Studie des BIBB Gute Hauptschüler: Ausbildungsbetriebe sind meist zufrieden

Häufig finden Hauptschüler nach ihrem Abschluss nicht gleich eine Lehrstelle. Doch eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung zeigt: Ausbildungsbetriebe sind mit ihren Lehrlingen mit Hauptschulabschluss überdurchschnittlich zufrieden. Die Politik muss die Betriebe nach Ansicht des BIBB dennoch mehr unterstützen.

Die meisten Betriebe sind mit ihren Auszubildenden mit Hauptschulabschluss zufrieden. - © Foto: auremar/Fotolia

Betriebe, die Auszubildende mit Hauptschulabschluss anstellen, sind meist überdurchschnittlich zufrieden mit ihnen – gemessen an ihren Erwartungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Vor allem mit das Auftreten, der äußere Eindruck und die Ausdrucksfähigkeit der Jugendlichen erfüllen zum Großteil die Erwartungen der Ausbilder, aber auch mit dem berufsbezogenen Vorwissen der neu eingestellten Lehrlinge sind die Betriebe zufrieden. Hier schneiden Hauptschulabsolventen sogar etwas besser ab als alle anderen Gruppen.

Der Studie zufolge erbringen Betriebe, die Jugendliche mit Hauptschulabschluss anstellen, während der Ausbildung aber auch ein vergleichsweise größeres Engagement: So nimmt die Förderung von Grundfertigkeiten und deutschen Sprachkenntnissen, Teamarbeit und der Einsatz von innerbetrieblichem Unterricht mit steigendem Anteil von Jugendlichen mit Hauptschulabschluss zu. Vor allem kleine und mittlere Betriebe fördern ihre Lehrlinge vermehrt abseits des Schulunterrichts.

Überproportional viele Hauptschulabsolventen im Handwerk

Rund 33 Prozent aller neuen Ausbildungsverträge werden mit Hauptschülern abgeschlossen - sie bilden nach den jungen Leuten mit Realschulabschluss die zweitgrößte Gruppe. Die Untersuchung zeigt, dass nur rund jeder dritte Ausbildungsbetrieb Hauptschulabsolventen ausbildet.

Im Handwerk liegt der Anteil der neueingestellten Auszubildenden mit Hauptschulabschluss im gewerblich-technischen Bereich dabei mit 38 Prozent überdurchschnittlich hoch. In Industrie und Handel liegt die Quote nur bei 24 Prozent. Damit bleiben laut BIBB Potenziale ungenutzt, um offene Ausbildungsstellen zu besetzen.

BIBB: Hauptschüler besser fördern

Es sei jedoch zentral für die Zukunft der dualen Berufsausbildung, dass sich Betriebe verstärkt um Jugendliche kümmern, die bislang weniger gute Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben, so BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. Dies gelte trotz einer steigenden Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze gerade für Jugendliche mit Hauptschulabschluss. "Diesem Mismatch auf dem Ausbildungsmarkt müssen wir stärker entgegenwirken", fordert Esser.

Trotz rückläufiger Schulabgängerzahlen und gleichzeitig steigendem Fachkräftebedarf der Wirtschaft findet eine große Zahl von Jugendlichen nach der Schule nicht unmittelbar eine vollqualifizierende Berufsausbildung. Insbesondere Jugendlichen mit Hauptschulabschluss gelingt dies häufig erst nach längerer Suche und Teilnahme an Übergangsmaßnahmen.

Um den Betrieben die Ausbildung von schlechter qualifizierten Jugendlichen zu erleichtern, sollte die Politik nach Ansicht des BIBB Unterstützung bieten, zum Beispiel durch ein externes Ausbildungsmanagement oder eine assistierte Ausbildung sowie die Einrichtung von Zusatzunterricht in der Berufsschule. Auch überbetrieblichen Berufsbildungsstätten böten Potenzial zur Verbesserung der Ausbildungschancen von Hauptschülerinnen und Hauptschülern. dhz