Vor zehn Jahren war Stefan Michaelis der erste, der im historischen Glasmacherdorf Schmidsfelden wieder Glas gemacht hat. Beim traditionellen Markttreiben am 11. und 12. Mai 2013 können ihm die Besucher über die Schulter schauen.
Daniela Lorenz

Hellgelb bis orangerot glühend ist der Klumpen, den Stefan Michaelis vorsichtig aus dem Feuer holt. Bei 1.200 Grad formt er das heiße Material, bis es zu erkennen ist: Glas. Im Glasmacherdorf Schmidsfelden war Stefan Michaelis 2003 der Erste, der nach über 100 Jahren das alte Handwerk wieder ausübte. Seitdem wurde das unter Denkmal- und Ensembl eschutz stehende Dorf im Allgäu bei Leutkirch neu belebt. Neben Stefan Michaelis und seiner Familie leben wieder viele Familien und Kinder hier, insg esamt 33 Personen.
Stefan Michaelis ist aber nicht nur Glasmacher und Pächter in der Glashütte mit Laden und Museum, er ist Mitglied im Ortschaftsrat und Stadtrat. 200 Busse kommen in der Saison zwischen Ostern und Oktober. Es werden Museumsführungen und Glasmachervorführungen angeboten sowie Drei-Tag es-Kurse im Glasmachen. Am 11. und 12. Mai 2013 findet das Markttreiben statt, im Herbst feiert man in Schmidsfelden das Glashüttenf est.
Während das Museum und der Glasladen das ganze Jahr geöffnet sind, wird in der großen Halle am Schmelzofen nur während der Saison gearbeitet. Dann finden auch die Glasmachervorführungen statt, bei denen das Handwerk Schritt für Schritt erklärt wird. "Wir versuchen zu vermitteln, wie die Herausforderungen für das Handwerk vor dreihundert Jahren waren und dass es heute – abg esehen von der Technik – noch die gleichen sind."
Wie kommt die Farbe ins Glas?
Die inter essierten B esucher erfahren auch, wie die Farbe ins Glas kommt: In der Regel sind Mineralien und Metall-oxide das Färbemittel. "B est es Beispiel ist das alte Waldglas, es ist grün, weil im Quarz Eisenoxid enthalten ist. Eisen-oxid färbt das Glas grün. Früher konnte man di esen Grünstich nicht entfernen", erläutert Stefan Michaelis. Mittlerweile nimmt man Sande, die so wenig wie möglich Eisenoxid enthalten. In Schmidsfelden werden Scherben g eschmolzen, es wird also Glas recycelt. "Ich werfe ein bisschen Kobaltoxid in die Schmelze und habe blau es Glas. Wir verwenden zum Färben bereits eingefärbt es Granulat oder Glasmehl."
Und auch wenn keine Vorführungen stattfinden: "B esucher sind immer willkommen und können mir über die Schulter schauen", sagt der Glasmacher, der mit seinen Mitarbeitern Beate Wirth und Franz Köck produziert.
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DHZ 8 Schmidsfelden GlashütteSeit dem 17. Jahrhundert siedelten sich im Allgäu viele Glasmacher an und gründeten Dörder, Schmidsfelden wurde 1825 gegründet. Der Grund: Hier gab das in Fülle, was man zum Glasmachen brauchte: Wald und Quarz. Holz wurde zum Heizen der Öfen und zur Herstellung d es Flussmittels Pottasche benötigt. Mit einfachem Holzfeuer ist die Schmelzgrenze d es Quarz es von 1.700 Grad jedoch nicht zu erreichen. Mit Hilfe d es Flussmittels Pottasche konnte die Schmelztemperatur g esenkt werden.
"Die Herstellung der Pottasche war aber sehr aufwendig. Man musste etwa ein Kubikmeter Holz verheizen, um so viel Pottasche zu bekommen, die man in etwa für die Herstellung ein es Bechers braucht, der 300 Gramm wiegt." 1898 wurde der Glashüttenbetrieb in Schmidsfelden eing estellt.
"Es war die richtige Entscheidung"
Es dauerte bis 2003, als Stefan Michaelis über einen Freund hörte, dass das Glasmacherdorf Schmidsfelden wieder aufgebaut werden soll. Nach der Ausbildung zum Glasapparatebauer in Hadamar war Stefan Michaelis 1991 nach England gegangen und hatte "Dreidimensional es D esign für Glas" in Farnham, südw estlich von London, studiert. Nach drei Jahren Studium und einem eigenen Atelier in London zog es den gebürtigen Rheinh essen nach Edinburgh.
Als das Angebot kam, dachte Michaelis über neue berufliche Perspektiven nach: "Damals hatte ich verschiedene Projekte zur Auswahl. Ich habe mich dann für Schmidsfelden entschieden und das war die richtige Entscheidung."
Derzeit sucht der 49-Jährige nach neuen Möglichkeiten, in den Wintermonaten außerhalb der Saison zu produzieren. Mit dem jetzt g estarteten Web-Shop und neuen Vermarktungsstrategien will er die wirtschaftliche Basis der Glashütte weiter f estigen. Dazu will er auch Personal aufbauen, sucht noch einen Glasmacher, damit die Zukunft von Schmidsfelden zwar mit, aber nicht auf Glas gebaut ist.
Mehr Informationen zum Glasmacherdorf Schmidsfelden unter schmidsfelden.net .
