Leonische Drahtzieher? Flitterschläger? Posamentierer? Viele Handwerke sind untergegangen, die einst wichtig und selbstverständlich waren. Ihre Bedeutung zeigt jetzt die Ausstellung "Zünftig! Geheimnisvolles Handwer 1500 - 1800" im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.
Christian Muggenthaler

Bis zur Industrialisierung waren die Handwerker die Erzeuger oder Veredler alles Kaufbaren und Habhaften, vielschichtig war ihr Tun. In fast allen Gegenden und vor allem in den Freien Städten des Alten Reichs versammelten sich die Meister und manchmal auch die Gesellen, um sich auszutauschen und die Spielregeln ihres Gewerbes zu regeln.
Zünfte, Gilden, Gaffeln, Innungen: In einer nach Ständen gegliederten Gesellschaft musste man sich zusammentun, um überhaupt wahrgenommen zu werden und zu seinem Recht zu kommen. Individualität war noch nicht in Mode. Dass nebenbei die Meister eines Orts dann auch auf die Exklusivität ihres Metiers pochten, darauf achteten, dass die Konkurrenz überschaubar und ebenfalls zünftig blieb und möglichst keine "Bönhasen", also Schwarzarbeiter, tätig waren, ergibt sich aus dem Blick auf die Gewinnspanne. Industrialisierung und freie Marktwirtschaft haben der Zunftordnung im 19. Jahrhundert dann den Garaus gemacht.
Eine Welt, die anders funktionierte als die heutige
Wie aber jahrhundertelang die Wirklichkeit des Handwerkens tatsächlich ausschaute, wie dort durchaus dynamische Prozesse im Gange waren, ist jetzt unter dem Titel "Zünftig! Geheimnisvolles Handwerk 1500–1800" in einer Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg zu sehen. Mit Hilfe von 260 Objekten von der Zunftlade über Bahrtücher bis zum Wurstbügel entsteht in fünf thematisch untergliederten Schauräumen das Bild einer einstigen Produzentenwelt, die anders funktionierte als die heutige. Als Zahnräder im Gewerk der Städte spielte sie eine mehr oder minder wichtige Rolle für das Funktionieren nicht nur des wirtschaftlichen, sondern auch des sozialen und organisatorischen Getriebes.
Die Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ist noch bis 7. Juli 2013 zu sehen. Mehr Informationen unter gnm.de .