Moderne Minicomputer oder Brillengestelle aus nachhaltigen Rohstoffen – auf der Opti in München haben die Augenoptiker ihre neuesten Kreationen vorgestellt. Die coolsten Trends haben wir hier zusammengestellt.
Jessica Baker
Brillen sind mittlerweile mehr als praktische Sehhilfen. Auf der Opti zeigten 525 Aussteller aus 36 Ländern ihre neuesten Kollektionen. Im Trend liegen Fassungen aus natürlichen Rohstoffen und Datenbrillen, auch Smart Glasses genannt.
1. Eco-Design und Upcycling
Brillen aus Leder: Nicht nur für Rocker
Leder ist nicht nur was für Rocker und Biker. Bei Brillenfassungen ist das Material bisher eher selten im Einsatz. Wie ein Modell komplett aus Leder aussehen kann, zeigt zum Beispiel Dieter Funk. Die Gestelle werden von Hand in Deutschland gefertigt und bestehen, bis auf einen dünnen Metallkern, komplett aus Kalbsleder. Sonst entstehen aus diesem Material stabile Wanderschuhe. Die Kollektion wird seit dem Frühjahr 2014 von dem Sattler und Schuhmacher Mauro Testella gefertigt. „Ein aufwändiger Prozess“, sagt Funk. Maximal 100 bis 120 Brillen können im Monat produziert werden.
Brillen aus Kork: Von der Sektflasche zur Brillenfassung
Kork ist ein natürliches Material, das mittlerweile nicht nur für Sektflaschen verwendet wird, sondern auch für Brillenfassungen. Ein Beispiel sind die Modelle von KraaKraa aus Finnland. Kork und Federstahl, aus dieser Materialkombination entstehen die Gestelle. „Die Kombination ist vor allem für Sonnenbrillen geeignet“, sagt Laura Lehtinen von KraaKraa. Allerdings sei das Material nicht leicht zu verarbeiten und es habe viele Monate gedauert, um die Kollektion zu fertigen.
Brillen aus Papier: Nicht nur für Leseratten
Eine weitere Alternative zu Plastikbrillen sind Modelle aus Papier. Wie dieses Material verarbeitet werden kann, zeigen die Designer von PaperStyle Eyewear. Die Brillen entstehen in reiner Handarbeit. Bis eine Fassung fertig ist, sind 20 Schichten Papier und 90 verschiedene Arbeitsschritte nötig. Auf der Opti präsentierten die Südtiroler ihr Modell „newspaperstyle“ und eine Brille aus Papier und Lodenwolle.
Sonnenbrillen aus Schallplatten: Musik für die Augen
Wofür kann man heute alte Schalplatten nutzen? Einige davon sind Kult und werden noch gespielt, andere werden aussortiert und weggeworfen. Oder sie erhalten ein neues Leben als Brillengestell. Diese Idee hatte das ungarische Unternehmen Tipton. Die Designer recyceln alte Tonträger und verarbeiten sie zu Brillenfassungen. In diesem Jahr wurde die erste Sonnenbrillenkollektion vorgestellt. Zu den Kunden von Vinylize gehören unter anderem Elton John und Elvis Costello.
Brillen aus Skateboards: Nicht nur für Sportliche
Auch Skateboards werden für Brillengestelle weiterverarbeitet. Sie bestehen aus querverleimten Schichten kanadischen Ahorns und sind sehr robust. Diese Eigenschaft haben sich die Designer von einSTOFFen zunutze gemacht und eine Sonnenbrillenkollektion aus Skateboards hergestellt. Nach ihren Angaben haben die Brillen die Stabilität eines Wandschranks.
Brillen aus Holz und Stein: Materialmix ohne Metall
Brillen aus Holz gibt es schon seit einigen Jahren. Als Pionier gilt der Erfurter Designer Andreas Licht, der 2004 seine erste Brillenkollektion aus Holz herstellte. Mittlerweile haben sehr viele Designer das Material für sich entdeckt. Die Österreicher von Rolf Spectacles designen schon seit 2009 Holzbrillen. In diesem Jahr zeigen sie auf der Opti auch Brillen aus Holz und Schiefer. Die Fassungen werden ohne Schrauben und Metall in 78 Arbeitsschritten hergestellt. Auch das Brillengelenk besteht aus Holz.
Brillen aus Samen und Blüten: Für Bierliebhaber und Blumenkinder
Ein Strauß rote Rosen ist wunderschön anzuschauen, schade nur, wenn die Blumen verwelkt sind und im Abfall landen. Wie man dieses Material wieder verwerten kann, dies fragte sich Brillendesignerin Saschi Schuster von Funk eyewear. Sie hat eine Methode entwickelt um die Blütenblätter in Brillenfassung einzuarbeiten. Die Inspiration für ihre neuen Modelle holt sie sich direkt von der Wiese. Sie verarbeitet unterschiedliche Blüten und Gräser für ihre bunten Brillen. Zum Beispiel auch Hopfen.
2. Smart Glasses
Unter dem Motto „Die Zukunft des Sehens“ standen in diesem Jahr auch Smart Glasses im Fokus der Opti. Rochester Optical, Vuzix, Trylive und Fittingbox zeigten ihre neuesten Entwicklungen.

Smart Glasses zählen zu den Wearable Technologies. Diese Datenbrillen können mittels Kamera fotografieren, mobil telefonieren samt Freisprechanlage und noch vieles mehr. Der Markt für Wearable Technologies wird laut Credit Suisse in den nächsten drei bis fünf Jahren um das Zehnfache auf bis zu 50 Milliarden US-Dollar wachsen.
Für Patrick Ho, CEO von Rochester Optical, sind diese Brillen nicht nur eine technische Spielerei, sondern haben einen großen Mehrwert für die Kunden. Er sieht in den Smart Glasses das Potenzial, Menschen mit Behinderung zu helfen, wieder am täglichen Leben teilzuhaben. Wer seine Hände nicht bewegen kann, kann mit Smart Glasses allein durch seine Stimme Anrufe annehmen, Videos drehen und Fotos per W-Lan ins Internet stellen und so seine Erlebnisse mit seinen Freunden teilen. In Betrieben könnten die Brillen an Mitarbeiter verteilt und dadurch die Produktivität gesteigert werden.
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