Eine Betriebskrise entwickelt sich schleichend. Ein paar Kunden wechseln zur Konkurrenz oder nehmen neue Angebote nicht an. Gute Mitarbeiter verlassen das Unternehmen. Doch Betriebsinhaber sollten hellhörig werden, denn solche Veränderungen passieren nicht ohne Grund.
Mirabell Schmidt

Nicht immer muss der Umsatz wegbrechen, damit Unternehmen in eine Krise rutschen. Erste Anzeichen, dass der Betrieb auf dem falschen Weg ist, gibt es bereits viel früher. Reagieren Betriebsinhaber dann entschlossen, lassen sich ausgewachsene Krisen verhindern.
Betriebswirtschaftler unterscheiden zwischen drei Stufen von Unternehmenskrisen: Die Strategiekrise, die Erfolgskrise und die Liquiditätskrise .
1. Strategiekrise
Eine Strategiekrise ist oft schwierig zu erkennen, da betriebswirtschaftlich meist noch alles gut läuft. Dennoch gibt es mehr oder weniger eindeutige Warnsignale, die Geschäftsführer erkennen können.
Veränderungen im Kundestamm seien meist erste Hinweise für eine Strategiekrise, dass Betriebsinhaber ihre Strategie überprüfen sollten, erläutert Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. Hierunter fallen:
- Das Unternehmen verliert Kunden an neue Konkurrenten
- Es werden keine neuen Kunden dazugewonnen
- Kunden nehmen neue Angebote nicht an
Alle diese Punkte können darauf hinweisen, dass das Unternehmen nicht mehr marktgerecht ausgerichtet ist.
Gründe für eine Strategiekrise
Eine Strategiekrise kann verschiedene Gründe haben: Möglicherweise hat sich das Konsumverhalten verändert oder in der Vergangenheit gab es einen technologischen Fortschritt, dem das Unternehmen hinterherhinkt. Auch wenn die Qualifikation der Mitarbeiter nicht mehr auf dem neuesten Stand ist und die Qualität von Produkten oder Dienstleistungen schlechter wird, können das Gründe für eine beginnende Krise sein.
Betriebsinhaber sollten alle Unternehmensteile überprüfen, wenn sie nicht gewollte Veränderungen feststellen. "Erste Anzeichen sollte man ernst nehmen und schon in der frühen Phase schauen, was man ändern muss", rät Brzezinski.
Wege aus einer Strategiekrise
Eine Strategiekrise ist noch mit relativ einfachen Mitteln zu beheben. Betriebe sollten sich in einer solchen Phase auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und Produkte, die vom Markt nicht angenommen werden, abstoßen. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, den Standort zu verlegen oder Kooperationen mit anderen Unternehmen einzugehen.
Wichtig ist es, die Branche und Konkurrenten im Auge zu behalten und für die kommenden Jahre einen strategischen Plan zu entwickeln.
2. Erfolgskrise
Doch wenn Betriebsinhaber die ersten Anzeichen ignorieren und nichts unternehmen, führen die anfangs meist kleinen Probleme in die Erfolgskrise.
Hinweise für eine Erfolgskrise sind schon eindeutiger:
- Das Unternehmen verfehlt immer wieder seine angestrebten Ergebnisse.
- Der Absatz sinkt, die Produktion ist nicht voll ausgelastet.
- Obwohl die Liquidität des Unternehmens meist noch gesichert ist, sind die Ausgaben höher als die Einnahmen.
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Auch das Kundenverhalten liefert eindeutige Hinweise auf die Verfassung des Unternehmens:
- Einige Stammkunden wenden sich vom Betrieb ab oder lassen sich viel Zeit mit der Bezahlung.
- Viele Kunden beschweren sich über die Qualität der abgelieferten Arbeit.
- Die Bank interessiert sich plötzlich für die erwarteten Zahlungseingänge.
Bei den Mitarbeitern machen sich ebenfalls Veränderungen bemerkbar. "Wenn immer wieder gute Mitarbeiter den Betrieb verlassen, sollten Geschäftsführer ihre Strategie überdenken", sagt Brzezinski.
Wege aus einer Erfolgskrise:
Spätestens wenn die Abweichung von der Unternehmensplanung im zweistelligen Bereich liege, sollten sich Betriebsinhaber externe Hilfe von einem Betriebsberater holen. Mit ihm können die Gründe für die Veränderungen erforscht und Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Der Chef kann zudem die Angestellten ins Boot holen, um die Baustellen im Betrieb aufzudecken. " Gerade Mitarbeiter wissen oft, wo man etwas einsparen kann oder wo es noch Ressourcen gibt, die aufgebraucht werden können", sagt Brzezinski. Er rät jedoch dazu, erst ganz offen mit ihnen zu sprechen, wenn man eine ungefähre Strategie aus der Krise gefunden hat.
Indem Chefs den Mitarbeitern klarmachen, dass sie einen Plan für die kommenden Jahre haben, könnten sie verhindern, dass die Mitarbeiter kündigen .
3. Liquiditätskrise
Wer auch in dieser Phase nicht tätig wird, läuft Gefahr in eine Liquiditätskrise zu rutschen. Die zeigt sich unter anderem so:- Lieferanten liefern nur noch gegen Vorkasse
- mehr als Ein Viertel der Stammkunden geht verloren
- die Bank erhöht die Zinsen für laufende Kredite
- der Betrieb ist kaum noch ausgelastet
- Die Zahlungsunfähigkeit droht
Wichtig in einer solchen Phase ist es, offen mit Lieferanten und der Bank umzugehen .
Brzezinski warnt Inhaber aber davor, unnötig viel privates Geld in das Unternehmen zu stecken: "Das ist nicht in allen Phasen sinnvoll und notwendig, denn dann fehlt das Geld bei einer möglichen Sanierung."
Wege aus der Betriebskrise: Beratung bei Handwerkskammern und der KfW
Um gar nicht erst in eine solche Situation zu kommen, sollten Betriebsinhaber ihre Strategie und alle Unternehmensteile regelmäßig überprüfen. Wer sich schon bei den ersten Anzeichen externe Beratung holt, kann nichts falsch machen. Brzezinski: "Den Kopf in den Sand stecken ist tödlich."
Beratung bekommen Handwerksbetriebe bei den Handwerkskammern. Auch bei der KfW gibt es den sogenannten "Runden Tisch" für die Krisenberatung. Regionale Partner (meist Handwerkskammern) versuchen in einem ersten Gespräch Probleme des Unternehmens zu erkennen.
Falls nötig unterstützt die KfW die Beratung durch einen unabhängigen Unternehmensberater finanziell. Betroffene Betriebe müssen dafür einen Antrag beim Regionalpartner stellen. Der Berater sieht sich das Unternehmen über maximal zehn Tage an und erstellt eine Schwachstellen-Analyse sowie ein Maßnahmenpaket.
Bei der sogenannte "Turn Around Beratung" hilft ein Fachmann, die beschlossenen Maßnahmen in die Tat umzusetzen. Die KfW gewährt hierfür einen Zuschuss von 50 bis 75 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium hat zu dem Thema einen Leitfaden sowie Selbsttests für Betriebe entworfen.