Hat Deutschland eine angemessene Willkommenskultur? Eine Studie unter ausländischen Fachkräften in Deutschland ("Expatriates") lässt Zweifel aufkommen.

Unter den "Expatriates" – hier arbeitende ausländische Fachkräfte – ist Deutschland keineswegs das beliebteste Einsatzland. Allerdings gehört Deutschland mit Rang zwölf von insgesamt 61 noch zum gehobenen Durchschnitt. Das ergibt eine Umfrage des internationalen Expat-Netzwerks "Internations". "Internations" befragte rund 14.000 "Expats" zu ihren Erfahrungen in ihrem Einsatzland. 87 Prozent der Befragten waren Universitätsabsolventen.
Vor Deutschland stehen in der Hitliste Länder wie Luxemburg, Schweiz, USA, Singapur oder Australien, die auch sonst bei Expats-Rankings für gewöhnlich oben stehen. Allerdings fühlen Expats sich laut der Umfrage auch in Ländern wie Ecuador, Mexiko oder den Philippinen wohler als in Deutschland.
In drei Kategorien wird Deutschland sehr gut bewertet, wie das Institut für Interkulturelles Management analysiert: In der Kategorie "Working abroad" liegt Deutschland auf dem dritten Platz, bei "Quality of life" und "Family life" jeweils auf dem fünften. "Working abroad" reflektiert dabei die gute Einschätzung der deutschen Wirtschaft durch die hier arbeitenden Expats. Die Ergebnisse in den beiden anderen Kategorien zeigen, dass auch die weltreisenden Fachkräfte erkennen, dass man in Deutschland ganz gut leben kann. Schlusslicht der Umfrage ist übrigens Kuwait.
Probleme bei der Integration
Ausgesprochen schlecht wird Deutschland in der Kategorie "Ease of settling in" bewertet: Da erreicht Deutschland nur Platz 50 von 61. Diese Kategorie besteht aus den Unterkategorien "Feeling Welcome" (Platz 43), "Friendliness" der Einheimischen (Platz 50), "Finding friends" (Platz 51) und "Language" (Platz 52). Deutschlands Bundesregierung bemüht sich zwar um eine Willkommenskultur, doch in der Realität sieht es offenbar anders aus.
Willkommenskultur ist der Bundesregierung wichtig, zumal der Arbeitsmarkt immer internationaler wird. "Unsere Wirtschaft braucht gut ausgebildete Fachkräfte - auch aus dem Ausland", sagt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD).
Doch Unternehmer und Wirtschaftsexperten sehen in Bewegungen wie "Pegida" eine Gefahr für die hiesige Willkommenskultur. Wegen des demografischen Wandels sei es umso wichtiger, eine Willkommenskultur für Einwanderer zu etablieren, wie Lencke Steiner, Vorsitzende von "Die jungen Unternehmer", dem "Handelsblatt" sagte.
Der Weg zur Studie von Internations: http://bit.ly/1swlEYR . dhz
