Eine aktuelle Studie zeigt: Fachkräfteengpässe gibt es in vielen Bereichen, doch das Handwerk hat besonders damit zu kämpfen. Meister und Gesellen werden dringender gesucht als Akademiker – und der Bedarf wird weiter steigen.
Mirabell Schmidt
Die ganze Republik spricht derzeit darüber, viele Handwerker spüren ihn bereits: den Fachkräftemangel. Eine neue Studie des Instituts für Wirtschaft Köln zeigt, in welchen Berufen im Dezember 2012 tatsächlich Engpässe vorlagen. Das Ergebnis: 111 Berufe aller Qualifikationsstufen sind betroffen. Das Handwerk leidet darunter besonders: Sechs der zehn Berufe, die am stärksten von den Engpässen betroffen sind, und insgesamt 72 der Engpassberufe sind aus dem Handwerk.
Vor allem im technischen Bereich herrscht ein Mangel an Arbeitskräften. Die meistgesuchten Handwerker sind Fachkräfte in der Kältetechnik. Auf 100 gemeldete Stellen kamen hier nur 32 Arbeitslose. Doch auch in den Bereichen Bauelektrik, Mechatronik oder elektrische Betriebstechnik fehlen Fachkräfte. Für rund 52 Prozent der Engpassberufe ist eine abgeschlossene Berufsausbildung nötig. Und nicht nur Gesellen werden gesucht: Für 29 der 111 Engpassberufe ist ein Fortbildungsabschluss wie der Techniker oder Meister nötig. Nur für 24 der Berufe ist ein abgeschlossenes Studium Voraussetzung.
Deutschland braucht mehr Gesellen und Meister
Das Ergebnis der Studie widerspricht also dem, was die OECD seit Jahren von Deutschland fordert: Nicht mehr Akademiker, sondern mehr Gesellen und Meister braucht das Land. "Die OECD verkennt, dass wir in Deutschland das duale System haben und einen Großteil unserer Fachkräfte aus dem Berufsausbildungssystem ziehen. Mehr Akademiker auszubilden, wäre viel zu einseitig", sagt Dr. Susanne Seyda, eine der Autorinnen der Studie.
Und es ist in den kommenden Jahren nicht zu erwarten, dass sich die Lage von selbst bessern wird. Denn es kommen immer weniger Arbeitskräfte nach. Gleichzeitig gaben 32 Prozent der bei einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi-Qualifizierungsmonitor) befragten Unternehmen an, dass ihr Bedarf an Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung steigen wird.
Seyda: Betriebe sollten mit langfristiger Personalplanung beginnen
Dass vor allem das Handwerk Engpässe hat, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass kleine und mittlere Unternehmen schlicht mehr Mitarbeiter mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung beschäftigen. Gerade kleine Betriebe trifft das, da sie weniger finanzielle Mittel aufbringen können, um Personal anzuwerben.
"Das bedeutet kurzfristig mehr Arbeit für die Mitarbeiter. Geht die Entwicklung aber so weiter, führt das dazu, dass Betriebe Aufträge ablehnen müssen und Innovationsprobleme entstehen", erläutert Seyda. Für den internationalen Wettbewerb ergebe sich dadurch natürlich ein Nachteil.
Doch Seyda sieht nicht nur die Politik in der Pflicht, tätig zu werden. "Aus Mitarbeitern entstehen private Erträge, daher müssen auch private Unternehmen etwas dafür tun, damit die Mitarbeiter bei ihnen bleiben." Es sei es an den Unternehmen aus dem Handwerk, mit einer langfristigen Personalplanung zu beginnen.