Berufsunfähigkeitsversicherung "Je früher man sich absichert, desto günstiger ist der Schutz"

Warum ein früher Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig ist und welche Alternativen es bei einer Ablehnung gibt, erklärt Beate-Kathrin Bextermöller von der Stiftung Warentest.

Melanie Höhn

Beate-Kathrin Bextermöller ist Projektleiterin im Bereich Versicherungen und Recht bei der Stiftung Warentest. - © Foto: Stiftung Warentest

DHZ : Haben Handwerker ein erhöhtes Risiko für Berufsunfähigkeit?

Bextermöller: Ja, denn das Risiko, seinen Beruf nicht bis zum Rentenbeginn ausüben zu können, ist gerade für stark körperlich Tätige wie Handwerker sehr hoch. Angestellte Handwerker, die ab 1961 geboren sind, erhalten eine volle staatliche Erwerbsminderungsrente nur, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als drei Stunden pro Tag arbeiten können – unabhängig von ihrer Qualifikation. Diese Rente ist sehr bescheiden. Selbstständige Handwerker haben in der Regel nicht einmal Anspruch darauf. Wer eine Rente erhalten will, muss mindestens 60 Monate lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, davon mindestens 36 Monate lang Pflichtbeiträge in den fünf Jahren vor der Erkrankung. Wer zwischen drei und sechs Stunden pro Tag arbeiten kann, erhält nur eine halbe Erwerbsminderungsrente. Wer länger täglich arbeiten kann, geht leer aus. Private Vorsorge tut also Not.

DHZ : Kommen Handwerker schwer in eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Bextermöller: Die Versicherer teilen die Berufe – je nach Risiko – in verschiedene Berufsgruppen ein. Stark körperlich Tätige sind häufig in die schlechteste Berufsgruppe eingestuft und müssen für den Versicherungsschutz sehr viel zahlen. Kommen noch Risikozuschläge aufgrund von Vorerkrankungen oder riskanten Hobbies hinzu oder ist der Interessent schon etwas älter, können sich viele diesen Schutz nicht mehr leisten oder bekommen die Police vom Versicherer gar nicht erst angeboten.

DHZ : Welche Berufsgruppen sind davon besonders betroffen?

Bextermöller: Die Berufe, die besonderen Risiken ausgesetzt sind. Das können zum Beispiel Handwerksberufe sein, wo Knochen und Gelenke stark strapaziert werden wie beispielsweise der Fliesenleger, Maurer oder Gerüstbauer. Und auch da, wo man häufig Staub oder Chemikalien ausgesetzt ist, was auf Bäcker oder Friseure zutrifft.

DHZ : Haben Sie Tipps, worauf Handwerker besonders achten müssen und wie sie eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen?

Bextermöller: Generell gilt, je früher man sich absichert, desto günstiger ist der Schutz. Denn dann hat der Versicherte in der Regel noch wenige oder gar keine Vorerkrankungen. Der Schutz wird dann entsprechend vollständig - also ohne Ausschlüsse von Erkrankungen - und leistungsstark angeboten. Wer schon Krankheiten hat und fürchtet, von den Versicherern abgelehnt zu werden, sollte sich bei der Suche nach Versicherungsschutz von Versicherungsberatern oder -maklern helfen lassen. Häufig können diese sogenannte anonyme Risikovoranfragen bei verschiedenen Gesellschaften stellen, ohne dass der Interessent gleich negativ in der Risikodatenbank der Versicherer gespeichert wird.

DHZ : Was sollte man tun, wenn man von allen Versicherungen abgelehnt wird?

Bextermöller: Wer keine Berufsunfähigkeitsversicherung erhält oder den Schutz nicht bezahlen kann, sollte sich nach möglichen Alternativen umsehen: Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Schwere-Krankheiten-Versicherung, Funktionsinvaliditätsversicherung etc. siehe unter www.test.de/alternativen-bu. Auch eingeschränkterer Invaliditätsschutz ist besser als keiner.