Eures So kämpft Europa gegen die Jugendarbeitslosigkeit

Damit in den Krisenländern wieder mehr Ausbildungsplätze entstehen, sollen kleine und mittlere Betriebe gefördert werden. Deutschland setzt dagegen auf mehr Austausch zwischen den Ländern. Ein Online-Portal vermittelt europaweit Arbeitsstellen.

Die Jugendarbeitslosigkeit in den EU-Krisenländern ist hoch. Viele sprechen schon von der "verlorenen Generation". Neues Wirtschaftswachstum soll angestoßen werden, damit mehr Betriebe ausbilden. - © Foto: Gina Sanders/Fotolia

Der europäische Arbeitsmarkt steht vor einem Problem: Sechs Millionen Jugendliche sind arbeitslos und gleichzeitig droht in einigen Ländern der Fachkräftemangel immer dramatischer zu werden. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit werden in Deutschland bis 2030 etwa 5,2 Millionen Fachkräfte fehlen.

Um diese Differenzen auszuräumen, soll der Arbeitsmarkt europäischer werden: mehr Austausch, mehr Mobilität und einheitliche Standards bei den Qualifikationen. Doch gleichzeitig braucht es neues Wachstum, damit sich die Wirtschaft in allen EU-Ländern wieder langfristig stabilisiert und nicht zu viele Fachkräfte aus den Krisenstaaten abwandern.

60 Milliarden Euro für Fachkräfte

Bei einem Treffen der Wirtschafts- und Finanzminister aus Frankreich und Deutschland haben diese eine gemeinsame Initiative gegen die Probleme vorgestellt. So sollen kleine und mittlere Betriebe über die Europäische Investitionsbank (EIB) zinsbegünstigte Kredite bekommen, die Einführung der dualen Berufsausbildung soll gefördert werden und diejenigen, die bereit sind, in einem anderen Land zu arbeiten, sollen Zuschüsse erhalten.

Insgesamt sollen Unternehmen bis 2020 rund 60 Milliarden Euro für Ausbildung und neue Anstellungen bereitgestellt werden. Damit würde die EIB bedeutend mehr Geld für diese Zwecke zur Verfügung stellen als bislang geplant. Denn im Februar haben die europäischen Regierungschefs bereits eine Garantie für alle Jugendlichen unter 25 Jahren beschlossen. Ihnen soll spätestens vier Monate nach Beginn der Arbeitslosigkeit ein Arbeitsplatz, ein Praktikum oder eine Ausbildungsstelle garantiert werden können. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, sollten dafür sechs Milliarden Euro bereitstehen.

Dieser Vorstoß folgt direkt auf die Bekanntgabe des neuen Förderprogramms MobiPro-EU. Erst in der vergangenen Woche war Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen nach Spanien gereist, um dort Vereinbarungen zu einer besseren Zusammenarbeit auf dem Ausbildungsmarkt zu treffen. Mit der Übernahme von Kosten und einer höheren Ausbildungsvergütung als für deutsche Lehrlinge soll jungen Menschen ab 18 Jahren damit eine Ausbildung in der Bundesrepublik schmackhaft gemacht werden .

Mehr Austausch auf dem Arbeitsmarkt

Die Maßnahmen für bessere Bedingungen für kleine und mittelere Betriebe sind dagegen noch nicht endgültig beschlossen. Erst Ende Juni werden die europäischen Regierungen in Brüssel darüber befinden. Laut FAZ sollen die Arbeits- und Sozialminister in Berlin zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident François Hollande den Plan am 3. Juli beschließen.

Für Deutschland steht vor allem der europaweite Austausch der Arbeitskräfte stark im Fokus. Von der Leyen betonte beim Treffen in Paris, dass es allein in Deutschland 31.000 freie Lehrstellen gebe. Diese zu besetzen, könnte auch gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in den Krisenländern helfen.

Derartige Austauschmöglichkeiten zu schaffen, ermöglicht auch das Online-Portal Eures der Europäischen Kommission. Hier können Betriebe ihre freien Stellen europaweit ausschreiben und sich Stellengesuche inklusive der Lebensläufe der Bewerber anschauen. Zudem gibt es ausführliche Informationen zu den Arbeitsvorschriften und Besonderheiten der einzelnen europäischen Länder. jtw

Mehr zu Eures gibt es unter ec.europa.eu/eures.