Die Finanzmärkte schwanken, Versicherungen sind in der Krise und zum Immobilienmarkt hört man Widersprüchliches. Weder Geldanlage noch Altersvorsorge sind einfach zu planen. Die DHZ hat drei Profis gefragt.
Sabine Hildebrandt-Woeckel

- Wenn ich derzeit 10.000 bis 50.000 Euro anlegen möchte, was empfehlen Sie mir?
- Und wenn ich langfristig fürs Alter vorsorgen möchte?
- Lohnt es sich heute noch, eine Lebensversicherung abzuschließen?
- Sind Immobilien zur Altersvorsorge wirklich sicher?
- Welche anderen Anlagetipps können Sie unseren Kunden geben?
Lothar Koch: "Das Beste ist eine breite Streuung."
1. Vor dem Hintergrund der aktuellen Börsensituation empfehle ich, einen Großteil des Geldes in Liquidität zu halten, um dann nach Ende dieser temporären Korrektur in solide dividendenstarke Aktien zu investieren.
2. Das Beste ist eine breite Streuung des Vermögens über verschiedene Anlageklassen, um das Risiko zu senken. Auch wenn Anleihen durch das niedrige Zinsniveau nicht in Mode sind, gehören sie in jedes Portfolio. An Aktien kommt man, wenn man für das Alter vorsorgen möchte, nicht vorbei. Ebenso gehören vermietete Immobilien, Edelmetalle oder andere Sachwerte wie etwa vermietete Container dazu.
3. Klare Antwort: Nein. Eine kapitalbildende Lebensversicherung kann man heute nicht mehr empfehlen. Zur Risikoabsicherung ist eine Risikolebensversicherung aber Pflicht, wie andere Versicherungen auch, vor allem für Berufsunfähigkeit.
4. Es kommt auf die Art der Immobilie, die Lage und den Kaufzeitpunkt an. Aktuell sind viele Immobilienpreise so hoch, dass man mit ihnen kein Geld verdienen kann. Pauschal kann man hier keine Aussage treffen. Entscheidend ist die Frage, ob die Immobilie wirklich einen positiven Kapitalfluss für den Anleger hat. Auch wenn es kontrovers diskutiert wird. Eine eigengenutzte Immobilie ist keine Altersvorsorge. Sie ist Luxus.
5. Streuen Sie Ihr Geld. Wenn Sie Sachkenntnis von Kunst haben, warum nicht auch in Kunstwerk investieren? Grundsätzlich gilt: Streuung bringt Sicherheit. Es gilt, Anlagen zu finden, die Ihnen Geld in die Tasche bringen, z.B. die genannten Container, die im aktuellen Zinsumfeld eine wirkliche Alternative zu den niedrigen Zinsen sind. Aber aufgepasst: Auch in diesem Markt gibt es große Unterschiede. Fragen Sie den soliden Berater.
Lothar Koch, arbeitet als Portfoliomanager bei dem Finanzdienstleistungsinstitut GSAM + Spee Asset Management AG. Der Wertpapierspezialist berät seit 1996 vermögende Privatkunden in allen Kapitalanlagefragen.
Barbara Rojahn: "Ohne Aktien geht es nicht."
1. Das hängt von Risikobereitschaft und Anlagedauer ab. Können Sie überhaupt keine Schwankungen aushalten und möchten Sie kurzfristig über Ihr Geld verfügen, muss das Geld leider auf dem Tagesgeld-Konto bei negativer Realverzinsung geparkt werden. Ab einem Anlagehorizont von zwei Jahren und einer Bereitschaft, auch kleinere Schwankungen zu ertragen, empfehle ich, das Geld breit zu streuen über Aktien und Anleihen, vielleicht auch Währungen. Ohne Aktien geht es nicht, wenn Sie bei längerer Anlagedauer eine positive Realrendite erwarten.
