Kommt die Deflation oder kommt sie nicht? Die Angst um dauerhaft sinkende Preise ist groß. Die Europäische Zentralbank (EZB) rudert jedenfalls mächtig. Doch was bedeuten fallende Preise für Unternehmen?
Christoph Ledder

Der Bankenverband sieht keine Anzeichen für eine Deflation. Durch die fallenden Preise könnte die Last der Schulden bei Betrieben größer werden.
- © Foto: Jürgen Fälchle/fotoliaOb eine erneute Leitzinssenkung oder der Ankauf von Wertpapieren – von der EZB ist derzeit viel die Rede. Sie schürt die Angst vor einer Deflation, von einem Verfall der Preise. Sinkende Preise klingen für Verbraucher zunächst gut. Der Geldbeutel wird gespart und man bekommt mehr für sein Geld.
Höhere Schuldenlast durch fallende Preise
Doch die Abwärtsspirale droht, da die Preise quer durch alle Warengruppen verfallen. Kleine und mittelständische Betriebe wären stark betroffen, wie Volkswirt Volker Hofmann vom Bundesverband gesamtdeutscher Banken (BdB) erläutert. "Für kleine Betriebe hätte eine Deflation schädliche Aspekte, da die Last der Schulden weiter wächst. Betriebe müssen mehr Waren verkaufen, um ihren Schuldenberg abzuzahlen." Bei fallenden Preisen ist das sehr viel schwerer zu schaffen, da die Verbraucher sich mit Investitionen zurückhalten.
Doch der BdB sieht derzeit keine Gefahr für eine Deflation. In einer Erklärung erläutert er: "Von einer Situation, in der Verbraucher und Unternehmen mit längerfristig sinkenden Preisen rechnen – und erst dies ist eine gefährliche Deflation – sind wir nicht nur in Deutschland weit entfernt. Eine niedrige Inflationsrate ist noch lange keine Deflation. "
Mit 0,5 Prozent ist es die niedrigste Teuerungsrate seit 2009 . Der Wert ist weit entfernt von der Zielmarke der EZB, die knapp unter zwei Prozent liegt. Auch der europäische Leitzins liegt immer noch unverändert bei 0,25 Prozent. Die Angst vor dem Gespenst der Deflation – dem Phänomen der fallenden Preise – ist groß. Die jüngsten Überlegungen der EZB belegen das.
Leitzinssenkung gegen Deflation
Denkbar ist eine erneute Leitzinssenkung der EZB um einer möglichen Deflation vorzubeugen. Der BdB hält das aber für kontraproduktiv und spricht sich dagegen aus. " Eine Leitzinssenkung wäre kontraproduktiv, da die Kreditzinsen verteuert werden würden“, sagt Julia Topar vom Bankenverband. Auch ein Negativzins wäre denkbar.
Doch noch setzen die Währungshüter aber darauf, dass die Inflation im April anziehen wird – auch ohne, dass die EZB nachhilft. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet nicht mit weiteren Schritten der EZB: „ Wir glauben eher, dass es dazu nicht kommen wird, weil das Tief bei der Inflationsrate vermutlich hinter uns liegt.“ Schon im April dürfte die Inflationsrate im Euroraum nach Einschätzung der Commerzbank wieder auf 0,8 Prozent steigen.
Deflation - ein Schreckensszenario für die Wirtschaft
Sie schreckt noch mehr als die Inflation: die Deflation, also anhaltend fallende Preise. Was für Verbraucher auf den ersten Blick wie eine gute Nachricht aussieht, kann am Ende eine ganze Volkswirtschaft in den Abgrund stürzen. Das wäre möglich, wenn Haushalte Anschaffungen in der Hoffnung auf immer niedrigere Preise verschieben - und sich Unternehmen bei Investitionen ähnlich verhalten. Ergebnis: Die Wirtschaft friert ein.
Japan steckt seit den 90er Jahren in dieser Falle und befreite sich zuletzt mit Konjunkturprogrammen und Geldflut. In der Eurozone lag die Teuerung im März bei nur 0,5 Prozent, nach Einschätzung einiger Ökonomen gefährlich nahe an die Schwelle zur Deflation. Die Europäische Zentralbank (EZB) als Währungshüter sieht Preisstabilität bei einer jährlichen Teuerungsrate von knapp 2 Prozent gewahrt . dpa