Teilzeitarbeitsplätze, familiäres Klima, Zukunftsperspektiven – Handwerksbetriebe haben als Arbeitgeber viel zu bieten. Viel zu wenige Unternehmen werben damit allerdings um Fachkräfte. Dabei haben Betriebsinhaber dafür viele Möglichkeiten – von der eigenen Website bis zum Gütesiegel.

Überall klagen Betriebe darüber, dass sie keine qualifizierten Fachkräfte finden. Heute müssen in vielen Bereichen daher die Unternehmen um ihre potenziellen Mitarbeiter werben. Ein Paradigmenwechsel, meint Lisa Schulz, Beraterin für Fachkräftesicherung bei der Handwerkskammer Stuttgart. "Viele Handwerksbetriebe bei uns in der Region, sorgen sich, dass ihre Auszubildenden und Fachkräfte wegen der Bezahlung in die Industrie abwandern."
Doch Studien zeigen, dass der jüngeren Generation neben dem Verdienst vor allem die Arbeitsbedingungen wichtig sind. Und das ist gut für das Handwerk. Denn viele Betriebe sind bereits jetzt sehr familienfreundlich, wie eine Studie des handwerksnahen Ludwig Fröhler-Instituts aus dem Jahr 2013 beweist.
Als attraktiver Arbeitgeber präsentieren
Noch werben die Betriebe aber kaum damit und verspielen so möglicherweise Chancen auf Bewerber. "Unternehmen müssen die Vorteile eines kleinen Handwerksbetriebs herausstellen", rät Schulz. Dabei geht es um Dinge wie B etreuungsangebote für Kinder, flexible Arbeitszeiten, Teilzeitstellen oder eine flexible Elternzeitgestaltung – bei vielen Unternehmern im Handwerk ist das ganz selbstverständlich. Genauso wichtig ist es, den Mitarbeitern Zukunftsperspektiven aufzuzeigen und ältere Be schäftigte in den Betrieb einzubinden.
Auch mit dem Arbeitsklima könnten viele punkten: "In kleinen Betrieben weiß der Chef häufig, wie es der Frau seines Angestellten geht – oder die Mitarbeiter werden immer wieder bekocht", erzählt Schulz von ihren Erfahrungen mit Unternehmen. Das seien alles Dinge, mit denen man potenziellen Bewerbern imponieren kann. Sie sollten daher unbedingt auf der Firmen-Homepage, in den Stellenanzeigen oder sozialen Netzwerken auftauchen, um Interessenten vom Betrieb zu überzeugen. "Manche Betriebsinhaber binden auch die Azubis in die Pflege der Facebook-Seite ein und geben durch Fotos von der Baustelle einen Einblick in das Team." Das bringt Sympathie-Punkte.
Mit Gütesiegeln auf Personalsuche
Eine weitere Möglichkeit, um für den eigenen Betrieb zu werben, sind diverse Qualitätssiegel . Mit diesen können sich Arbeitgeber als familienfreundliches Unternehmen zertifizieren lassen. Bislang machen Handwerksbetriebe davon aber kaum Gebrauch. "Wenn man die entsprechenden Arbeitsbedingungen ohnehin eingeführt hat, ist das eine super Idee", sagt Schulz.
Meist wird dafür der Betrieb von Beratern begutachtet und nach Gesprächen mit Mitarbeitern und Chefs Ziele vereinbart. Sind diese umgesetzt, darf das Unternehmen für einen gewissen Zeitraum mit dem Qualitätssiegel werben.
Bundesweit bekannte Zertifikate sind derzeit:
Beruf und Familie:
Nach Vorbereitungsgesprächen werden beim Audit "Beruf und Familie" und der Überprüfung des jetzigen Standes des Betriebes, werden beim Audit "Beruf und Familie" in acht Bereichen Zielvereinbarungen festgelegt. Dazu zählen: Arbeitszeit, Arbeitsorganisation, Arbeitsort, Information und Kommunikation, Führung, Personalentwicklung, Entgeldbestandteile und geldwerte Leistungen, sowie Service für Familien. Diese Teilbereiche sind wiederrum in Einzelmaßnahmen aufgegliedert, insgesamt sind es 150. Das Audit gilt für drei Jahre und wurde von der Hertie-Stiftung ins Leben gerufen. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und unter anderem vom ZDH empfohlen.
Familienfreundlicher Arbeitgeber:
Los geht es auch beim Gütesiegel "Familienfreundlicher Arbeitgeber" mit einer Bestandsaufnahme durch Mitarbeiterbefragungen und einen Arbeitgeberfragebogen, gefolgt von einem Betriebsbesuch und Empfehlungen des Beraters. Geprüft werden fünf Bereiche: Familienbewusste Unternehmens- und Führungskultur, offene Kommunikation, Arbeitsorganisation, Unterstützungsangebote für unter schiedliche Lebensphasen, Strategie und Nachhaltigkeit in Bezug auf Familienfreundlichkeit, Demografie, Gesundheit und Personalentwicklung. Dieser Ablauf führt in ein bis drei Monaten zum Siegel. Es gilt für drei Jahre, kostet von 980 Euro für Betriebe bis zu zehn Mitarbeitern bis zu knapp 10.000 Euro für Betriebe mit 500 bis 1.000 Mitarbeitern. Initiator des Siegels ist die Bertelsmann-Stiftung.
INQA-Audit Zukunftsfähige Unternehmenskultur:
Das INQA-Audit hat vier Themen schwerpunkte: Personalführung, Chancengleichheit und Vielfältigkeit, Gesundheit, Wissen und Kompetenz. Zielgruppe sind vor allem kleinere und mittlere Unternehmen. Die Auditierung ist in drei Phasen aufgeteilt: In der Einstiegsphase wird die Ge schäftsleitung befragt und von den Mitarbeitern Feedback eingeholt. Während des Auditierungsprozesses erfolgt eine strategi sche Entwicklungsplanung durch eine Projektgruppe aus Ge schäftsleitung und Be schäftigten. Im Entwicklungsprozess sollen die Ziele umgesetzt werden. Das INQA-Audit ist zwei Jahre gültig. Je nach Größe kostet es Unternehmen 1.500 bis 14.000 Euro.
Regionale Gütesiegel
Regional gibt es darüber hinaus einige weitere Qualitätssiegel, wie das Prädikat "familienbewusstes Unternehmen" in Baden-Württemberg oder die Initiative "Mit Elternkompetenz gewinnen" im Rahmen des Familienpaktes in Bayern, an der auch der Bayeri sche Handwerkstag beteiligt ist. Die Handwerkskammer Dresden wirbt für das Projekt "Perfekt" in Sachsen, in dem Betriebe in Sachen familienfreundliche Arbeitsbedingungen beraten werden. Auch in Hessen gibt es ein Zertifikat für Betriebe: Das "Gütesiegel Familienfreundlicher Arbeitgeber". sch