Schulleistungstest der OECD PISA: Handwerk sieht Handlungsbedarf

Deutschlands Schüler haben sich verbessert, doch noch immer fehlen vielen die Grundvoraussetzungen für eine Berufsausbildung. ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke mahnt angesichts der neuen PISA-Ergebnisse, dass weiter großer Handlungsbedarf bestehe. Vor allem leistungsschwache Schüler brauchen mehr Unterstützung.

Schüler in Deutschland liegen mit ihren Leistungen im internationalen Schulleistungstest PISA das erste Mal über dem OECD-Durchschnitt. Doch weiterhin gibt es große Probleme. - © Foto: Robert Kneschke/Fotolia

15-Jährige Schüler aus Australien, Irland, Liechtenstein, den Niederlanden und Polen sind im Schnitt genauso gut in den  Naturwissenschaften wie deutsche Schüler gleichen Alters. Alle befinden sich in einer Gruppe von Ländern, deren Leistungen knapp über dem OECD-Durchschnitt liegen. Ähnlich bei der Lesekompetenz: Auch hier liegt Deutschland etwas über dem Schnitt und befindet sich in einer Gruppe mit Belgien, Macao (China), den Niederlanden oder der Schweiz.

Nach dem schlechten Abschneiden bei den letzten PISA-Untersuchungen haben sich die Ergebnisse der deutschen Schüler verbessert. Vor allem in Mathematik, die bei der aktuellen Studie im Mittelpunkt stand, haben sich die Schüler laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verbessert.

Immer noch große Geschlechterunterschiede

Das gute Abschneiden in Mathe und den Naturwissenschaften freut auch das Handwerk. Doch trotzdem besteht weiterhin großer Handlungsbedarf, um die Zahl der Schüler mit Ausbildungsreife zumindest zu steigern. Mathematische Fähigkeiten haben laut OECD einen wesentlichen Einfluss auf den beruflichen Erfolg und andere wichtige Faktoren im Leben.

"Vor allem leistungsschwache Schüler und solche mit schwierigem sozialem Umfeld müssen in den allgemeinbildenden Schulen noch stärker unterstützt werden, damit sie das notwendige Rüstzeug für eine duale Ausbildung erwerben können", sagte deshalb auch Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, zu den Ergebnissen.

So sei die Zahl der Schüler in Deutschland, die nicht richtig Lesen und Rechnen können, mit 14 und 17 Prozent nach wie vor sehr hoch. Wie die OECD, sieht auch Schwannecke die großen Geschlechterunterschiede in den Leistungen als problematisch an.

In Deutschland erzielten die Jungen in Mathematik durchschnittlich 14 Punkte mehr als die Mädchen – seit der letzten Untersuchung hat sich dieser Abstand sogar ausgeweitet. Dagegen fehlt vielen Jungen die Lesekompetenz: 20,1 Prozent gehören zur "Risikogruppe", bei den Mädchen sind es nur 8,7 Prozent.

Herkunft hat großen Einfluss

Ungenutzte Potenziale konstatiert die PISA-Studie für Deutschland aber auch an anderer Stelle. So liegt der Anteil der Schüler, die im Mathe-Test trotz schwieriger sozio-ökonomischer Verhältnisse gut oder sehr gut abschnitten hierzulande bei sieben Prozent. Deutschland befindet sich damit aber nur unwesentlich über dem OECD-Durchschnitt mit 6,5 Prozent. Bessere Ergebnisse erzielten unter anderem viele asiatische Länder – laut OECD "weit bessere Leistungen, als mit Blick auf ihren sozialen Hintergrund zu erwarten gewesen wäre".

Dagegen haben Jugendliche mit Migrationshintergrund insgesamt aufgeholt. Doch noch immer liegen sie in Mathematik in ihren Leistungen deutlich hinter den deutschen Schülern. Gerade mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel gilt es nun die Integration zu verbessern und auch die Schüler aus schwierigen sozio-ökonomischen Verhältnissen stärker zu unterstützen.

"Es macht den Handwerksbetrieben große Sorgen, dass noch immer so viele Schüler nicht die Grundvoraussetzungen für eine Berufsausbildung mitbringen", kommentiert Holger Schwannecke die Entwicklung. So würden heute schon viele Handwerksbetriebe Nachhilfeunterricht neben Ausbildung und Berufsschule organisieren, um Jugendlichen zum Prüfungserfolg zu verhelfen. jtw

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Beispielaufgaben finden Sie unter oecd.org .