Nach dem "Franken-Schock" Schweiz: Nachfrage nach deutschen Handwerkern wird steigen

Für die Schweizer wird das Leben nach der Euro-Entkopplung teurer. Das wird auch Auswirkungen auf das Handwerk in grenznahen Regionen haben. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Die Schweizer Notenbank wirbelt mit einer völlig überraschenden Entscheidung die Finanzmärkte durcheinander: Sie hat ihre Kopplung an den Euro aufgegeben. - © Foto: Schlierner/Fotolia

Die Finanzwelt spricht nur noch vom "Franken-Schock": Die Schweiz hat überraschend ihre Kopplung an den Euro aufgegeben. Damit ist der Franken noch teurer geworden, während in Euro gehandelte Waren und Dienstleistungen für die Schweizer jetzt erheblich billiger sind. Das wird auch die Nachfrage nach deutschen Handwerkern in Grenznähe steigern. Die Schweizer Regierung befürchtet bereits eine " Importkonkurrenz" von deutscher Seite.

Georg Hiltner. - © Foto: HWK

Deutsches Handwerk verfällt nicht gleich in Euphorie

Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz, wägt ab. "Sicher bringt der neue Wechselkurs zunächst Vorteile für das Handwerk in der Grenzregion, weil seine Dienstleistungen dadurch noch attraktiver für Schweizer Kunden werden", so Hiltner.

Allerdings müssten, so Hiltner weiter, die Betriebe bei der Entsendung von Arbeitnehmern "ja auch die Löhne ans Schweizer Niveau anpassen".

Schweiz und die " Importkonkurrenz"

Johannes Burger. - © Foto: Kammer

Auch Johannes Burger, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Freiburg, ist zwiegespalten: „Betrachtet man den reinen Wechselkurs, muss man nicht lange rechnen, um zu erkennen, dass sich vieles für die Schweizer auf einen Schlag um knapp 20 Prozent verbilligt. Das kann auch für deutsche Handwerker in der Grenzregion zu einer höheren Nachfrage führen", so Burger. Ob das aber auf Dauer einem gemeinsamen Miteinander hier im vereinten Europa zuträglich ist, sei die Frage.

Wie die Schweizer Handelszeitung berichtet, wird der starke Franken zu einer nochmaligen Zunahme des Einkaufstourismus auf deutscher Seite führen. "Auch steigt für Dienstleister, das Handwerk und das Baugewerbe die Importkonkurrenz“, hieß es. Auch das Wirtschaftsmagazin Cash schreibt: "Zudem würden viele Dienstleister, etwa das Handwerk und das Baugewerbe, einer nochmals deutlich erhöhten Importkonkurrenz ausgesetzt." bur/fm

Abkopplung vom Euro

Am vergangenen Donnerstag stoppte die Schweizer Notenbank (SNB) völlig überraschend ihre bisherige Politik und brachte mit der Entscheidung, sich vom Euro abzukoppeln, die Finanzmärkte durcheinander. Jahrelang hat sie den Franken mit Euro-Käufen künstlich billig gehalten, um damit den Export anzukurbeln. Während deutsche Unternehmer in den Grenzregionen eine stärkere Nachfrage erwarten, rechnet die Schweizer Wirtschaft mit Einbußen.

Was hat die Nationalbank genau geändert?

Um die eigene Währung schwächer zu machen, hat die Schweizer Notenbank seit 2011 an den Devisenmärkten immer wieder Euro gekauft, damit der Euro mindestens 1,20 Franken kostet. Immer wenn für einen Euro weniger gezahlt werden musste – der Franken also stärker war – griff die Notenbank ein. Diese Politik gibt sie jetzt auf. Prompt schoss der Franken in Höhe. Die Notenbank entschied am Donnerstag aber noch etwas anderes: Die Währungshüter erhöhten den "Strafzins" für Guthaben auf Girokonten bei der Nationalbank. Wird ein bestimmter Freibetrag überstiegen, werden statt bisher 0,25 Prozent jetzt 0,75 Prozent fällig. Zugleich hält sich die Notenbank den Ankauf ausländischer Währungen offen.

Warum bekommt die Schweizer Wirtschaft nun Probleme?

Für die Exportwirtschaft des Alpenlandes ist die starke Währung eine enorme Belastung. Verbrauchern ist die Schweiz vor allem durch Käse, Schokolade und Uhren bekannt – viel wichtiger sind aber Exportgüter wie Pharmaprodukte und Maschinen. Ein starker Franken verteuert die Ausfuhr der Waren und nagt so an der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Die Euro-Länder sind die wichtigsten Handelspartner der Schweiz. Im Jahr 2013 gingen nach Angaben des Bundesamtes für Statistik 39,3 Prozent der Schweizer Exporte nach Deutschland, auf Rang zwei folgten die USA und dann die Euro-Länder Frankreich und Italien. Auch die Tourismus-Branche bekommt die Stärke des Frankens zu spüren, weil Urlaub in dem Alpenland teurer wird. In den letzten Jahren sei die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus Europa stetig gesunken, erklärten die Statistiker. Für die Touristen werde die bereits teure Schweiz jetzt noch teurer, warnte der Schweizer Tourismus-Verband (STV).

Warum hat die Notenbank die Abkopplung beschlossen?

Ja, zum Beispiel die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank: Die Europäische Zentralbank dürfte am 22. Januar entscheiden, mit Anleihekäufen weitere Milliarden in den Markt zu pumpen. Das könnte den Euro   schwächen. Die SNB müsste noch mehr Euro kaufen, um den Franken schwach zu halten. Die Zentralbank habe erkennen müssen, wie schwer es ist, eine solche Marke zu halten. Nun habe sie das Ende mit Schrecken statt des Schreckens ohne Ende gewählt, sagte der Währungsexperte Dirk Aufderheide von der Deutschen Bank.

Warum ist der Franken so stark?

Neben Gold gilt der Franken vielen Anlegern als " sicherer Hafen" in unsicherer Zeit. Vor allem darum kaufen Anleger die Schweizer Währung. dpa