Zypern-Hilfen Deutsche Sparer müssen sich nicht sorgen

Das Rettungspaket für Zypern sorgt für Aufruhr. Erstmals werden Bankkunden direkt zur Kasse gebeten. Doch trotz den befürchteten Panikreaktionen müssen sich deutschen Anleger keine Sorgen um ihr Geld machen. Die Sparkassen geben Entwarnung.

Viele Bankkunden in Zypern versuchen ihr Geld abzuheben, denn es drohen Sonderabgaben wegen der Krise. In Deutschland müssen Sparer aber nichts befürchten. - © Foto: ANE Edition/dapd

Am frühen Samstagmorgen hatten sich die Euro-Finanzminister und der Internationale Währungsfonds auf ein Rettungspaket von rund zehn Milliarden Euro für Zypern verständigt. Damit sollen erstmals seit der bereits fünf Jahre andauernden Finanzkrise der Eurozone auch Bankkunden an den Kosten der Rettung beteiligt werden. So sollen die Sparer in Zypern künftig eine einmalige Abgabe von 9,9 Prozent auf Guthaben über 100.000 Euro leisten. Beträge bis zu dieser Schwelle sollen mit 6,75 Prozent besteuert werden.

Die Pläne des Rettungspakets sehen aber auch für Unternehmen künftig höhere Steuern vor. Der niedrige Unternehmenssteuersatz wird von zehn auf 12,5 Prozent erhöht. Außerdem soll die Gesetzgebung im Umgang mit Geldwäsche auf den Prüfstand gestellt werden. Einen Schuldenschnitt wie im Falle Griechenlands soll es nicht geben, beschlossen die Finanzminister. Nun muss das zyprische Parlament über die Pläne abstimmen.

Sparprogramm hat psychologische Folgen

In Deutschland sind die Meinungen dazu gespalten. Sehen die einen ein schlechtes Zeichen auch für die deutschen Anleger, so beruhigen die anderen mit der Bedeutung der Eurorettung für alle Länder. Der deutsche Bundestag will im April über das Rettungsprogramm abstimmen.

Als ärgster Warner vor den geplanten Maßnahmen trat bislang der Wirtschaftsweise Peter Bofinger auf. "Diese Quasi-Enteignung der Anleger würde nicht nur das Bankensystem in Zypern gefährden, sondern wäre eine Bedrohung für das Finanzsystem im gesamten Euro-Raum", sagte er der "Passauer Neuen Presse" . Der Wirtschaftsexperte sprach von einer großen Verunsicherung der Sparer in allen Länder, die nun entstehen könne. Bofinger rechnet damit, dass die Bilder der Menschen vor den gesperrten Geldautomaten psychologische Folgen auf die Entwicklung der Märkte haben werden.

Für die deutschen Sparer geben die Sparkassen jedoch Entwarnung. Sie werden nach Einschätzung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) weder die Sonderabgabe auf Bankeinlagen spüren noch die Besteuerung von Zinseinkünften. "Deutsche Sparer müssen sich keine Sorgen machen", sagte DSGV-Präsident Georg Fahrenschon dem "Handelsblatt".

Nach Einschätzung des Verbands hat die Lage in Zypern nichts mit der Lage in Deutschland zu tun. "Die Situation zeigt, dass es sehr gut ist, keine einheitliche europäische Einlagensicherung zu haben", sagte Fahrenschon. Deshalb könne das System auf Zypern begrenzt werden. Über eine einheitliche europäische Einlagensicherung wird als Teil einer zentralen EU-Bankenaufsicht jedoch diskutiert.

Nicht bedingungslos bezahlen

Finanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich bislang zufrieden, dass die Euro-Finanzminister über das Hilfspaket entschieden hätten. Er dringt nun auf eine schnelle Einigung schon in der zweiten Aprilhälfte im Bundestag. Die anderen Parteien drängen allerdings darauf, dass weitere Bedingungen für Hilfszahlungen an Zypern gestellt werden müssten.

Für den Koalitionspartner FDP ließ Brüderle zunächst offen, ob die Abgeordneten dem Paket zustimmen werden. "Vor einer Entscheidung im Deutschen Bundestag muss aber, den Regeln des ESM folgend, deutlich und nachvollziehbar die Systemrelevanz dargelegt werden", sagte er der "Welt am Sonntag". Grünen-Chef Jürgen Trittin forderte hingegen ein "härteres Vorgehen gegen Steuer-Dumping". Erst nach Vorlage der konkreten Vereinbarung werde die Fraktion ihre abschließende Haltung zu dem Paket festlegen können", sagte er der "Bild am Sonntag". dhz/dapd

Das EU-Hilfspaket für Zypern

Konkret sieht das für Zypern geschnürte EU-Hilfspaket mit Selbstbeteiligung laut der zyprischen Zeitung "Financial Mirror" folgendes vor:
  • Nikosia erhebt eine 9,9-prozentige, am Dienstag abzuziehende Sondersteuer auf alle Einlagen ab 100.000 Euro bei zyprischen Banken. Kleinere Sparguthaben werden mit 6,75 Prozent besteuert.
  • Die Maßnahme soll 5,8 Milliarden Euro einbringen.
  • Es ist nur von Abgaben auf Sparkonten und Depots die Rede, nicht von laufenden Konten.
  • Die Anleger werden durch Anteilsscheine der Banken entschädigt.
  • Die Zinsbesteuerung wird von derzeit 15 auf 30 Prozent angehoben.
  • Zypern hat zugestimmt, seine nominelle Unternehmensbesteuerung von 10 auf 12,5 Prozentpunkte anzuheben. Erhofftes Ergebnis: plus 200 Millionen Euro im Jahr.