Kampf gegen Kriminalität Der 500-Euro-Schein: Das schwarze Schaf

Man kennt ihn, aber eigentlich auch nicht. In Spanien nennt man ihn aus diesem Grund auch: "Bin Laden". Neben diesem Titel haftet dem 500-Euro-Schein auch der Ruf des Kriminellen an. Deshalb der Appell von Transparency International und des Bundes der Steuerzahler an die Europäische Zentralbank: Die Abschaffung der Banknote.

500-Euro-Scheine haben keinen guten Ruf. Sie stehen für Kriminalität und organisiertes Verbrechen. Mehrere Institutionen fordern deshalb die Abschaffung der Banknote. - © Foto: ProMotion/fotolia

Nach Angaben der EZB sind derzeit fast 600 Millionen 500-Euro-Noten im Umlauf. Ihr Wert von 288 Milliarden Euro entspricht ungefähr einem Drittel des Gesamtwerts aller umlaufenden Euro-Noten. Gerade in Krisenzeiten werden mehr hochwertige Scheine nachgefragt.

Das Hauptproblem, das der Schein mit sich bringt, ist die organisierte Kriminalität. "Der Schein erleichtert Geldwäsche, Korruption und Steuerhinterziehung", sagt der Deutschland-Geschäftsführer der Antikorruptionsorganisation Transparency International, Christian Humborg. Er gehöre abgeschafft.

Auch Rainer Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, hält das Aus der wertvollen Banknote für sinnvoll. "Mit der Abschaffung wird es schwerer, Schwarzgeld ins Ausland zu bringen."

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Zahlungsmittel von Geldwäschern

Die Deutsche Bundesbank geht davon aus, dass zwischen 10 und 30 Prozent des von ihr ausgegeben Bargelds gehortet werden. "Dafür eignen sich 500-Euro-Banknoten natürlich besser als kleine Stückelungen", sagt der Zentralbereichsleiter Bargeld, Helmut Rittgen.

Ein weiteres Argument für die Abschaffung des Scheins bringt der Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel. Er appelliert an die EZB: "Das würde die Steuerkriminalität bekämpfen. Der Schein sei das bevorzugte Zahlungsmittel von Geldwäschern und Banden. Vermutlich würden einzelne Scheine kriminelle Kreise nie verlassen: Schließlich erzeugen 500er an der Ladenkasse Misstrauen, oft werden sie gar nicht angenommen."

Abschaffung des 500-Euro-Scheins hätte Symbolcharakter

Auf Unverständnis stoßen 500-Euro-Noten aber nicht erst seit gestern. Seit der Einführung des Euros 2002 sind die Scheine umstritten. Hickel glaubt zwar nicht, dass das Ende des 500ers in Europa auch das Ende der Geldwäsche bedeuten würde. "Aber es hätte einen hohen symbolischen Wert", betont der Wirtschaftsprofessor. "Dann müssten die Kriminellen die Noten verfallen lassen", sagt Hickel weiter.

Die EZB hingegen reagiert gelassen auf die Forderungen. Ein Sprecher der Notenbank betont, dass das Thema momentan nicht auf der Agenda stehe und verweist gleichzeitig auf die neuen 5-Euro-Scheine, die ab Mai in Umlauf gehen sollen. In den kommenden Jahren sollen die Banknoten schrittweise überarbeitet werden. Auch der 500-Euro-Schein. dhz/dpa