Der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) hat den behinderten Weitspringer Markus Rehm nicht für den EM-Kader nominiert. Nach den biomechanischen Auswertungn der Sprünge von Rehm und denen seiner nichtbehinderten Konkurrenten gebe es erhebliche Zweifel an der Vergleichbarkeit.
Am Samstag hatte sich der Paralympics-Sieger bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften mit 8,24 Meter noch den Titel im Weitsprung geholt. Biomechanische Auswertungen sollten darüber entscheiden, ob der Orthopädietechnikermeister bei den Europameisterschaften in Zürich antreten darf. Die Ergebnisse hätten allerdings erhebliche Zweifel an der Vergleichbarkeit der Sprünge Rehms mit denen seiner nichtbehinderten Konkurrenten ergeben, schreibt der DLV auf seiner Internetseite.
Gleiche Flugweite mit weniger Geschwindigkeit
Als Indizien für die Nichtvergleichbarkeit seien deutliche Merkmalsunterschiede der verglichenen Sprünge beobachtet worden. Diese beträfen vor allem die Geschwindigkeiten im Anlauf und die Geschwindigkeitsverhältnisse in der Absprungphase. "Die Zweifel daran, dass ein Absprung mit einer Carbon-Prothese und der Absprung mit dem menschlichen Sprunggelenk unter vergleichbaren mechanischen Bedingungen verlaufen, konnte nicht ausgeräumt werden. Wenn ein Sportler mit einer deutlich geringeren Anlaufgeschwindigkeit die gleiche Flugweite erzielt, muss er zwangsweise geringere Energieverluste am Brett haben", sagte DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska. Rehm genieße als Sportler jedoch seinen absoluten Respekt.
Für die EM-Startplätze im Weitsprung waren vier Athleten in die engere Wahl gekommen. Nur der ehemalige Europameister Christian Reif (LC Rehlingen) hatte alle Nominierungsanforderungen erfüllt. Im Falle von Markus Rehm, Europameister Sebastian Bayer (Hamburger SV) und Julian Howard (LG Region Karlsruhe) habe der Bundesausschuss Leistungssport in Abwägung aller Kriterien zugunsten von Sebastian Bayer und Julian Howard entschieden.
Durch eigenen Unfall zum Beruf gekommen
Rehm ist der erste und einzige Deutsche, der mit einer Behinderung bei den Nichtbehinderten angetreten und gleich Deutscher Meister geworden ist. Im Alter von 14 Jahren verlor er sein rechtes unteres Bein bei einem Wakeboard-Unfall, als ihn das Boot überfuhr. Über seinen Orthopädietechniker kam Rehm zu seinem Beruf und ist heute mit 25 Jahren Orthopädietechnikermeister. Nebenbei betrieb er früh Leistungssport und konzentrierte sich auf Weitsprung. fm
