Bestandener EZB-Stresstest Kredite: Trotz guter Noten nicht selbstverständlich

Der Experte für Bankenwirtschaft Hans-Peter Burghof begrüßt das gute Abschneiden der deutschen Kreditinstitute beim EZB-Stresstest. Eine leichtere Vergabe von Krediten erwartet er dennoch nicht - aus bestimmten Gründen.

Karin Birk

Bankenviertel in Frankfurt am Main: Lediglich eine Bank ist beim EZB-Stresstest durchgefallen. - © Foto: iStock/photo

Trotz positiver Bilanz deutscher Kreditinstitute beim Stresstest der Europäischen Zentralbank rechnet der Bankenwissenschaftler Hans-Peter Burghof mit keiner leichteren Kreditvergabe.  "Ich glaube nicht, dass die Banken jetzt leichter einen Kredit rausgeben", sagt der Professor für Bankwirtschaftslehre der Universität Hohenheim im Gespräch mit der DHZ. Auch der deutsche Steuerzahler ist nach Ansicht Burghofs nicht ganz aus dem Schneider. "Wir sind in Europa und wir haben eine gemeinsame Haftung", so Burghof angesichts künftiger Finanzkrisen. "Vielleicht müssen wir auf Umwegen mit deutschem Steuergeld Banken in anderen Ländern retten."

Alle drei Säulen des deutschen Bankensystems bestehen Test

Das Ergebnis des Stresstests mache aber deutlich, "dass sich das deutsche Bankensystem mit seinen drei Säulen ganz gut bewährt hat", betont Burghof mit Blick auf die privaten Banken sowie die genossenschaftlichen und die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute. "Es zeigt, dass wir am deutschen Bankensystem mit seiner kleinteiligen und regionalen Struktur festhalten sollten", erklärt er angesichts der wiederholten Angriffe Brüssels.

Schattenbankenmarkt bleibt weiter ein Problem

 Als "ganz klares Problem" sieht Burghof den wachsenden Schattenbankenmarkt, in den immer mehr Kreditinstitute risikoreichere Geschäfte verlagern, der aber bisher keinem Stresstest unterworfen wurde. Damit nicht noch mehr Geschäfte in diesen Markt abwanderten, plädiert der Bankenexperte, "nicht jedes Produkt und jeden Markt" zu regulieren. Vielmehr sollte man mit der "Regulierung maßhalten" und nur dort intensiv regulieren, wo systemische Risiken bestehen". Diese gelte umso mehr, da gerade kleinere Banken die Anforderungen der Regulierung nur schwer bewältigen könnten.

Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaftslehre an der Universität Hohenheim. - © Foto: privat

Finanzdienstleistungsaufsicht: Nicht auf Lorbeeren ausruhen

 Nach den am Sonntag veröffentlichten Ergebnissen sind 25 von insgesamt 130 europäischen Kreditinstitute zum Stichtag 31. Dezember 2013 beim EZB Stresstest durchgefallen, darunter als einzige deutsche Bank die Münchener Hypothekenbank. Diese und elf weitere Geldhäuser haben in diesem Jahr aber schon nachgebessert und ihre Puffer um insgesamt 15 Milliarden Euro gestärkt. "Für deutsche Banken sind daher keine weiteren Maßnahmen notwendig", so Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Als sehr erfreulich bezeichnet die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König, das Abschneiden der deutschen Teilnehmer. König fordert die Institute aber auf, sich nicht auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Mit dem Stresstest sollte vor allem untersucht werden, inwiefern Banken – etwa bei einem extremen Konjunktureinbruch – wieder ins Straucheln geraten und vom Steuerzahler gerettet werden müssten.

In Italien fielen mit neuen Banken die meisten Institute durch den Stresstest. Fünf davon haben die Kapitallücken aber geschlossen. Noch nicht fit ist unter anderem die angeschlagene Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena. In Griechenland müssen die Eurobank und die National Bank of Greece nachbessern.

Löcher müssen binnen neuen Monaten gestopft werden

 Die EZB verlangt von den 13 Instituten bis zum 10. November 2014 Pläne, wie sie die verbleibenden Kapitallücken schließen wollen. Das sagt die Chefin der neuen Euro-Bankenaufsicht, Danièle Nouy. Probleme, die beim Bilanzcheck im ersten Teil der Überprüfung festgestellt wurden, müssen die Banken binnen sechs Monaten nach Bekanntgabe der Ergebnisse lösen.

Für Kapitallöcher aus dem Stresstest geben ihnen die Aufseher neun Monate Zeit. Bekommen die Banken auf dem Kapitalmarkt kein frisches Geld oder können sie die Lücken nicht anderweitig schließen, sollen noch einmal die Nationalstaaten, also letztlich die Steuerzahler, einspringen. In vielen Ländern gibt es dafür bereits entsprechende Notfallprogramme.

Außerhalb der Eurozone bestanden sämtliche Geldhäuser den Stresstest der Bankenaufsicht EBA. Die geprüften Banken in Großbritannien, Dänemark, Schweden, Norwegen, Ungarn und Polen haben aus Sicht der Behörde auch im Fall einer Finanzkrise genug Eigenkapital, teilte die EBA in London mit. Während die EZB nur Banken in Euro-Ländern prüfte, nahm die EBA auch Geldhäuser in Ländern unter die Lupe, in denen mit anderen Währungen gezahlt wird. mit dpa