Interview mit einem Wellness-Experten "Vielen Innovationen liegt eine handwerkliche Erfindung zugrunde"

Dampfbäder, Spa-Hotels, Saunatechnik: In Deutschland sind Wellness-Produkte und -Dienstleistungen ein Millionen-Markt – und eine Wachstumschance für innovative Betriebe. Peter Brunner, Geschäftsführer der Brunner Maschinenbau Vertriebs GmbH aus Ismaning, spricht über das Wellness-Potential des Handwerks und die jüngste Innovation aus eigenem Hause: den "Nano-Nebulizer".

Peter Brunner, Geschäftsführer der Brunner Maschinenbau Vertriebs GmbH in Ismaning. - © Foto: s&f/ZDH

Herr Brunner, Ihr Betrieb ist auf Maschinen-, Formen- und Werkzeugbau spezialisiert. Ein Handwerk, welches man nicht sofort mit Wellness in Verbindung bringt – oder täuscht das?

Peter Brunner : Das täuscht, denn neben Maschinenbauteilen für die Automobilindustrie, die Bahn und den Brückenbau produzieren wir auch Maschinen und Zubehör für medizinische und gesundheitstechnische Geräte. Das Spektrum des handwerklichen Elektro- und Metallgewerbes ist weit, und da liegt auch das Thema Wellness nicht fern.

Seit kurzem ist ihr "Nano-Nebulizer" auf dem Wellness-Markt erhältlich. Was hat es damit auf sich?

Peter Brunner : Das Prinzip ist bereits seit den alten Römern bekannt und jeder, der schon einmal am Meer war, kennt das Phänomen: Meeresluft tut gut. Besonders Asthmatiker oder Menschen mit Hautkrankheiten berichten von gemilderten Beschwerden durch Meeresluft. Das liegt am sogenannten Aerosol, dem Gemisch aus Luft und Salzwasser, welches durch den Wind- und Wellenabtrag entsteht. Und genau das imitiert unsere Erfindung, in dem es zum Beispiel Wasserpartikel aus dem Toten Meer auf 100 Nanometer zerstäubt. Diese nano-feinen Tröpfchen sind so klein, dass sie von den menschlichen Zellen als Nahrung aufgenommen werden können.

Hat ihre Erfindung auch Beauty-Effekte?

Peter Brunner : Auch das ist möglich. So kann man beispielsweise dem Zellverfall von Haut und Körper vorbeugen, in dem man Hyaluron zerstäubt. Zehn bis 15 Minuten in einem Raum mit dem "Nano-Nebulizer" und maximal vier Milliliter des Wirkstoffs können einen sofortigen hautstraffenden Effekt haben.

In der Wellness-Branche werden viele Versprechungen gemacht. Sind Ihre Ergebnisse wissenschaftlich fundiert?

Peter Brunner : Ja, denn während der achtjährigen Entwicklungszeit haben wir eng mit der Pharmazeutischen Universität in Graz zusammen gearbeitet. Hier verwendet man den "Nano-Nebulizer" inzwischen sogar auf dem Gebiet der Nanotechnologie und erforscht die Zerstäubung von Medikamenten wie Cortison oder Penizillin, damit diese über die Haut oder die Lungen aufgenommen werden können. Auch wenn der pharmazeutische Einsatz aufgrund der langen Forschungszeiten derzeit noch Zukunftsmusik ist – im Wellness-Bereich kann man schon jetzt von der Nanotechnik profitieren.

Und wie findet Ihre Erfindung im Alltag Anwendung?

Peter Brunner : Das Gerät eignet sich zur Installation in Saunen, geschlossenen Dusch-kabinen oder Fitness- und Ruheräumen. Dabei sind Hotels und Unter-nehmen, wie auch Privatpersonen gleichermaßen unsere Kunden. Eine Kabine ist sogar im Besitz einer Familie des europäischen Hochadels. Mit einem Preis von mehr als 20.000 Euro für eine Wellnesskabine mit "Nano-Nebulizer" handelt es sich allerdings um keine geringfügige Anschaffung. Weltweit sind derzeit erst 30 Geräte im Einsatz, da wir mit unserer Entwicklung noch am Anfang der Vermarktung stehen. Zu Vorführ- und Testzwecken haben wir einen Nano-Nebulizer sowie eine Wellnesskabine in den Räumen unseres Betriebes.

Maschinenbau mit Wohlfühlfaktor: Denken sie, dass noch weitere Wellness-Innovationen vom Handwerk zu erwarten sind?

Peter Brunner : Als Mitglied der Jury für den "Bayerischen Staatspreis" bekomme ich viele Neuheiten, auch im Bereich Wellness, zu sehen. Außerdem sind immer mehr Deutsche bereit, in Erholung und Gesundheit zu investieren – daher sehe ich hier großes Potential. Denn auch wenn es oft nicht so kommuniziert wird und im medialen Echo großer Konzerne untergeht: vielen Innovationen liegt eine handwerkliche Erfindung zugrunde.