Porträt eines Schuhmachers als Dokumentarfilm Herr Felde und der Wert der Dinge

Ein neuer Dokumentarfilm stellt das kleine Geschäft eines Handwerkers als Insel in der Wegwerfgesellschaft dar. "Herr Felde und der Wert der Dinge" zeigt das Porträt eines Schuhmachers, dessen Lebensfreude ansteckend ist.

Ulrich Steudel

Schuhmacher Wilhelm Felde. - © Foto: Karger

Wilhelm Felde scheint aus der Zeit gefallen zu sein. Sein Schuh- und Schlüsseldienst in Villingen-Schwenningen wirkt wie ein Überbleibsel aus einer vergangenen Epoche. Der Laden des aus Kirgisien stammenden Handwerkers hat sich zu einem Fluchtpunkt aus der Wegwerfgesellschaft entwickelt. Wer ihn betritt, hat meist ein kleines Problem und trifft auf einen Menschen mit großem Herz.

Denn Wilhelm Felde repariert nicht nur Handtaschen und Hundeleinen, näht Schuhe und schleift Schlüssel – er tut dies in einer Art und Weise, die ver­lorengegangen scheint in einer Zeit, in der niemand mehr Zeit hat. Der 48-jährige Spätaussiedler gibt seinen Kunden ein Gefühl der Wertschätzung, das auch den Gegenständen gilt, die diese bei ihm reparieren lassen.

Dem Gespür des Filmemachers Klaus-Peter Karger ist es zu danken, dieses Kleinod handwerklicher Fürsorge in den Fokus eines Dokumentarfilms gerückt zu haben. Entstanden ist das Porträt eines Mannes, dessen Streben nicht dem schnellen und größtmöglichen Gewinn gilt, sondern der seine offenkundige Zufriedenheit aus seiner Arbeit und dem Umgang mit den Kunden schöpft, auch wenn sich seine Rechnungen meist nur zwischen einem und fünf Euro bewegen.

"Herr Felde und der Wert der Dinge" zeigt die Würde eines Handwerkers, dessen Profession von der Konsumgesellschaft in Frage gestellt wird. Wie viele Schuhmacher haben sich ihrem Schicksal ergeben und fristen in den Eingangshallen der Supermärkte ein trauriges Dasein, während ihre Kundschaft durch den Konsumtempel hetzt? Bei Wilhelm Felde ist das anders, wie im Film deutlich wird.

Fünf Tage lang hat Klaus-Peter Karger, der im Hauptberuf als Hörfunkredakteur beim SWR arbeitet, mit der Kamera den Arbeitsalltag von Wilhelm Felde begleitet. Auf Kommentare verzichtet er im Film, sondern lässt ausschließlich seinen Protagonisten, dessen Kunden und die Bilder sprechen. Nur einmal verlässt die Kamera die Werkstatt, um Szenen aus der kirgisischen Hauptstadt Bischkek einzufangen, die Feldes Sozialisation in der kommunistisch geprägten Sowjetrepublik demonstrieren sollen. Ein Blick in das private Leben von Familie Felde im Schwarzwald fehlt allerdings, obwohl sicher viele Zuschauer sich fragen, wie dieser bescheidene Mann mit bescheidenem Einkommen eine Familie mit vier Kindern durchbringt.

Das ist schade, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Klaus-Peter Karger ein Porträt gelungen ist, das der handwerklichen Arbeit jenen Respekt verleiht, der ihr gebührt.

Der Film kann als DVD zum Preis von 15 Euro im Internet bestellt werden.