Abschlussbericht Nationale Plattform Elektromobilität Elektromobilität: Deutschland hinkt hinterher

Gutes Angebot, wenig Nachfrage: Deutschland hinkt im internationalen Vergleich bei der Elektromobilität hinterher, so die Nationale Plattform Elektromobilität in ihrem Fortschrittsbericht. Damit die Bundesregierung ihre Ziele doch noch erreicht, schlägt sie sieben Maßnahmen vor.

In Deutschland sind bislang wenige Elektrofahrzeuge unterwegs. - © Foto: BMW

Die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) hat ihren Fort schrittsbericht zur Situation der Elektromobilität in Deut schland vorgelegt. Der Stand Ende 2014: In der Bundesrepublik sind rund 24.000 Elektroautos zugelassen, es gibt etwa 4.800 Ladepunkte an 2.400 Standorten und 100 Schnellladepunkte. Auf dem Markt sind 17 Modelle deut scher Hersteller zugelassen, im kommenden Jahr 2015 sollen weitere zwölf Modelle folgen.

Hinsichtlich des Angebotes an Elektrofahrzeugen ist Deut schland inzwi schen auf einem guten Stand, be scheinigt die NPE. "Die Konzentration auf Förderung von For schung und Entwicklung, auf Normung und Standardisierung sowie auf Bildung und Qualifizierung bewährt sich im internationalen Vergleich", heißt es in dem Bericht. Die deut sche Industrie befinde sich auf einem guten Weg, internationaler Leitanbieter zu werden. Genau das möchte die Bundesregierung bis zum Jahr 2020 erreichen.

Bundesregierung muss investieren

Nachholbedarf gibt es jedoch bei der Nachfrage nach Elektroautos auf dem deut schen Markt. Hier liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld. Vorreiter in Europa sind derzeit die Niederlande, wo 38.200 Fahrzeuge zugelassen sind. Dahinter folgen Frankreich und Norwegen. In den USA fahren mehr als 200.000 Elektrofahrzeuge, in Japan sind es 88.000. Doch bis zum Jahr 2020 will die Bundesregierung eine Million Elektrofahrzeuge auf deut schen Straßen unterwegs sehen. Bis Ende 2014 sollten es bereits 100.000 zugelassene Elektrofahrzeuge sein – mit derzeit 24.000 Fahrzeugen wurde das Vorhaben alson deutlich verfehlt.

Das Ziel von einer Million Fahrzeugen bis 2020 sei daher nur zu erreichen, wenn zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden. "Der Schwerpunkt sollte auf der Einführung einer Sonder-Ab schreibung für gewerbliche Nutzer und auf der Ko-Finanzierung von öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur liegen", rät die NPE. Konkret schlägt die Organisation sieben Maßnahmen vor.

  1. Sonderab schreibung für gewerbliche Nutzer: Auf Unternehmen gehen rund 60 Prozent der jährlichen Neuzulassungen zurück. Eine Sonder-Afa sei daher eine sehr effiziente Maßnahme. Dem Staat entstünden damit 2015 lediglich Steuermindereinnahmen von rund 30 Millionen Euro. Gesetzespaket zur Förderung der Elektromobilität zügig umsetzen
  2. Investitionspartner schaften zum Aufbau öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur stärken, denkbar sei hier etwa eine Ko-Finanzierung. Insgesamt betrage der Investitionsbedarf hier rund 550 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2020 werden demnach deut schlandweit insgesamt mehr als 1,2 Millionen Ladestationen benötigt.
  3. EU-Richtlinie für alternative Kraftstoffe inklusive Aufbau der Ladeinfrastruktur gemäß der Empfehlungen der Normungs-Roadmap Version 3.0 umsetzen,
  4. Private und öffentliche Be schaffungsinitiativen umsetzen ,
  5. Etablierung einer langfristig orientierten Zellfertigung in Deut schland gemeinsam erfor schen und vorantreiben,
  6. Gesetzespaket zur Förderung der Elektromobilität zügig umsetzen ,
  7. For schung und Entwicklung mit neuen Themen fortführen und Finanzierung über Förderung des Bundes sicherstellen: Die Förderung der sollte, so die Empfehlung der NPE, in den kommenden Jahren mindestens 360 Millionen Euro pro Jahr betragen. Etablierung einer langfristig orientierten Zellfertigung in Deut schland gemeinsam erfor schen und vorantreiben.

Dobrindt ist zufrieden

Es geht für die Bundesregierung nun also vor allem darum, bei den Rahmenbedingungen nachzujustieren, um die Attraktivität der Elektrofahrzeuge zu vergrößern. Denn, so warnt die NPE, erreiche man das Ziel von 500.000 zugelassenen Elektroautos im Jahr 2017 nicht, sei die Marke von einer Million drei Jahre später, nur noch mit erheblichen finanziellen Anstrengungen umsetzbar.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sieht Deut schland in Sachen Elektromobilität dennoch auf einem guten Weg und lobt die eigene Arbeit: "Mit dem Elektromobilitätsgesetz haben wir zusätzliche Anreize zum Kauf eines Elektroautos auf den Weg gebracht. In einer zweiten Stufe geht es um den Ausbau der Ladeinfrastruktur". sch