Wagner Andreas Hauck aus Oberbayern hat eine Postkutsche aus dem Wilden Westen für die Karl-May-Festspiele in Rheinland Pfalz gebaut.
Christoph von Schierstädt

80 Meilen am Tag, über Stock und Stein, schlechte Straßen und Wege – und das alles mit Kutsche und zu Pferde. "Reisen im Wilden Westen war kein Zuckerschlecken und wenig romantisch", bemerkt Wagenbauer Andreas Hauck aus dem oberbayrischen Großrohrsdorf, im Landkreis Ebersberg. Trotzdem fasziniert ihn, wie die amerikanischen Fuhrunternehmen im großen Stil die Erschließung Nordamerikas über ein ausgedehntes Wegenetz, von Kanada bis Mexiko vorangebracht haben.
"Zuverlässige Beförderung von Waren und Fahrgästen, auf lange Distanzen, sehr oft in Trab oder Galopp. Mit Zwischenstopps an den Postkutschenstationen, wo Pferd und Fahrer getauscht wurden und dann ging es wieder weiter durchs Land – eine unglaubliche Belastung für Mensch und Material", erzählt Hauck, der sich während seiner Recherche lange und intensiv mit den historischen Plänen beschäftigt hat.
"Die Kutschen waren sehr robust gebaut, denn sie mussten viel aushalten. Ging etwas kaputt, musste es schnell und einfach an der nächsten Station ersetzt werden können." Das faszinierte den Wagner aus der 68-Seelen-Gemeinde südöstlich von München, der in mühevoller Planungsarbeit und nach unzähligen Stunden nun vor seinem vollendeten Meisterwerk steht.
Allein das Fahrwerk wiegt eine halbe Tonne
Rückblende: Der Auftrag kam im Januar 2014. Hauck hatte gerade zwei originalgetreue Wägen für den Film "Der Medicus" fertiggestellt als der Anruf von Eric Nisius, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Freilichtbühne Mörschied kam. Nisius richtet seit 1990 die Karl-May-Festspiele in Mörschied, Rheinland-Pfalz aus und beauftragte Hauck mit dem Nachbau einer klassischen amerikanischen Stagecoach.
"Ein toller Auftrag. Ich wusste nichts über die amerikanischen Postkutschen, also besorgte ich mir Unterlagen, historische Pläne und besuchte einen Pferdefuhrunternehmer in der Schweiz, der eine dieser Kutschen besaß und mit einem Fünf-Spänner Touristen durch die Schweizer Bergwelt kutschierte", erinnert sich Hauck.
Mit viel Sorgfalt und Sachverstand machte sich der Wagner an die Planung und Umsetzung des ungewöhnlichen und zugleich aufregenden Projekts. Ein paar Monate später steht Hauck nun vor seiner Kutsche und erklärt stolz die Details: "Sie ist sehr stabil gebaut und hält locker allen Strapazen stand. Allein das Fahrwerk wiegt fast eine halbe Tonne und die Räder kommen auf über 120 Kilo. Die Hinterräder haben einen Durchmesser von 150 Zentimetern." Die Kutsche ist absolut originalgetreu nachgebaut; bis auf die zusätzlichen Scheibenbremsen, die die Sicherheit von Gästen, Fahrern und Pferden gewährleisten sollen.
Probefahrt mit allen Kindern des Dorfes
Insgesamt über 500 Stunden steckten er und Raphael Bauer, ein befreundeter Schreiner aus dem nahen Grafing, der die Fahrgast-Kabine baute, in das Projekt. Zur Probefahrt lud Hauck alle Kinder des Dorfes ein. Eine Jungfernfahrt durch die sanften Hügel von Großrohrsdorf und Umgebung. Ein besonderes Erlebnis für die Kinder und den Wagner zugleich. Denn wann bekommt man schon einmal die Gelegenheit eine echte Postkutsche aus dem Wilden Westen zu fahren.
Wagner Andreas Hauck ist sichtlich stolz und genießt den Moment – ein wenig wehmütig, denn die Kutsche verlässt bereits am nächsten Tag seine Werkstatt um pünktlich zu den diesjährigen Karl May Festspielen zum Einsatz zu kommen. Wenn es soweit ist, wird Hauck bereits in Gedanken bei seinem nächsten, sehr schönen Projekt sein: "Es hat mit bayrischem Brauchtum und Tradition, großen Kaltblut-Gespannen und guter Stimmung zu tun. Mehr verrate ich noch nicht", sagt Hauck und schmunzelt. "Nur soviel: Es muss auf jeden Fall bis Ende September fertig sein!"
Einen ausführlichen Artikel lesen Sie in der kommenden Ausgabe der DHZ Nr. 14 vom 18. Julie 2014 auf der ersten Regionalseite der Handwerkskammer München-Oberbayern .