2. Das kommt darauf an. Konservative Menschen, die Wert auf eine lebenslang garantierte Rente legen, sollten sich für eine klassische Rentenversicherung mit Garantiezins entscheiden, zumindest für den Teil der Rente, der später die Fixkosten abdecken soll. Für späteren Luxus oder bei mehr Risikobereitschaft können Sie auch mit Fonds Vermögen ansparen. Werden Sie sehr alt, reicht das angesparte Vermögen möglicherweise nicht aus, während die Rente aus einer Rentenversicherung bis zum Lebensende garantiert ist. Nicht viel halte ich von fondsgebundenen Versicherungen, weil das Fondssparen mit Versicherungsmantel meist viel zu teuer ist. Vergessen Sie nicht, die staatliche Förderung von Riester und Rürup zu nutzen.
3. Der Abschluss einer Kapitallebensversicherung ist unsinnig. Für den Todesfall sorgt man mit einer Risikolebensversicherung vor. Zudem sollte eine Berufsunfähigkeit separat abgesichert werden.
4. Nein, Erstens bringen Immobilien nicht immer eine sichere Rendite. Fallen die Mietzahlungen mal aus oder stehen größere Reparaturen an, fehlen die monatlichen Erträge auf das eingesetzte Kapital. Zweitens sind die Preise in vielen Regionen Deutschlands zurzeit so hoch, dass man nicht sicher davon ausgehen kann, dass es zu Wertsteigerungen kommt. Hinzu kommt, dass die am Anfang angefallenen Nebenkosten – zirka zehn Prozent – erst einmal verdient werden müssen. Der Kauf einer eigengenutzten Immobilie ist eine emotionale und keine ökonomische Entscheidung.
5. Einen Teil des Vermögens (ca. drei Prozent) in Gold zu investieren in Form von Barren oder Münzen, kann nicht schaden. Kunst zu besitzen ist wunderbar, weil man sich direkt daran erfreuen kann. Ob dies auch eine gute Kapitalanlage ist, kann ich leider nicht einschätzen.
Barbara Rojahn arbeitete zunächst im Firmen- und Privatkundengeschäft einer Großbank und in der Konsumgüterindustrie. Seit 1997 unterstützt sie als selbständige und unabhängige Finanzberaterin, frauenfinanzberatung.de , vornehmlich Frauen bei Vermögensplanung und Absicherung.
Dirk Müller: " Edelmetalle gehören immer dazu."
1. Hierzu lässt sich aus meiner Sicht pauschal keine Aussage treffen. Das hängt mit der persönlichen Situation zusammen.
2. An erster Stelle steht immer die Schuldentilgung. Wer Kredite laufen hat, sollte zunächst diese zurückfahren. Sind diese getilgt und bleibt Geld übrig, gilt es, eine flexible, immer abrufbare Reserve von drei Monatsgehältern anzulegen. Erst danach kann ich investieren. Zum Beispiel in den Kauf von Aktien, und zwar nach und nach, immer wenn etwas übrig ist. Ich empfehle, sich langfristig an seit langem erfolgreichen Unternehmen wie BASF, Apple, Daimler oder SAP zu beteiligen.
3. Von Kapitallebensversicherungen rate ich eindeutig ab. Wer die Familie absichern will, nehme eine Risikolebensversicherung.
4. Im Moment zu teuer, selbst für Profis ist es schwer, was Vernünftiges zu finden. Selbstgenutzte Immobilien sind aus meiner Sicht keine Geldanlage, sondern Luxus, den man sich aber leisten darf, wenn die finanzielle Basis stimmt.
5. Edelmetalle gehören für mich in jeden Haushalt. Etwa zehn bis 20 Prozent meines liquiden Vermögens sollte ich hier investieren. Sie bilden sozusagen den goldenen Boden und lassen mich ruhig schlafen, denn trotz Schwankungen werden sie nie wertlos. In alle anderen Dinge wie Kunst oder Ähnliches sollte nur investieren, wer daraus eine Freude zieht – und sich auskennt.
Dirk Müller, auch als "Mr. Dax" bekannt, arbeitet als Börsenmakler und Buchautor. Seit 2009 betreibt er die Finanzplattform cashkurs.com .


