Start des Ausbildungsjahres Handwerk: Viele Lehrstellen bleiben leer

Kurz vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres verzeichnen die Lehrstellenbörsen der Kammern 24.000 offene Ausbildungsplätze, wie eine Umfrage der Deutschen Handwerks Zeitung ergab. Der Nachwuchsmangel wächst sich zum größten Problem des Handwerks aus.

Burkhard Riering

Mitarbeiter gesucht: Viele Betriebe finden inzwischen keine Fachkräfte mehr. - © Foto: public orange

Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres fehlen deutschlandweit noch zehntausende Lehrlinge. Eine Umfrage der Deutschen Handwerks Zeitung unter den 53 deutschen Handwerkskammern hat ergeben, dass allein in den Lehrstellenbörsen der Kammern gegenwärtig noch 24.000 offene Ausbildungsplätze gemeldet sind. Die Dunkelziffer ist weit höher, weil nicht alle Betriebe ihre Stellen melden. Bis Jahresende wird sich die Zahl aber noch verringern. Im vorigen Ausbildungsjahr blieben letztlich rund 14.000 Lehrstellen unbesetzt.

Lage in?Ostdeutschland dramatisch

Früher fehlten Ausbildungsplätze, heute fehlen Auszubildende. Während die Ausbildungsbereitschaft des Handwerks gestiegen ist, schrumpft die Zahl der Schulabgänger. Auch der Drang zum Hochschulstudium junger Menschen ist dafür verantwortlich, dass immer mehr Lehrstellen offenbleiben.

In Ostdeutschland ist die Lage geradezu dramatisch. Hier halbierte sich die Zahl der Schulabgänger binnen zehn Jahren. Mehr als 1.000 offene Ausbildungsplätze in fast 100 Berufen stehen derzeit auf der Online-Jugendseite des sächsischen Handwerks.

Doch auch die Handwerker im Südwesten machen sich Sorgen um den Nachwuchs. "Für das neue Ausbildungsjahr gibt es noch 3.300 offene Lehrstellen in Baden-Württemberg", sagt Landes-Handwerkspräsident Joachim Möhrle. Er rechnet damit, dass sie großteils unbesetzt bleiben. Im Vorjahr waren 1.500 Lehrstellen nicht besetzt worden. "Wir werden in Zukunft immer ein Überangebot haben", glaubt Möhrle.

"Schwierigkeiten werden zunehmen"

In Bayern ist die Lage ähnlich. Bayerns Handwerkspräsident Heinrich Traublinger: "Für das Gesamtjahr 2013 werden wir uns wohl erneut auf einen Rückgang bei den Neuabschlüssen einstellen müssen. Es wird für unsere Betriebe immer schwerer, geeignete Kandidaten für eine Lehrstelle zu finden." 2012 konnten 31 Prozent der Lehrstellen im bayerischen Handwerk nicht besetzt werden. "Im laufenden Ausbildungsjahr dürften die Schwierigkeiten eher noch zunehmen."

Junge Menschen fürs Handwerk gewinnen

Das Handwerk arbeitet dagegen an. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks setzt darauf, dass die Gleichwertigkeit von Meisterbrief und Bachelor diesen Trend zumindest mittelfristig aufbrechen kann. Kurzfristig hofft man, dass mehr Abiturienten und Studien-Abbrecher ins Handwerk wechseln. Am meisten gesucht werden nach Recherchen der Deutschen Handwerks Zeitung zurzeit Elektroniker, Anlagenmechaniker, Kfz-Mechatroniker, Bäcker, Tischler und Friseure.