Lebenslanges Lernen: Mehr Unternehmen als je zuvor schickten ihre Mitarbeiter im Jahr 2013 zu betrieblichen Weiterbildungen. Getrieben werden sie dabei vor allem von einer Sorge.

Die Unternehmen investieren immer mehr in die betriebliche Weiterbildung. Laut einer Erhebung des Instituts für Wirt schaft Köln, waren im Jahr 2013 86 Prozent der Betriebe in der Weiterbildung aktiv. Das ist ein neuer Höchstwert. Bei der vorangegangenen Umfrage im Jahr 2010 waren es nur 83,2 Prozent.
Zwar sind vor allem bei großen Unternehmen betriebliche Weiterbildungen fest in der Unternehmenskultur etabliert, aber auch kleine Betriebe mit bis zu 49 Mitarbeitern schicken ihre Mitarbeiter häufig zu Fortbildungen. Bei ihnen liegt die Weiterbildungsrate bei 85,6 Prozent.
Betriebliche Weiterbildung als Mittel zur Fachkräftesicherung
Grund für den Höchstwert ist unter anderem die Sorge, künftig nicht ausreichend Fachkräfte finden zu können. Denn in Teil- und Nachqualifizierungen liegt ein großes Potenzial für die Fachkräftesicherung. Etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen qualifizierten laut Studie Mitarbeiter durch betriebliche Fortbildungen weiter, da sie auf dem Arbeitsmarkt keine geeigneten Be schäftigten finden konnten. "Es gibt Hinweise darauf, dass Unternehmen mit einer etablierten Weiterbildungskultur seltener Rekrutierungsprobleme haben als andere Unternehmen", sagt Susanne Seyda, Wissen schaftlerin beim IW Köln. Daher wollen die Betriebe ihr Engagement in Sachen Weiterbildung künftig noch ausbauen.
Gründe der Unternehmen für die betriebliche Weiterbildung:
- 88, 5 Prozent wollen mit Weiterbildungen die Kompetenzen der Mitarbeiter ausbauen;
- 79,4 Prozent hoffen damit die Motivation und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter zu erhöhen;
- 71,1 Prozent schicken ihre Mitarbeiter zu Weiterbildungen, um sie an das Unternehmen zu binden ;
- 54,3 Prozent wollen die Attraktivität des Unternehmens für neue Mitarbeiter erhöhen und die Rekrutierung erleichtern ;
- 48,6 Prozent bieten Weiterbildungen auf Wun sch der Mitarbeiter an;
- 30,8 Prozent müssen damit eine gesetzliche Pflicht zur Weiterbildung erfüllen.
Auch die Wert schöpfung spielt für Betriebe eine große Rolle. So war für mehr als 84 Prozent der Ge schäftserfolg die treibende Kraft für Weiterbildungen, 83, 2 Prozent wollen die Leistungsfähigkeit und Produktivität des Unternehmens erhöhen.
Mitarbeiter leisten ihren Beitrag
Dafür investierten die Betriebe: 1.132 Euro gaben die Unternehmen durch schnittlich pro Mitarbeiter für Weiterbildungen aus. Minimal gestiegen ist dabei auch der Anteil der Weiterbildungen, die während der Arbeitszeit stattfinden. Dennoch engagieren sich nach wie vor viele Be schäftigte auch in ihrer Freizeit: Etwa ein Drittel der Fortbildungen erfolgten außerhalb der Arbeitszeit. "Die Mitarbeiter leisten somit einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung der Weiterbildung und ermöglichen, dass Weiterbildung mit steigender Intensität betrieben werden kann", so die Studienautoren.
Als betriebliche Weiterbildung gelten dabei externe Lehrveranstaltungen und Besuche von Messen, Tagungen und Fachvorträgen, genauso wie Schulungen durch Kollegen oder externe Trainer, sowie selbstgesteuertes Lernen mit Medien wie Fachzeit schriften oder interaktiven Webbasierten Lernformen.
Kamineffekt in Berufen mit Fachkräfteengpässen
Und noch eines fanden die For scher heraus: Je höher der Berufsab schluss der Be schäftigten, desto höher ist auch die Beteiligung an betrieblicher Weiterbildung. Während Mitarbeiter ohne abge schlossene Berufsausbildung nur zu knapp 14 Prozent an Weiterbildungen teilnehmen, sind es bei Mitarbeitern mit abge schlossener Berufsausbildung 35,5 Prozent.
"Es spricht vieles dafür, dass in vielen Berufen, in denen es Fachkräfteengpässe gibt, ein Kamineffekt entsteht", erläutert Seyda jedoch. Das heißt: "Es werden vermehrt auch An- und Ungelernte an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, um sie für die benötigte Arbeit zu qualifizieren." Damit rechnet laut Studie auch ein großer Teil der befragten Unternehmen. sch