Interview mit Lutz Diederichs "Vertrauen zurückgewinnen"

Die Bankenbranche hat durch die Finanzkrise viel Vertrauen der Kunden verloren und kämpft nun darum, ihr Image wieder aufzupolieren. HypoVereinsbank-Vorstand Lutz Diederichs erklärt im DHZ-Interview, wie sich die Banken neu aufstellen. Ein Gespräch über Bankenkrise, Kreditflaute im Mittelstand und den Trend zur Video-Beratung.

Burkhard Riering

Lutz Diederichs, Jahrgang 1962, ist Vorstandsmitglied der HypoVereinsbank in München. - © Foto: Sebastian Arlt

DHZ: Pleiten, Boni-Exzesse, Casino-Mentalität – das Image der Banken hat in der Finanzkrise arg gelitten. In einer GfK-Umfrage rangiert der Sektor ganz unten. Herr Diederichs, kann man Banken noch trauen?

Diederichs: Einige Banken haben in den vergangenen Jahren viel dafür getan, Vertrauen zu zerstören. Darunter leidet nun die ganze Branche. Jetzt ist es unsere gemeinsame Aufgabe, dieses Vertrauen wieder aufzubauen. Das geht aber nicht durch Ankündigungen, das geht nur durch Taten. Im täglichen Tun haben wir die Chance, Vertrauen zurückzugewinnen.

DHZ: Wie wirkt sich die Vertrauenskrise im Alltag auf Kundenseite aus?

Diederichs: Das Vertrauen der Kunden in ihre eigene Bank ist an sich intakt. Dies gilt auch für die Hypo-Vereinsbank. Grundsätzlich konzentrieren sich die Unternehmen wieder auf die Fähigkeiten der Hausbank. Vor der Finanzkrise, vor 2007, haben Kunden mal hier, mal dort mit einer Bank zusammengearbeitet. Heute steht die Kreditfähigkeit einer Bank in Verknüpfung mit anderen Geschäften wieder im Fokus. Eine Bank, die ihre Kunden nicht mit Krediten versorgt, hat auch keinen Anspruch darauf, zusätzliches nicht-risikoreiches Geschäft zu bekommen. Bei mittelständischen Unternehmern wird das übrigens auch selten infrage gestellt.

"Firmen tätigen wenig langfristige Investitionen"

DHZ: Die HypoVereinsbank als typische Hausbank. In welcher Phase hin zu diesem Ziel sehen Sie sich da?

Diederichs: Mit einem aktuell ausgereichten Kreditvolumen von 60 Milliarden Euro sind wir der zweitgrößte Kreditgeber des Mittelstands in Deutschland. Immer mehr Kunden vertiefen ihr Geschäft mit uns.

DHZ: Mit welcher Tendenz?

Diederichs: Das Volumen ist von 2011 auf 2012 konstant geblieben – wegen der zuletzt sehr schwachen Kreditnachfrage im Markt. Die Investitionsneigung der Unternehmen ist seit etlichen Monaten sehr zurückhaltend. Derzeit werden nur wenige langfristige Investitionen getätigt, weil die Firmen nicht wissen, wie sich die Wirtschaft entwickeln wird.

DHZ: Wie entwickelt sich der Mittelstandssektor im laufenden Jahr?

Diederichs: Wir rechnen mit einer leicht steigenden Kreditnachfrage. Für 2013 planen wir für unser Haus mit einem Wachstum des Kreditneugeschäfts im Mittelstand von drei Prozent. Damit wollen wir insgesamt stärker als der Markt zulegen. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht eine Bank Eigenkapital. Wir als HypoVereinsbank sind die am stärksten kapitalisierte Bank Deutschlands mit 24 Milliarden Euro Eigenkapital. Sobald die Wirtschaft wieder verstärkt Kredite nachfragt, stehen wir mit fünf zusätzlichen Milliarden Euro als Finanzierungspartner zur Verfügung.

"Handwerker setzen auf Hausbanken"

DHZ: Sie positionieren sich als Mittelstandsbank. Das tun viele andere auch.

Diederichs: Wir sind seit über 170 Jahren Partner des Mittelstands. Um das noch deutlicher zu zeigen, sind wir seit Jahresbeginn mit unserer „Unternehmer Bank“ im Markt präsent. Aus dieser Einheit bedienen wir alle Unternehmen von der Ein-Mann-AG bis zum Milliarden-Mittelständler. Und zwar sowohl privat als auch unternehmerisch. Unsere Erfahrung ist, dass der Unternehmer einen Ansprechpartner für alle finanziellen Belange haben will.

Seite 2: Welche Vorteile die Video-Beratung auch kleinen Firmen bieten kann.>>>

DHZ: Was ist das Konzept dahinter?

Diederichs: Obwohl wir mehr als 400.000 Mittelstandsunternehmen als Kunden haben, definieren wir uns nicht über die Größe unseres Kundenstamms. Unsere Strategie zielt darauf ab, Kunden zu haben und zu gewinnen, die mit uns eine Kernbank-Beziehung eingehen wollen. Auch viele Handwerker konzentrieren sich inzwischen auf zwei bis drei Hausbanken. Ich bin mir sicher, dass unsere Aufstellung dafür genau richtig ist: Wir sind genauso regional wie regionale Banken, sind gleichzeitig aber internationaler und verfügen gleichzeitig als Teil der UniCredit-Gruppe über alle für den Kunden notwendigen Dienstleitungen einer Investmentbank.

DHZ: Und wie wollen Sie gegenüber anderen Banken Marktanteile gewinnen?

Diederichs: Viele Wettbewerber können künftig weniger Kredite zur Verfügung stellen, weil sie ihre Bilanzen wegen der neuen regulatorischen Vorschriften schrumpfen müssen. Deshalb liegt für uns in diesem Markt ein großes Potenzial. Zurzeit haben wir einen Marktanteil von sechs bis sieben Prozent und sind damit die Nummer zwei. Diese Position wollen wir weiter ausbauen.

"Filialen sind für den Unternehmer nicht das Nonplusultra"

DHZ: Sie sagen, die HypoVereinsbank sei so regional wie regionale Banken, aber Sie haben viel weniger Filialen als andere.

Diederichs: Wir sind in Deutschland regional präsent, aber Filialen sind für den Unternehmer nicht das Nonplusultra. Der größte Teil der Beratung findet in der Regel beim Unternehmen vor Ort statt. Darüber hinaus haben wir seit Oktober 2012 großen Erfolg mit unserem neuen Kommunikationskanal "Business
Easy" der derzeit innovativste Vertriebsweg im deutschen Markt. Von unseren über 400.000 Kunden nutzen bereits rund 150.000 diese Plattform, die Video-Beratung mit festen Ansprechpartnern garantiert.

DHZ: Haben Unternehmer da keine Hemmschwelle?

Diederichs: Unsere Erfahrung ist: Wenn ein Kunde das einmal kennengelernt hat, will er nichts anderes mehr. Aber natürlich sind es derzeit noch die jüngeren und innovativeren Kunden, die mit den neuen Medien vertraut sind und Zeit sparen wollen.