Was die Bundesregierung beim Antrieb von Pkws bis zum Jahr 2020 erreichen will, hat die Fahrradbranche längst geschafft. Rund eine Million E-Bikes sind im Verkehr, allein im vergangenen Jahr wurden 400.000 Fahrräder mit Elektroantrieb verkauft. Und der Trend wird sich fortsetzen. Sogar für das Handwerk bringt der Fahrradfrühling 2013 interessante Angebote.
Ulrich Steudel

Besonders in Großstädten wird der „letzte Kilometer“ zum Kunden immer teurer. Allein die lästige Parkplatzsuche kostet Nerven, Zeit und Parkgebühren. Handwerker, die sich über die Zufahrtsmöglichkeiten in Innenstädten ärgern, haben jetzt eine Alternative. Mit dem „Load Hybrid“ bietet der hessische Fahrradhersteller Riese und Müller ein so genanntes Cargo-Bike, das für ein zulässiges Gesamtgewicht von 200 kg ausgelegt ist.
Das voll gefederte Lastenrad verfügt über einen Elektromotor, der die Muskelkraft des Fahrers mit einer Leistung von 250 Watt unterstützt. Das ungewöhnlich lange und immerhin 29 kg schwere Fahrad mit Elektroantrieb hat einen teilbaren Alurahmen. Also warum nicht das Rad im Laderaum mitnehmen, den Transporter an geeigneter Stelle abstellen und die letzten Meter zur Baustelle mit dem Cargo-Bike fahren? Ganz billig ist der Spaß allerdings nicht. Das „Load Hybrid“, das in der Branche als eine der interessantesten E-Bike-Neuheiten des Jahres gilt, kostet 4.500 Euro.
Anhänger fürs E-Bike
Dem innerstädtischen Lastentransport hat sich auch Peter Hornung verschrieben. Der Chef eines kleinen Handwerksbetriebes für Innenraumplanung und Möbelmontage in München hat für den Eigenbedarf einen Fahrradanhänger entwickelt, der auf so großes Interesse gestoßen ist, dass er auf der Internationalen Handwerksmesse ausgestellt wird. Gleichzeitig läuft die Serienproduktion an, Ende März sollen die ersten Hänger unter der Marke „hinterher“ zum Preis von 450 Euro für die Basisversion lieferbar sein. Der Hänger ist äußerst flexibel, lässt sich auch als Sackkarre, Handwagen oder Einkaufstrolly einsetzen. Auseinandergebaut kann er platzsparend an die Garagenwand gelehnt werden.
Umgesetzt hat Hornung sein Projekt mit einem Netzwerk engagierter Kleinbetriebe. „So konnten wir den Hänger innerhalb eines halben Jahres entwickeln und Prototypen fertigen – alles ohne China“, freut sich Hornung über die gute Zusammenarbeit mit Kollegen im Raum München.
Mountainbike mit Elektroantrieb
Ob der Hänger allein mit Muskelkraft oder mit Unterstützung eines Elektromotors gezogen wird, dürfte den Entwicklern egal sein. Fakt ist, dass das E-Bike dieses Jahr immer weiter in Bereiche vordringen wird, die bisher den sportlichen Pedalisten vorbehalten waren. Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad nennt das die Demokratisierung des Waldes. „Man muss nicht mehr besonders fit sein, um mit dem E-Mountainbike im Gelände Spaß zu haben.“
Ein Beispiel für diesen Trend ist das „ Xduro Allmountain“ des Schweinfurter Herstellers Haibike. Das 21,1 kg schwere Elektro-Mountainbike gibt es in vier Rahmengrößen, Luftfedergabel und -dämpfer lassen sich auf Fahrergewicht und Gelände anpassen, Kostenpunkt: 4.600 Euro.
Ein E-Mountainbike speziell für Frauen bringt der Schweizer E-Bike-Pionier Biketec auf den Markt. Das Flyer-Modell „ X-Serie Ladies SE“ setzt auf die neue Laufradgröße 650B, die zwischen den klassischen 26-Zoll und den immer beliebteren 29-Zoll-Rädern angesiedelt ist und dementsprechend oft als 27,5 Zoll bezeichnet wird. Das 23 kg schwere Bike kostet 4.490 Euro.
Schaltwut wird eingedämmt
650B-Laufräder sind auch bei klassischen Mountainbikes im Kommen. Ein weiterer Trend heißt Reduktion. Über Jahre hinweg wurden die Bikes mit immer mehr Gängen aufgerüstet, jetzt folgt die Kehrtwende. Der amerikanische Hersteller Sram bringt die erste Elffach-Kettenschaltung auf den Markt. Da es an der Kurbel nur noch ein Kettenblatt gibt, entfällt hier das Schalten. Stattdessen sitzen auf der Kassette am Hinterrad gleich elf Ritzel, das kleinste mit zehn, das größte mit 42 Zähnen. Die ganze Gruppe gibt es wahlweise mit Daumen-Schalthebel oder Drehgriffschalter zum Preis von 1.300 Euro.
„Hövding“ für Helmmuffel
Innovationen bietet die Branche nicht nur bei den Rädern selbst, sondern auch beim Zubehör. Dank der Erfindung zweier modebewusster Schwedinnen müssen Frauen sich nicht mehr über zerzauste Frisuren ärgern, wenn sie nach der Radtour den Helm abnehmen. Die Lösung heißt „Hövding“.
Das ist kein Helm im klassischen Sinne, sondern eher eine Halskrause. In diesem Schutzkragen, der für 400 Euro zu haben ist, verstecken sich Sensoren, die im Falle eines Sturzes eine Art Airbag auslösen, der sich blitzschnell um den Kopf aufbläst.