Unternehmensgründungen Migranten bringen das Handwerk voran

Immer mehr Migranten gründen Unternehmen in Deutschland – ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Auch für das Handwerk haben Zuwanderer eine immer größere Bedeutung.

Immer mehr Migranten gründen in Deutschland Unternehmen - auch im Handwerk. - © Foto: Gina Sanders/Fotolia

Trotz der guten Arbeitsmarktsituation wagen in Deut schland wieder mehr Men schen den Schritt in die Selbstständigkeit. Im vergangenen Jahr haben sich 868.000 Personen selbstständig gemacht, 93.000 mehr als 2012. Die gute Entwicklung gibt es auch wegen der hohen Zuwanderung. Denn jeder fünfte Betrieb wurde 2013 laut einer Studie des Kreditinstitutes für Wiederaufbau (KfW) durch Migranten gegründet - also Personen, die entweder eine ausländi sche Staatsbürger schaft oder die deut sche Staatsbürger schaft bereits erworben haben.

Gerade der Anteil der Neugründungen durch Zuwanderer aus den 28 EU Staaten ist in den vergangenen zwei Jahren wieder gestiegen. Fast die Hälfte der Gründer mit Migrationshintergrund kam aus der EU. Zuvor hatte er sich zwi schenzeitlich auf 22 Prozent verringert.

Alte Kli schees stimmen nicht mehr

Die Branchen, in denen Migranten Unternehmen gründen, gleichen sich zunehmend denen der deut schen Gründer an. In den vergangenen Jahren haben sich Gründungen durch Zuwanderer laut einer Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirt schaft und Energie vermehrt in Richtung wissensintensive Branchen – darunter fällt auch das Handwerk – ver schoben. Das alte Kli schee des Zuwanderers, der ein Restaurant aufmacht, trifft also nicht mehr zu. Lediglich im Handel sind ausländi sche Unternehmer weiterhin etwas überrepräsentiert.

Auch im Handwerk entwickelt sich die Gründungsaktivität seit Jahren positiv. Im Jahr 2013 entstanden 4.361 neue Betriebe – ein Plus von 0,4 Prozent. Mit bundesweit 3,7 Millionen Handwerksunternehmen betrug ihr Anteil an der Gesamtzahl an Unternehmen in Deut schland mit Stand Dezember 2013 mehr als 27 Prozent. Etwas mehr als ein Viertel also. Zwi schen 2010 und 2013 wurden laut Zahlen der KfW 25 bis 30 Prozent der Gründer, die handwerkliche Tätigkeiten anbieten Migranten – sie tragen also deutlich zu der guten Entwicklung der Betriebszahlen im Handwerk bei.

Anteil der Migranten steigt

Zwar unter scheidet das KfW nicht zwi schen Handwerk als solchem und handwerklichen Tätigkeiten. Doch auch Erhebungen des Volkswirt schaftlichen Institutes für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (Ifh) aus dem Jahr 2009 zeigen diesen Trend. Demnach sind 13,5 Prozent der Existenzgründer im Handwerk Ausländer, weitere 5,2 Prozent haben einen Migrationshintergrund.

Für den Anteil der von einem Ausländer geführten Handwerksbetriebe stammen die letzten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2004. Vor zehn Jahren wurden demnach fünf Prozent der Handwerksbetriebe von einem Ausländer geführt. "Durch die EU-Osterweiterung und das Anerkennungsgesetz aus 2012 dürfte ihr Anteil aber weiter gestiegen sein", erläutert Klaus Müller, Ge schäftsführer des Ifh.

Nur wenige machen den Meister

Im Vergleich zu Deut schen wagen Migranten den Schritt in die Selbstständigkeit allgemein etwas häufiger. Im Jahr 2013 waren es 21 Prozent der Zuwanderer. Ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entsprechend gründeten am häufigsten Türken, Russen und Polen neue Unternehmen. Zwar ist der Anteil an Gründern ohne Berufsab schluss höher als beim Rest der Existenzgründer – gerade bei den Älteren ist das der Fall. Das liege unter anderem auch daran, dass im Ausland erworbene Berufsab schlüsse teils nicht direkt anerkannt werden, betont das KfW.

Frühere Untersuchungen ergaben zudem, dass viele in Deut schland ausgebildete Ausländern zwi schen Gesellen- und Meisterprüfung auf der Strecke bleiben. "Möglich ist, dass sie die Bedeutung des Meisters in Deut schland unter schätzen", vermutet Müller. In den zulassungsfreien Gewerken ist der Anteil an Migranten daher deutlich höher.

Ausländer schaffen früher Arbeitsplätze

Dennoch sind gerade auch die Gründer mit ausländi schem Hintergrund eine wichtige Stütze für die Wirt schaft, denn sie schaffen Arbeitsplätze – früher und häufiger als deut sche Existenzgründer: 49 Prozent von ihnen sind bereit, Mitarbeiter einzustellen, im Vergleich zu 29 Prozent bei den Deut schen, so das KfW. Zugleich geben jedoch ausländi sche Existenzgründer ihr Unternehmen etwas häufiger wieder auf.

Das gilt auch für das Handwerk, sowohl in den A- als auch in den B-Gewerken. "Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass das alles ge scheiterte Existenzen sind", sagt Müller. Gut vorstellbar sei etwa, dass sie mobiler seien als Unternehmer, die in Deut schland zu Hause seien.

Müller: Positive Entwicklung

Im Handwerk sorgen Migranten zunehmend auch für den Nachwuchs . Im vergangenen Jahr hatten 25.443 Jugendliche keinen deut schen Pass.

"Da ihr Anteil zweifelsohne steigt, haben Migranten eine erhebliche Bedeutung für das Handwerk – auch unter den Be schäftigten", unterstreicht der Ifh-Ge schäftsführer. Nicht zu unter schätzen – aber noch nicht mit Zahlen belegbar – sei zudem ihr positiver Einfluss auf den Export , wenn sie Kontakte ins Ausland haben. "Ein türki scher Handwerker kann eventuell auch die türki sche Gemein schaft hier in Deut schland besser ansprechen", vermutet Müller. "Für das Handwerk ist das auf jeden Fall eine positive Entwicklung." sch