"Die OECD muss endlich aufhören, die Bildung in und mit der Praxis in Deutschland abzuqualifizieren", erklärte BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser auf dem "Röpke-Symposium" des "Kompetenzzentrums Soziale Marktwirtschaft" der Handwerkskammer Düsseldorf in Kooperation mit dem BIBB.
Kinder von Akademiker-Eltern, die einen Handwerksberuf erlernen, als Bildungsabsteiger zu kategorisieren, sei diskriminierend und zeuge von einer inakzeptablen Voreingenommenheit gegenüber der Erziehungs- und Bildungsbedeutsamkeit der beruflichen Bildung. Im Unterschied zum allgemeinbildenden Bereich richte sich laut Esser die berufliche Bildung in besonderer Weise auf die Verbindung von Wissen und Praxis. "Daraus bezieht sie ihre Stärke, die zunehmend auch als solche gesehen und anerkannt werden muss", betonte der BIBB-Präsident.
Bildungspolitischer Durchbruch
Gewisse Besserungstendenzen konstatierte Handwerkspräsident Otto Kentzler. Das jüngste OECD-Gutachten "Bildung auf einen Blick" transportiere erstmals die Einschätzung, dass die meisten hochwertig Berufsqualifizierten in Deutschland keine weitere akademische Qualifizierung wünschten und benötigten. Im Gegenteil: "Ein Teilnehmerrückgang im Bereich der beruflichen Fortbildung wird sich negativ auf das Wirtschaftswachstum in Deutschland auswirken", zitierte Kentzler.
Kentzler und Esser verwiesen auf den Deutschen Qualifikationsrahmen. Dort sei mit der Verankerung von Meistern und Technikern mit dem Bachelor auf der Niveaustufe 6 des achtstufigen Qualifikationsrahmens ein "bildungspolitischer Durchbruch" gelungen. Der Erwerb beruflicher Handlungskompetenz habe erstmals gebührende Anerkennung als Bildungsziel erfahren. rub
