Einzelkämpfer sind out. Handwerksbetriebe brauchen erfolgreich arbeitende Teams. Denn effizientes Arbeiten erfordert den Einsatz aller. Um ein erfolgreiches Team zu sein, müssen die Mitglieder aber erst drei wichtige Phasen durchlaufen.
Ann-Christin Wimber

"Teams braucht man, um seinen Unternehmenszweck zu erfüllen", urteilt Dietmar Kindlein, Geschäftsführer der Wirtschaftsakademie GmbH, einer Tochtergesellschaft der Handwerkskammer Dresden. "Nur gemeinsam kann man einen Kundenauftrag erfüllen – von der Verwaltung über die Ausführung bis zum Vertrieb." Dabei bildet eine Gruppe nicht automatisch ein Team. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Altenglischen und bezeichnete eine Familie oder ein Gespann. Es ist also ein Begriff für eine Gruppe von mehreren Personen, die gemeinsam an der Lösung einer bestimmten Aufgabe oder der Erreichung eines bestimmten Zieles arbeiten.
Dass es in einer Gruppe Fachleute gibt, ist kein Hindernis. "Ein Fachmann ist wichtig in einem Team. Je vielfältiger die Aufgaben sind, desto eher braucht man Fach- und Sachkompetenz. Das kann man selten in Personalunion abwickeln – da wäre der Zeitaufwand zu groß. Es kommt auf die richtige Mischung zwischen Erfahrungsträgern und Nachwuchskräften an", sagt Kindlein. Wichtig bei der Teambildung ist jedoch, dass alle Mitglieder der Gruppe die gleichen Ziele verfolgen. Ein gutes Gespann bildet sich jedoch selten von alleine. Wer es schaffen möchte, sollte sich nach drei Phasen richten: Teambildung, Orientierung und Stabilisierung.
"Es gehört Fingerspitzengefühl dazu"
Im ersten Schritt muss ein Teamleiter vom Betriebsleiter bestimmt werden. Dieser muss in der Lage sein, Aufgaben zu koordinieren, die Teammitglieder zu beraten, Konflikte zu lösen und zu moderieren. Deswegen ist bei der Teambildung auf fachliche Qualifikationen der einzelnen Mitglieder zu achten sowie auf ihre Persönlichkeit und ihre Teamfähigkeit. "Es gehört Fingerspitzengefühl dazu", sagt der Experte aus Dresden.
Was die Größe einer Gruppe betrifft, so ist in der Fachliteratur zu lesen, dass sie groß genug sein sollte, um alle nötigen Fähigkeiten zu vereinen. Zeitgleich sollte sie klein genug sein, um eine problemlose Kommunikation der Mitglieder untereinander zu gewährleisten. Vereinfacht kann gesagt werden, dass ein Team aus mehr als elf Mitgliedern zu groß ist. Besprechungen arten dann aus, über den "kurzen Dienstweg" funktioniert nichts mehr, das Team droht in Untergruppen zu zerfallen.
Ein Team aus fünf oder weniger Mitgliedern hat dagegen ein geringeres Potenzial, Synergien zu nutzen und dadurch Spitzenleistungen zu erbringen. Hat sich ein Team gebildet, folgt die Orientierung. Sie wird als besonders kritische Phase angesehen. Wichtig ist hier, klare Ansagen darüber zu machen, wer die Verantwortung trägt und wer für welche Aufgaben zuständig ist. Auch der Handlungsspielraum der Mitglieder sollte vom Chef festgelegt werden.
"Der Teamleiter sollte bei Problemen die Befugnis haben, diese lösen zu dürfen", rät Kindlein. Das Team sollte eigenständig an den gesteckten Zielen arbeiten dürfen. Dabei sollte zwar der Leiter die Koordination und Organisation der Aufgaben übernehmen, den einzelnen Mitgliedern jedoch so viel Freiraum lassen, dass sie selbst zum Gelingen der Aufgabe beitragen. "Die Teilhabe ist wichtig", sagt Kindlein.
Wichtig: Feedback und Anerkennung
Sind Phase eins und zwei abgeschlossen, beginnt die eigentliche Arbeit. Die Gruppe muss sich festigen und in ihrem Bestehen aufrechterhalten werden. Dazu gehört Feedback und Anerkennung. "Man muss aber auch die berufliche Entwicklung im Auge behalten", meint der Experte. "Um den Einzelnen gegebenenfalls beruflich zu fördern, sind jährliche Personalgespräche wichtig." Dabei können Unternehmen natürlich auch auf die Unterstützung der Handwerkskammern zählen. Sind alle Ziele definiert und akzeptiert, sind die Aufgaben klar verteilt und die Kommunikation funktioniert, steht einer erfolgreichen Teamarbeit nichts mehr im Wege.
Das Resultat: eine loyale und effizient arbeitende Gruppe. Kindlein sieht noch einen weiteren Vorteil an einer funktionierenden Teamarbeit: "Dem Fachkräftemangel in der Handwerksbranche kann man dadurch wirkungsvoll entgegenwirken." In einem Team kann man die Fachkräfte, die man hat, universeller einsetzen und diese können ihr Wissen weitergeben. "Zudem kann ein besonders gutes Team es sogar schaffen, die Fachkraft im Unternehmen zu halten."