Der Leitzins macht Sparen noch unattraktiver. Wer mehr Rendite will, muss in Aktien investieren. Dabei ist eine ruhige Hand gefragt. Erfahren Sie hier die sieben wichtigsten Tipps.
Michael Sudahl

Die Deutschen lieben ihr Sparbuch. Laut einer Studie von TNS Infratest legen 55 Prozent der Menschen zwischen Kiel und Konstanz ihr Erspartes sicher an. Der Nachteil: Die Rendite ist schwach. Um die Ein-Prozent-Marke dümpelt der Zins bei verschiedenen Anbietern vor sich hin. Eine lukrative Geldanlage sieht anders aus. Doch wer mehr Geld will, muss mehr Risiko eingehen. Selbst konservative Verbraucherschützer raten dazu, nicht alles aufs Sparbuch oder Tagesgeldkonto zu legen. "Aktien und insbesondere Aktienfonds als Beimischung können auch zur Altersvorsorge absolut sinnvoll sein", sagt etwa Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
In unterschiedlichen Branchen und Ländern anlegen
Allerdings stellt der Finanzexperte klare Regeln auf, die Leute beachten sollten, die nicht täglich mit Finanzdingen zu tun haben. Punkt eins: "Wer Aktien kaufen will, sollte den Anlagebetrag diversifizieren", sagt Nauhauser. 50.000 Euro Erspartes also nicht auf einen oder zwei Aktienpakete aufteilen, sondern auf 20. Am besten in unterschiedlichen Branchen und Ländern.
Bei der Auswahl sollten auf keinen Fall Trendentscheidungen getroffen werden. Sprich: Weder Medien- noch Börsentrends folgen. Nur weil gerade viel über den Börsengang von Social-Media-Aktien geschrieben wird, heißt das noch lange nicht, dass die Aktien profitabel sind. Im Gegenteil. Durch den medialen Hype besteht die Gefahr, dass die Anlage überbewertet und damit schlicht zu teuer ist.Aktien: die sieben wichtigsten Tipps
- Aktiendepot anlegen: Jeder Anleger braucht ein Aktiendepot. Dies gibt es bei einer Bank oder einem Online-Broker.
- Anlageziel definieren: Wie viel Geld steht zur Verfügung, wie viel Risiko soll eingegangen werden, welche Rendite erhofft sich der Anleger?
- Informationen sammeln: Um eine Kaufentscheidung zu treffen, sollte der Anleger Informationen über das Unternehmen sammeln, in das er investieren will.
- Strategien testen: Vor dem Kauf ist ein Testen der eigenen Anlagestrategie empfehlenswert. Musterdepots sind dafür das ideale Instrument.
- Aktien kaufen: Dafür teilt der Anleger der Bank oder dem Broker mit, welche und wie viele Aktien erworben werden sollen.
- Beobachten: Auch wenn Aktien in der Regel als langfristige Geldanlage gedacht sind, sollte das Depot von Zeit zu Zeit überprüft werden.
- Verluste eindämmen: Ziel ist es, langfristig Gewinne zu erzielen. Entwickelt sich eine Aktien nicht wunschgemäß, kann sie verkauft werden. Der Verkauf funktioniert wie der Aktienkauf. Der Anleger teilt seiner Bank oder dem Broker mit, von welchen und von wie vielen Anteilsscheinen er sich trennen möchte.
Ein Beispiel aus der Vergangenheit belegt seine These: Ältere erinnern sich an den Börsengang der Telekom. Das als Volksaktie angepriesene Wertpapier entpuppte sich als Rohrkrepierer. Während der Dax jüngst die 9000er-Marke knackte, liegt die Telekom-Aktie 17 Jahre nach dem Börsengang weiter unter dem Ausgabekurs.
"Gelassen bleiben: Auch Profis kennen die Zukunft nicht"
Ob gerade die Börse boomt oder ein Crash droht, sollte keine Rolle spielen. "Auch Profis kennen die Zukunft nicht, mein Rat: Gelassen bleiben", sagt Nauhauser. Besser sei es, nicht auf Timing zu kaufen. Seine Kaufentscheidung also nicht davon abhängig machen, ob es irgendwann einen vermeintlich guten oder schlechten Zeitpunkt gibt, um Aktien zu kaufen. Investieren, wenn das Geld übrig ist, lautet sein Rat stattdessen.
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Auch wenn es um die Anlagedauer geht, rät die Verbraucherzentrale zur ruhigen Hand. Eine schlechte Unternehmensmeldung mache einen Aktienverkauf nicht notwendig. "Bis die Nachricht in der Zeitung steht, hat die Börse längst reagiert", sagt Nauhauser. Besser die Wertpapiere liegen lassen und Korrekturen im Depot nur dann vornehmen, wenn einzelne Werte überdurchschnittlich nach oben oder unten ausbrechen.
"Wer in Aktien anlegt, sollte auch die steuerlichen Komponenten beachten", rät Andreas Beuttler. Der Wirtschaftsprüfer von BHP in Stuttgart erklärt: "Seit 2009 gilt der Sparerpauschbetrag für alle Gewinne aus einem Kapitalvermögen in Höhe von 801 Euro pro Person." Mit dieser Regelung hat der Gesetzgeber Werbungskosten und den Sparerfreibetrag zusammengefasst.
Nicht jede Aktienart muss versteuert werden
Das betrifft neben Dividenden und Zinsen, Gewinne aus Termingeschäften und aus dem Verkauf von Kapitalanlagen, also auch Aktien. "Mit der Abschaffung der Spekulationsfrist gab es dann wieder eine Neuerung, denn alle Kursgewinne sind ab jetzt steuerpflichtig, sobald der Sparerpauschbetrag überschritten ist, und unterliegen grundsätzlich der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag", verdeutlicht Beuttler.
Spannend auch die Frage, welche Aktienart überhaupt besteuert wird. Beispiel Gratis- und Bonusaktie. Bonusaktien müssen versteuert werden, Gratisaktien bleiben steuerfrei. Der Grund: Gratisaktien oder auch Freianteile sind Anteile an einer AG, die der Anteilseigner ohne Zuzahlung – also gratis – erhält. "Oftmals stammen diese aus einer Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln", sagt Beuttler. Das heißt: Es werden bestehende Kapital- oder Gewinnrücklagen in zusätzliches Grundkapital umgewandelt. Die Folge: Es handelt sich nicht um abgeltungsteuerpflichtige Kapitalerträge.