Ehrenamtlich engagierte Augenoptikermeisterin Brillen für Burundi

Augenoptikermeisterin Anne Ziser aus Eggenstein bei Karlsruhe versorgt Menschen in Afrika mit Sehhilfen. Einmal im Jahr fliegt sie auf eigene Kosten und mit einem Koffer voller gespendeter Brillen nach Burundi. Das ehrenamtliche Engagement ist für sie eine Herzensangelegenheit.

Daniela Lorenz

Bis zu 60 Sehtests am Tag: Dass Augenoptikermeisterin Anne Ziser im Land ist, spricht sich schnell unter der Bevölkerung herum. - © Foto: Philipp Ziser

"Oh Gott, da steht ja ein Haus." Die ältere Frau ist verblüfft. Sie trägt zum ersten Mal eine Brille mit minus vier Dioptrien. Menschen wie sie sind der Grund, warum Anne Ziser nun schon zum fünften Mal nach Burundi gereist ist – im Gepäck mehrere hundert ausrangierte und gespendete Brillen: "Dass sie plötzlich scharf sehen konnte, hat ihr Leben verändert."

Die Augenoptikermeisterin aus dem badischen Eggenstein führt in Afrika Augenprüfungen durch und sucht aus ihrem Fundus eine möglichst passende Brille heraus. Durch die Lebensumstände in Burundi wären viele Menschen bereits mit Mitte 30 auf eine Lesebrille angewiesen. "Die Menschen arbeiten in ihren Häusern bis spät in die Nacht bei wenig oder gar keinem Licht. Hinzu kommt der schädliche Rauch der Gaslämpchen, mit denen sie sich Licht machen, und der Feuer, auf denen gekocht wird. Die starke Äquatorsonne tut ihr Übriges. Viele haben auch schwere Bindehautentzündungen, ihnen kann ich meist schon mit einer Sonnenbrille helfen", sagt Anne Ziser.

"Die Leute werden nicht weniger, sondern mehr"

Wenn Anne Ziser nach Burundi fliegt, schließt sie ihr Geschäft für diese Woche. Den Verdienstausfall und alle Kosten für die Reise trägt sie selbst. Das ehrenamtliche Engagement ist für sie eine Herzensangelegenheit: "Es ist wunderbar zu sehen, dass die Menschen glücklich und zufrieden sind." Da wundert es nicht, dass sich ihr Kommen jedes Mal wie ein Buschfeuer herumspricht. "Die Leute werden nicht weniger, sondern mehr."

Einmal war sie für neun Uhr angekündigt, aber bereits ab sechs Uhr standen die Menschen Schlange. Bis zu 60 Sehtests schafft sie am Tag und auch wenn sie dann immer noch nicht alle Wartenden versorgt hat, ist sie sich sicher, dass ihr Engagement kein Tropfen auf den heißen Stein ist. "Ich bekomme durch Blicke, Gesten und gute Wünsche so viel zurück, das ist unbeschreiblich."

Dabei, bedauert sie, dürfe sie ja keine Kinder betreuen. Dafür müsste sie zusammen mit einem Augenarzt nach Burundi reisen. Offen gibt sie zu, dass es ihr zu Beginn schwerfiel, die Eindrücke zu verarbeiten: "Man setzt sich neun Stunden ins Flugzeug und ist in einer anderen Welt, wo die Menschen nichts haben. Das hat mich nach meiner ersten Reise sehr mitgenommen." Doch sie kam zurück und viele positive Begegnungen gaben ihr die Kraft weiterzumachen. "Die Menschen sind so dankbar für die Möglichkeit, eine Brille zu bekommen, die sie niemals bezahlen könnten."

Seite 2: Was Menschen in Burundi für eine Sehhilfe in Kauf nehmen >>>

Das wenige Geld, das die Familien haben, benötigen sie, um sich zu ernähren. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes beträgt das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt in Burundi umgerechnet rund 220 Euro im Jahr. Zum Vergleich: In Deutschland sind es rund 31.416 Euro (Stand 2011). "Es ist schön, dass es wieder aufwärtsgeht."

Einmal im Jahr fliegt Anne Ziser in den ostafrikanischen Staat Burundi. - © Foto: Philipp Ziser
Anne Ziser

Da sich viele Menschen in Burundi keine Brille leisten können, würden manche auch kleine Abweichungen und dadurch Kopfschmerzen und Schwindel in Kauf nehmen. "Leider kann eine Brille nicht immer hundertprozentig passen. Das geht gar nicht, weil ich ja nur aus den gespendeten Brillen schöpfen kann, die ich vor Ort dabei habe. Aber ich bemühe mich immer, die Brille herauszusuchen, die am wenigsten vom Wert abweicht", sagt die 62-Jährige.

Eine bessere Zukunft für die Kinder

Auf die Situation in Burundi wurde Anne Ziser durch ihren Sohn Philipp aufmerksam, der dort ein freiwilliges soziales Jahr absolvierte. Aus einem Jahr wurden inzwischen sechs. Philipp Ziser arbeitet für "burundikids". Der Verein wurde von der deutschen Architektin Martina Wziontek 2003 ins Leben gerufen. Kurz zuvor hatte sie auf einer Reise nach Burundi die Armut des Landes mit eigenen Augen gesehen. Als sie die Deutsche Verena Stamm kennenlernt, die seit über 40 Jahren in Burundi lebt und zwei Kinderheime aufgebaut hat, beschließt sie zu handeln. Seitdem arbeiten die beiden Organisationen eng zusammen.

Eines der Projekte besuchte jetzt auch Anne Ziser auf ihrer Reise. Im Ausbildungszentrum "Twubake Kazoza Keza" in Gitega werden junge Menschen handwerklich ausgebildet – etwa als Schreiner oder Elektriker. "Es ist schön zu sehen, dass es im Land langsam wieder aufwärtsgeht", freut sich Anne Ziser. Sie will nächstes Jahr wiederkommen – mit einem großen Koffer voller Brillen für Burundi.

burundikids

burundikids e.V. ist ein gemeinnütziger, konfessionell und politisch unabhängiger Verein mit dem Ziel, Kindern in Burundi die Chance auf eine lebenswerte Zukunft zu geben. burundikids e.V. freut sich über Spenden unter GLS Bank, BLZ 430 609 67, Konto-Nr. 4045948100. Mehr Informationen unter burundikids.org .