um Platz für die Doppelsitzbank auf der Beifahrerseite zu schaffen. Auf den Hauch des Edlen vom Interieur eines Multivan muss der Handwerker verzichten, dafür findet er viele Ablagen, die zum großen Teil offen sind. Zu erkennen gibt sich der gewerbliche T6 auch durch seinen Kunststoff-Stoßfänger, der bei allen anderen Varianten in Wagenfarbe lackiert ist.

Neue Dieselmotoren brauche Ad-Blue

Komplett neu sind die sechs zur Auswahl stehenden Motoren, die alle an ein Start-Stopp-System gekoppelt sind und die Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Bei den vier Zwei-Liter-Dieselmotoren mit einer Leistung von 84, 102, 150 oder 204 PS wird dies allerdings nur durch eine Abgasreinigung mit dem Betriebsstoff Ad-Blue möglich, der in einem 13 Liter fassenden Zusatztank mitgeführt wird.

Wer die Tankklappe hinter der Fahrertür öffnet, sieht unter dem normalen Einfüllstutzen noch einen zweiten mit blauer Kappe. Hier muss, unabhänging vom Service-Intervall, alle 7.000 Kilometer das Additiv Ad-Blue aufgefüllt werden. Ohne diese Prozedur kommen die beiden Benzinmotoren aus, die in den Leistungsstufen 150 und 204 PS angeboten werden.

Höchstgeschwindigkeit erstmals über 200 km/h

Nach Angaben von VW konnte der Verbrauch über alle Motoren hinweg um rund einen Liter pro 100 Kilometer gesenkt werden. Am sparsamsten sind demnach die 102 oder 150 PS starke Dieselantriebe in Verbindung mit der verbrauchsoptimierten Ausstattung Blue-Motion, die auf einen Verbrauch vom 5,5 beziehungsweise 6,0 l/100 km kommen.

Gleichzeitig treibt bei der neuen Topmotorisierung ein zweistufiger Turbolader das Dieselaggregat zu Höchstleistungen an und sorgt auf diese Weise dafür, dass der T6 der erste Bulli sein wird, der mit mehr als 200 km/h über die Autobahn heizen kann.