Wirtschaftsauskunftei Kreditwürdigkeit: Was die Schufa prüft

Name, Geburtsdatum, Anschrift, Daten zu Bankkonten und vieles mehr werden regelmäßig von der Schufa erfasst. Daraus erstellt sie das sogenannte Scoring, das Firmen und Banken Auskunft über die Kreditwürdigkeit einer Person gibt. Wie die Wirtschaftsauskunftei rechnet ist und bleibt geheim. Doch Vorsicht: die Daten können veraltet sein.

Die Schufa muss nach einem Urteil des BGH Verbrauchern keine umfassende Auskunft zur Berechnung ihrer Kreditwürdigkeit geben. - © Foto: Andrea Warnecke

Der klassische Fall: Bevor eine Bank einen Kredit vergibt, fragt sie bei einer Wirtschaftsauskunftei  das aktuelle Scoring der Person ab und erhält damit Auskunft darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Kredit auch zurückgezahlt werden kann. Um Zahlungsausfälle zu vermeiden, können auch Handwerksbetriebe die Bonität ihrer Kunden überprüfen lassen.

Gleichzeitig sind Handwerker nicht selten selbst an einem guten Scoring interessiert, um bei Banken, Versicherungen und anderen Unternehmen als zahlungsfähig zu gelten. Wirtschaftsauskunfteien haben damit großen Einfluss. Die wohl bekannteste davon, die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa), musste am Mittwoch ihre Rechenmethode vor dem Bundesgerichtshof (BGH) verteidigen.

Daten müssen aktuell sein

Nun steht fest, dass die Schufa weiterhin die Daten von Verbrauchern erfassen und bewerten darf, ohne dabei offenlegen zu müssen, wie sie daraus das Scoring errechnet. Damit hierbei keine Fehler passieren, ist allerdings jeder selbst in der Pflicht, die Daten aktuell zu halten.

Was hinter dem Scoring steckt

Beim Scoring werden Prognosewerte für die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der ein Kunde seine Zahlungsverpflichtungen bei einem Kredit erfüllen kann. Dieses Verfahren wenden Wirtschaftsauskunfteien wie die Schufa oder die Creditreform an, um Banken und andere Finanzfirmen bei der Einschätzung der Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden zu unterstützen. Kreditgeber und Versicherungen betreiben aber oft auch ein eigenes Scoring.

Die Schufa analysiert die ihr von den Banken zur Verfügung gestellten Finanzdaten und wertet diese mathematisch aus. Verfahren zur Wahrscheinlichkeitsrechnung kommen zum Einsatz, um laut Schufa "eine möglichst zuverlässige und objektive Prognose für die Zukunft" zu erstellen.

Ein Schufa-Score setzt sich aus mehreren Werten zusammen, darunter eine Ratingstufe von A für das geringste bis M für das höchste Ausfallrisiko. Der Basis-Score gibt die Wahrscheinlichkeit für die Erfüllung einer Zahlungsverpflichtung an. Er beträgt höchstens 100 Prozent. Dies wird für verschiedene Branchen differenziert ermittelt.

Einmal im Jahr kann man bei den Wirtschaftsauskunfteien die Daten kostenlos abfragen. So wird auch die Schufa-Auskunft zum sogenannten Scoring jährlich rund 680.000 Mal angefordert. Falsche Angaben können die Kreditwürdigkeit allerdings herabsetzen. Wird beispielsweise ein altes, längst aufgelöstes Konto nach wie vor geführt, muss das korrigiert werden.  Wer fehlerhafte Daten entdeckt, sollte schriftlich um eine Korrektur bitten.

Erfasst werden von den Auskunfteien in der Regel Name, Geburtsdatum und die Anschrift. Gespeichert werden auch Daten zu Bankkonten, Kreditkarten, Krediten oder Bürgschaften. Außerdem werden Mobilfunk- und Leasingverträge sowie Ratenzahlungsgeschäfte verzeichnet. Nicht gespeichert werden Kontostände, Einkommen, Vermögen, Beruf, Familienstand, Nationalität und Kaufverhalten.

BGH schützt Geschäftsgeheimnis

Die Schufa muss allerdings nicht erklären, wie sie zu den Werten für die Kreditwürdigkeit gekommen ist. Mit dieser Entscheidung wies der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Dienstag die Revision einer 54-jährigen Angestellten zurück. Sie habe keinen Anspruch zu erfahren, wie die einzelnen Elemente der Scorings gewertet und gewichtet werden. Die sogenannte Score-Formel unterliegt dem Geschäftsgeheimnis der Auskunfteien, urteilten die Richter.

Die Kreditauskunftei Schufa

Die "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung" (Schufa) wurde 1927 in Berlin gegründet. Ziel des privaten Unternehmens ist es, Daten zur Kreditwürdigkeit von Verbrauchern und Firmen zu sammeln und zu liefern. 2012 verfügte die Schufa nach eigenen Angaben über 655 Millionen Informationen zu 66,2 Millionen Menschen und 4 Millionen Unternehmen.

Dabei geht es unter anderem um Bankkonten und Kreditkarten, Kredite, Bürgschaften und Ratenzahlungsgeschäfte. Die meisten Informationen stammen von den Schufa-Vertragspartnern wie Banken und Firmen. Diese können bei "berechtigtem Interesse" auch Daten anfragen. Will ein Kunde zum Beispiel ein Auto auf Raten kaufen, fragt der Händler bei der Schufa nach Informationen. Die Zentrale ist in Wiesbaden.

Mehr zum Scoring und wie man die Daten überprüft: Tipps der Verbraucherzentrale NRW. dhz/dpa