Weiterbeschäftigung Übernahme: Noch nie hatten Auszubildende bessere Aussichten

Es fehlen Auszubildende, es fehlen Fachkräfte - und das ist gut für Lehrlinge. Denn nie waren ihre Chancen auf eine Übernahme höher. Kleine Betriebe haben großen Unternehmen dabei häufig etwas voraus.

Zwei Drittel der Auszubildenden wurden 2013 von ihrem Betrieb übernommen. - © ehrenberg-bilder/Fotolia

Noch nie war die Chance von Auszubildenden besser, von ihrem Betrieb übernommen zu werden. Das ist das Fazit einer Erhebung des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsfor schung. Demnach wurden 2013 rund zwei Drittel der Lehrlinge im An schluss an die Ausbildung übernommen – das ist die höchste Übernahmequote seit dem Beginn der Erhebung im Jahr 1996.

Möglicherweise liegt der Anteil der weiterbe schäftigten Auszubildenden noch höher. Denn nicht erfasst werden kann, ob möglicherweise Jugendliche auch Übernahmeangebote ausge schlagen haben.  

Langfristige Perspektive in kleinen Betrieben besser

Große Unternehmen haben ihre Lehrlinge dabei etwas häufiger weiterbe schäftigt als kleine Betriebe: Demnach übernahmen Unternehmen mit 500 Mitarbeitern und mehr rund acht von zehn Auszubildenden, in Kleinstbetrieben mit bis zu neun Mitarbeitern waren es etwa die Hälfte der Azubis. Das könne teils auch an der Tarifbindung liegen, die für große Unternehmen häufiger relevant sind, so das IAB. Denn in Tarifverträgen ist oftmals die Übernahme geregelt.

Dabei ist die langfristige Perspektive für die Auszubildenden in kleinen Betrieben oftmals sicherer. Während in Mittel- und Großbetrieben die Mehrheit der Auszubildenden erst einmal einen befristeten Vertrag bekommen hat, stellten die meisten kleinen Betrieben ihre ehemaligen Lehrlinge meistens direkt unbefristet ein.

Fast 30 Prozent der Ausbildungsstellen unbesetzt

Grund für die Entwicklung ist laut IAB mitunter der drohende – oder in einigen Branchen bereits angekommene – Fachkräftemangel. Die Betriebe versuchen durch die Ausbildung Jugendlicher ihren  Bedarf an Fachkräften zu sichern. So war der Anteil an übernommenen Absolventen bis Mitte der 2000er Jahre noch stetig gesunken. Seither nimmt er von Jahr zu Jahr zu. "Die im Zeitverlauf stark gestiegenen Übernahmequoten machen ebenfalls darauf aufmerksam, dass der Ausbildung als Instrument zur Sicherung des Fachkräftebedarfs große Bedeutung zukommt", schlussfolgern die For scher des IAB.

Denn was künftig der Fachkräftemangel ist, schlägt sich bereits in der Zahl der Auszubildenden nieder. Die Unternehmen haben zunehmend Probleme mit der Besetzung ihrer Lehrstellen. Im Jahr 2013  blieben deut schlandweit bei 29 Prozent aller Betriebe Ausbildungsstellen unbesetzt, in Ostdeut schland lag die Quote sogar bei 47 Prozent. Das kann auch das Handwerk bestätigen. Für etwa 15.000 Ausbildungsplätze fanden die Betriebe 2014 keine Lehrlinge.

Über die Hälfte aller Unternehmen in Deut schland verfügte 2013 über eine Ausbildungsberechtigung, wiederum die Hälfte dieser Unternehmen bildete tatsächlich Jugendliche aus. Etwa 13 Prozent aller Auszubildenden absolvierten ihre Lehre dabei in Kleinstbetrieben. sch